Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma Bibliophiles Kleinod ist heimgekehrt
Region Grimma Bibliophiles Kleinod ist heimgekehrt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:00 23.08.2011
Anzeige

. Doch der Pfarrer „in Naunhoff und Klinge" hat der Region auch andere Werke seines Schaffens hinterlassen, wie der Klingaer Andreas Michel jetzt per historischem Original belegen kann.

„Mein Ausgangspunkt war, etwas über den Klingaer Orgelbauer Christian Schmidt herauszufinden", berichtete der Vorsitzende des Klingaer Orgel-Fördervereins. Inspiriert von der Pomßener Renaissance-Orgel, deren originale Disposition in einer gedruckten Orgelpredigt überliefert worden war, hatte Andreas Michel über das Stichwort „Ungibauer" nach ähnlichen Unterlagen für die barocke Schmidt-Orgel gesucht. Schließlich hatte der Pfarrer 1743 den Klingaer Orgelbauvertrag mit unterzeichnet und wahrscheinlich auch die Orgelpredigt im Jahre 1744 gehalten. „Google liefert ein paar Hundert Treffer, wenn man ins Blaue hinein recherchiert. Dabei erhielt ich auch Hinweise auf mindestens sieben Bücher und Publikationen Ungibauers, unter anderem auch auf ein 1749 gedrucktes Werk, das vom Antiquariat ‚Puehse Books‘ in der texanischen Kleinstadt Comfort angeboten wurde", so der Orgelfreund. „150 Dollar hielt ich für die 1300 gedruckten Seiten nicht für zu viel – und griff kurzerhand zu."

Keine zwei Wochen später konnte Andreas Michel das Päckchen im Zollamt Taucha persönlich abholen und hielt tatsächlich ein originales Exemplar „Christoph Gottfried Ungibauers, Pfarrer in Naunhoff und Klinge, Catechetische Theologie" in den Händen. Dass Michel nach dem ersten Querlesen keinerlei Hinweise auf Musik, Klinga oder gar dessen Orgel finden konnte, tat seiner Begeisterung jedoch kaum Abbruch. „Es ist ein reiner Katechismus, der den Stand der Kirchenpraxis jener Zeit widerspiegelt, und zudem auch Pflichten für Gastwirte, Handwerker und Kaufleute darlegt."

Andreas Michel kann anhand der Einträge im Buch sogar dessen Weg nach Übersee rekonstruieren: Johanna Sabina Ungibauer, vermutlich jüngste Schwester des Verfassers, hatte das Buch einst an dessen Tochter Charlotte Sidonie weitergegeben. 1800 an einen Herrn Weise verkauft, wanderte das Buch offenbar nach 1914 mit dessen Nachfahren nach Amerika aus, wo Urenkelin Hedwig es weiter veräußerte. 262 Jahre nach seiner Drucklegung ist somit ein Originalwerk eines berühmten Sohnes der Region schließlich wieder an seinen Ursprungsort zurückgekehrt. Ein Unikat, das derzeit weder das Naunhofer Stadt- und noch das Kirchenarchiv zu seinen Kostbarkeiten zählen können. „Weitere Exemplare", so hatte Andreas Michel erkundet, „soll es in der Weimarer Anna-Amalia-Bibliothek und der Universitätsbibliothek Halle geben."

Ralf Saupe

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

[image:phpRRhw0O20110821140922.jpg]
Grimma. Im Göschenhaus wurde am Samstag bei einer Sonderführung für Kinder die Schulgeschichte lebendig.

22.08.2011

. KG im Gange. Über rund 85 Hektar erstreckt sich das gesamte Gelände, auf dem sich in den nächsten Jahren der Tagebau schrittweise entfalten wird. Vorerst allerdings haben im künftigebn Abbaugebiet von Pomßen III die Archäologen vom Landesamt

19.08.2011

[image:phpU2U4aF20110818162836.jpg]
Grimma. Nein, ein Star aus der Retorte ist Michael Hirte ganz sicher nicht. Jeans von der Stange, Schweißperlen auf der Stirn noch vor dem ersten Song und Sprüche, die alles andere als glatt gebügelt sind.

19.08.2011
Anzeige