Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma Besuchermagnet Frauenkirche: Nicht immer steht sie offen
Region Grimma Besuchermagnet Frauenkirche: Nicht immer steht sie offen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 15.07.2017
Einladende Geste: Jürgen Platz gehört zu den 29 Kirchenwächtern, die die Frauenkirche in Grimma vier Stunden am Tag offen halten. Quelle: Thomas Kube
Anzeige
Grimma

Grimmas Frauenkirche ist nicht nur das älteste Gebäude in der Stadt, ihre Mauern atmen auch eine wechselvolle wie spannende Geschichte. Kein Wunder, dass Touristen in der Regel einen Blick in das imposante Gotteshaus werfen wollen. Doch nicht immer gibt die Türklinke nach. Unentbehrliche Kirchenwächter sorgen dafür, dass die Eingangstür – außer montags – zumindest vier Stunden am Tag offen steht. Doch mit nur 29 Personen, die die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde derzeit aufbieten kann, ist die Decke einfach zu kurz.

Jürgen Platz sitzt an diesem Mittwochnachmittag neben dem Eingang an einem kleinen Tisch und blättert in der LVZ. Vor ihm liegt ein Heft, in dem eine Strichliste der Besucher geführt wird. Tags zuvor schaute sich am Nachmittag ein 50-köpfiger tschechischer Chor neugierig um, am Vormittag wurden 15 Einkehrende in der Frauenkirche gezählt. Der 69-jährige Grimmaer hatte sich vor fünf Jahren entschieden, die Reihen der Kirchenwächter zu stärken. Seitdem hält er in der Regel einmal in der Woche für zwei Stunden Kirchenwache. Sein Motiv? „Es ist wichtig, dass sich Fremde vom Bauwerk und dem Kirchenleben einen Eindruck verschaffen können“, sagt Jürgen Platz, der viele Jahre als leitender Mitarbeiter im Landratsamt tätig war. Das wolle er ermöglichen.

Nicht nur Touristen steuern seinen Worten zufolge das Gotteshaus an. Auch Durchreisende. Manchmal würden Leute bewusst von der Autobahn abfahren, um sich Grimma und die Kirche anzuschauen. Die verheerenden Hochwasser hätten die Stadt bekannt gemacht. Die Frauenkirche liegt am Lutherweg, auf dem im 500. Jahr der Reformation mehr Gläubige unterwegs sind. Das schlägt sich ebenfalls in der Besucherzahl nieder. Doch es sind auch Grimmaer, die in ihrer Frauenkirche manchmal innere Stille suchen und sich einfach in eine Bankreihe setzen. Oder von einer Ausstellung angelockt werden. In der kalten Jahreszeit, von Januar bis Ostern, bleibt die Kirche mit ihren markanten, 43 Meter hohen Türmen allerdings geschlossen.

„Vorrangig ist man Aufsicht“, sagt Jürgen Platz. Er müsse aufpassen, dass keiner Dummheiten mache. Einmal etwa wollte ein Halbwüchsiger mit dem Fahrrad durch die christliche Stätte. Platz schritt ein. Ein Kirchenwächter muss aber auch etwas über das Bauwerk und seine Geschichte erzählen können. Dazu gebe es einen schriftlichen Führer, auch in Englisch, sagt der 69-Jährige, der die Historie der Maria geweihten Kirche aus dem Steggreif erzählen kann.

Pfarrer Torsten Merkel schätzt die Arbeit der Kirchenwächter sehr. „Ohne sie könnten wir die Kirche nicht öffnen.“ Doch die Zahl der 29 Freiwilligen, allesamt Rentner und Mitglied der Kirchgemeinde, ist knapp bemessen, um die täglich vier Stunden von 10.30 bis 12.30 und 14.30 bis 16.30 Uhr abzusichern. Gerade am Wochenende sei die Besetzung ein Problem, erläutert der Pfarrer, der das Gotteshaus gern länger öffnen würde. „Ich sehe ja selbst, wie Leute umsonst klinken.“ Insofern wirbt Torsten Merkel ständig um neue Mitstreiter, etwa im Gemeindebrief, bei Gottesdiensten und auf der Ehrenamtsbörse. „Es wäre gut, wenn wir mehr Kirchenwächter hätten.“ Das Gotteshaus ohne sie aufzuschließen, sei nicht möglich, erläutert der Pfarrer. Die Gefahr von Diebstählen sei zu groß.

Zumindest erhalten die Kirchenwächter eine kleine finanzielle Geste, die Merkel aus dem Programm „Wir für Sachsen“ bestreiten kann. Ein Dankeschön ist auch die Einladung zum Ehrenamtsfest der Kirchgemeinde. Denn der Pfarrer weiß um die anspruchsvolle Tätigkeit der Wächter, von denen einige leider gesundheitlich angeschlagen sind. Denn sie müssen sich mit allem im Gotteshauses auskennen, auch mit der Alarmanlage.

Jürgen Platz gehört zum eingespielten Stamm der Kirchenwächter, die mit Herzblut bei der Sache sind. Hin und wieder wird er dabei Zeuge berührender Momente. So baten zwei etwa zehnjährigen Mädchen, die kein Geld dabei hatten, um eine Bittkerze. Eines der Kinder entzündete dann das Licht. Es wollte im Himmel seinen Vater und Bruder grüßen.

Von Frank Prenzel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Spielmannszug in Mutzschen erobert die Herzen der Zuschauer bei der 27. Landesmeisterschaft in Markkleeberg. Zehn Mannschaften traten zu den Wettkämpfen an. Mutzschen holte Bronze.

15.07.2017

Ein Chemieunfall am Dienstagabend im Gewerbegebiet Mutzschen löste einen Einsatz der Feuerwehren von Grimma, Zschoppach und Mutzschen aus. Ein Staplerfahrer hatte beim Heben einer Palette einen Behälter mit Ethylenglycol aufgeschlitzt. Mehrere 100 Liter des Kühlmittels liefen aus.

12.07.2017

Am Sonntag führt die Chefin des Kreismuseums Grimma, Marita Pesenecker, noch einmal durch die Sonderausstellung „Das Kriegsgefangenenlager Golzern“. Beginn ist um 15 Uhr. Es ist die letzte Möglichkeit, um mehr über das von 1914 bis 1917 existierende Lager zu erfahren. Die Ausstellung endet am 13. August.

11.07.2017
Anzeige