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Biete: Motivation, Können und Fleiß – Suche: Arbeit, Lohn und Glück

Jobbörse in Grimma Biete: Motivation, Können und Fleiß – Suche: Arbeit, Lohn und Glück

Das Kommunale Jobcenter des Landkreises Leipzig hatte am Dienstag 600 Arbeits- und Ausbildungssuchende in den Grimmaer Rathaussaal geladen. Fast 30 Betriebe hatten mehr als 200 Stellen dabei.

Andrang im Grimmaer Rathaussaal: Zahlreiche Arbeits- und Ausbildungssuchende informieren sich an den diversen Firmenständen.

Quelle: Frank Schmidt

Grimma. Als Geschäftsführer des Bildungs- und Sozialwerks Muldental (BSW) mit 100 Beschäftigten habe er schon viele Einstellungsgespräche geführt, sagte Christian Kamprad. Und so wünschte er der Arbeitgeber-Kontaktbörse viele gute Sekunden: „Erfahrungsgemäß entscheidet diese eine Sekunde darüber, ob Bewerber und Arbeitgeber zueinanderkommen“, so der Mitausrichter.

Das Kommunale Jobcenter des Landkreises Leipzig hatte am Dienstag 600 Arbeits- und Ausbildungssuchende in den Grimmaer Rathaussaal geladen. Teamleiterin Doreen Simmler: „Einmal im Jahr bringen wir sowohl in Borna als auch in Grimma die Vertreter der Firmen mit den Leistungsempfängern zusammen. Fast 30 Betriebe haben mehr als 200 Stellen dabei.“ In Borna war die Kontaktbörse am Donnerstag im Stadtkulturhaus durchgeführt worden.

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Kontaktbörse am Dienstag in Grimma: Das Jobcenter bringt 600 Arbeitssuchende mit 30 Arbeitgebern zusammen.

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In Grimma gab Benjamin Pfeil aus Mutzschen am Dienstag seine Unterlagen am Stand von Kaufland ab. Der 24-Jährige möchte Kaufmann im Einzelhandel werden: „In der 10. Klasse wurde bei mir ein gutartiger Hirntumor festgestellt. Eine Reha jagte die nächste. Jetzt geht es voran, endlich könnte ich meine Ausbildung beginnen.“ Er sei kontaktfreudig, hilfsbereit und optimistisch, sagte der junge Mann mit Staplerschein: „Ich wäre total happy, wenn’s klappt!“

Früher habe sie sich sehr bemühen müssen, um Unternehmen zur Kontaktbörse zu bewegen, sagte Doreen Anders, Betriebsberaterin beim BSW: „Diesmal meldeten sich die Firmen sogar selbst.“ Der demografische Wandel schlage unerbittlich zu, die Betriebe suchten händeringend Lehrlinge und Fachkräfte.

Max Weber, Richard Schulze, Jonas Berger, Jonas Müller und Philipp Friedrich, allesamt Neuntklässler aus dem Ortsteil Böhlen, informierten sich bei Böttcher Transporte. Der eine möchte Fitnesskaufmann werden, der andere IT-Experte, die nächsten wollen irgendwas mit Medizin oder Landwirtschaft machen, der Fünfte im Bunde interessiert sich für den Beruf des Kraftfahrers: „Der Lehrbetrieb soll nicht so weit entfernt, das Team nett und der Lohn angemessen sein.“

So gewünscht, überprüfte Mitorganisatorin Sandra Jurzok am Computer schriftliche Bewerbungen auf mögliche Rechtschreibfehler. Wer noch kein gutes Bewerbungsfoto hatte, war bei Fotograf Oliver Diecke genau richtig. Er setzte die Bewerber möglichst dynamisch in Szene.

Enrico Kain, Leiter des Wohn- und Seniorenzentrums Frohburg, war am Dienstag auf der Suche nach künftigen Führungskräften. Iris Tetzner von der Grimmaer K+S Seniorenresidenz bot auch Quereinsteigern eine Chance: „Wir suchen Alltagsbegleiter für Spaziergänge, Sitztanz und Gedächtnistraining.“ Kurt-Uwe Andrich, Inhaber der Denkmalschmiede Höfgen, umwarb potenzielle Allroundgenies für Küche, Bankett und Restaurant.

Unter den Interessenten mit Laufzetteln gab es auch welche, die sich nur Stempel und Unterschriften abholten, um gleich wieder nach Hause zu gehen. Die Mehrheit aber informierte sich gründlich. Wie jene 30-jährige Hartz-IV-Empfängerin aus Bad Lausick, die sich ihre Mütze tief ins Gesicht gezogen hatte und anonym bleiben wollte: „Ich suche einen Job im Büro. Aussichtslos. Auf meine Bewerbungen reagiert man nicht mal. Es ist ein Scheiß-Gefühl. Wenn ich Arbeit hätte, könnte ich den Führerschein machen und mir ein Auto leisten. So aber habe ich weder das eine noch das andere. Wie soll ich da mobil sein?! Ein Teufelskreis!“

Bessere Karten schien Alexander Zitzer aus Wurzen zu haben. Der 38-Jährige, der vor sieben Jahren aus Kasachstan gekommen war, ist Mechatroniker. Er ließ sich sämtliche Kontakte geben, um seine 34-seitige Bewerbung zielgerichtet per E-Mail zu versenden – an die Bahn oder DHL. Josephiene Delitz von DHL: „Wir expandieren, konnten ein neues Terminal eröffnen und suchen Operations-, Ramp-, Security- und Customs-Agents.“ Lauter Agenten, ein echter Agenten-Thriller!

Spannend ist auch das Projekt, das BSW-Geschäftsführer Kamprad für Ende April ankündigte: „Dann beginnen wir mit unseren Kursen für Analphabeten. Die haben es auf dem Arbeitsmarkt am allerschwersten.“

Von Haig Latchinian

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