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Grimma Bestandsaufnahme der Vogelwelt im Muldental: Feldlerche wird zur Seltenheit
Region Grimma Bestandsaufnahme der Vogelwelt im Muldental: Feldlerche wird zur Seltenheit
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17:07 21.02.2016
Jens Müller (l.) und Wilfried August sind die Herausgeber des Buches. Quelle: Bernd Endruszeit
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Grimma/Kössern

Ein gewichtiges Werk, eine enorme Fleißarbeit, eine wichtige Bestandsaufnahme: Das alles und noch viel mehr ist das soeben erschienene Buch „Die Vogelwelt der Muldetalregion um Grimma und Wurzen“, das am Sonnabend im Jagdhaus Kössern interessierten Ornithologen und der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Als Herausgeber zeichnen Wilfried August und Jens Müller verantwortlich. Beide gehören dem Verein Sächsischer Ornithologen an und sind ehrenamtliche Naturschutzhelfer.

„Wir sind eine lose Gruppe von Ornithologen, die sich regelmäßig treffen“, sagen sie über sich. Das alle verbindende Band ist die Rolle als aufmerksame Beobachter der gefiederten Tierwelt. „Wir sind aber keine Vogelbeobachter, die vermeintlichen Sensationen hinterherjagen oder nach so genannten Hotspots suchen“, betont Wilfried August. Jeder arbeite in seiner weiteren Wohnumgebung und liefere beispielsweise Daten an das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Dabei gehe es nicht etwa um eine bloße Registrierung von einzelnen Tieren, sondern um die Erstellung von beschreibenden Texten, die exakte Zählung, die Situation von Biotopen und die Ermittlung von Brutpaaren. „Wir arbeiten kontinuierlich und zu jeder Jahreszeit“, sagt August.

Diese Fülle an Daten floss nun in das jetzt vorgestellte Buch ein. Es setzt eine wegweisende Arbeit fort, die Wolfgang Köcher und Hartmut Klopsch im Jahre 1982 unter dem Titel „Die Vogelwelt der Kreise Grimma, Oschatz und Wurzen“ herausgaben. In den vergangenen 34 Jahren haben sich nicht nur die politischen Rahmenbedingungen verändert, sondern auch die Situation der Vogelwelt. „Wir verzeichnen einen drastischen Schwund vieler Kleinvögel wie zum Beispiel Feldlerche, Braunkehlchen und Kiebitz“, sagt der Brandiser Jens Müller. „Auch das Rebhuhn steht fast vor dem Ende.“

Ein Grund dafür seien wirtschaftliche Zwänge, denen die Bauern unterliegen. „Monokulturen bedeuten immer fehlende Nahrungsquellen. Im Raps brütet kein Vogel, ein solches Feld wirkt wie eine Betonwand. Mit dem Mais ist es ganz ähnlich.“ Leider gebe es immer weniger Feldraine und Splitterflächen, denn auch diese Areale werden jetzt häufiger genutzt. „Wir haben strukturlose Landschaften.“ Ist ein Umdenken in Sicht? „Es gibt mehr biologisch bewirtschaftete Flächen, aber das reicht noch nicht. Das sind nur kleine Inseln“, so Müller.

Das jetzt zum Preis von 19,90 Euro vorgelegte Werk (ISBN 978-3-940744-66-1) ist kein Bestimmungsbuch für Entdecker, es ist vielmehr eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme von Lebensräumen. Jens Müller: „Wir freuen uns, dass uns Naturfotograf Oliver Richter seine Bilder kostenlos zur Verfügung gestellt hat.“ Denn Fördergelder gab es für das Werk nicht, alles wurde privat finanziert.

Wolfgang Köcher bedauerte in seinem Schlusswort, dass sich zur Vorstellung dieses wichtigen wissenschaftlich fundierten Werkes kein Vertreter der Regionalpolitik sehen ließ, „aber das war nicht anders zu erwarten“. Für diese habe das Ehrenamt nur dann Bedeutung, wenn es ihnen von Nutzen ist und nicht stört. Er schloss die Buchpräsentation mit den Worten: „Es lebe die Erde mit ihrer Vielfalt an Lebensräumen.“

Von Bernd Endruszeit

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