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Grimma Big Brother auf der Baustelle: Streit um Überwachungskameras
Region Grimma Big Brother auf der Baustelle: Streit um Überwachungskameras
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00:21 05.06.2018
Ralf Gorny, der Inhaber der Pension „ Zur alten Stadtmauer“ ist stocksauer. Er fühlt sich allein gelassen. Quelle: Thomas Kube
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Colditz

Ein Streit, der das Zeug zur Provinzposse hätte – wenn die Fronten nicht derart verhärtet wären. Tatsächlich kann sich keiner der Beteiligten auch nur das müdeste Lächeln abringen. Zu unversöhnlich die Standpunkte. Und so droht die kleine Straße „Am Graben“ zumindest argumentativ in der Sackgasse zu enden.

Baubeginn verzögert sich

Die Kommunalen Wasserwerke Grimma-Geithain (KWW) wollen auf 85 Metern sowohl Trinkwasser- als auch Kanalleitungen erneuern. Vier bis fünf Wochen sind allein dafür veranschlagt, der Kostenpunkt liegt bei knapp 80 000 Euro. Anschließend, so der Plan, wird die Stadt Colditz die Fahrbahn schick machen – auf eigene Rechnung, Fördergelder inklusive. An sich unspektakulär. Noch aber dreht sich kein Rad. Und das, obwohl die Arbeiten längst hätten beginnen müssen.

Pensionsbetreiber ist sauer

Ralf Gorny betreibt in der Straße seine Pension. Der 51-jährige ist stocksauer. Er kritisiert, dass die Gasse ausgerechnet in der schönen Jahreszeit voll gesperrt werden soll: „30 000 Briten besuchen pro Jahr unsere Stadt, einige von ihnen übernachten bei mir – weniger im Herbst oder Winter als vielmehr im Frühjahr und Sommer.“ Vergeblich schlug er vor, das Projekt entweder auf Oktober/November oder Februar/März zu verschieben. Nun befürchtet er massive Stornierungen und erheblichen Umsatzeinbruch. Als er auch noch die Auflage bekam, während der Bauarbeiten seine am Haus angebrachten Überwachungskameras auszuschalten, startete er einen bundesweiten Hilferuf. Er fühle sich nach wie vor von Neonazis bedroht, dürfe weder seine Gäste noch sich selbst einer diesbezüglichen Gefahr aussetzen: „Ich beobachtete damals nächtelang vom Auto aus, wer sich alles am Haus zu schaffen macht. Es war Qual, es war Folter“, erinnert sich Gorny.

Ordnungsamt hofft auf Kompromiss

Der Colditzer Ordnungsamtsleiter Silvio Gleffe weiß um den Brandanschlag, der vor geraumer Zeit auf die Pension verübt wurde. Er könne sich auch gut in das Seelenleben des Herrn Gorny versetzen. Demonstrativ wie kaum ein zweiter stehe der Pensionsbetreiber für ein weltoffenes Colditz, schonungslos, auch sich selbst und seiner Gesundheit gegenüber: „Deshalb bin ich nicht für die harte Tour.“ Noch habe er die Hoffnung auf einen Kompromiss nicht ganz aufgegeben, so Gleffe. Nicht tolerierbar sei jedoch der „aggressive, in Teilen beleidigende Stil“, in dem Gorny seit Wochen seine Faxe an Stadt und Baufirma verfasse. Gerade das beauftragte Unternehmen STI in Döbeln sei der denkbar ungeeignete Adressat, unterstrich der Rathaussprecher.

KWW drängt auf Lösung

So sieht es auch KWW-Geschäftsführer Kunath: „Es ist völlig nachvollziehbar, dass sich die Arbeiter nicht von früh bis abends filmen lassen wollen und es deshalb ablehnen, mit dem Bau zu beginnen.“ Big Brother auf der Baustelle. Nie zuvor habe Kunath von einem ähnlichen Problem gehört: „Dieser Fall dürfte einmalig sein.“ Noch bis zu seinem letzten Arbeitstag versuchte der inzwischen in den Ruhestand verabschiedete Ex-Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos), in der Sache zu vermitteln. Er bot Gorny an, die wöchentlichen Bauberatungen besuchen und täglich den Polier vor Ort kontaktieren zu können. Auch sein Nachfolger Robert Zillmann (parteilos) kündigt an, sich möglichst schnell zu kümmern. Die Baufirma wollte sich wegen des „schwebenden Verfahrens“ nicht öffentlich äußern, ebenso wenig wie ein inzwischen eingeschalteter Rechtsanwalt.

Für Lutz Kunath von den KWW steht fest: „Der Bau muss starten. Wir haben unseren Wirtschaftsplan umzusetzen, dürfen uns keine Vertragsstrafe leisten. Sollte die Baufirma nicht zum Zuge kommen, könnte sie uns mit Schadenersatzforderungen konfrontieren.“ Kunath bedauert, dass sich der Pensionsbetreiber uneinsichtig zeige: „Ich finde das Angebot der Stadt fair, Abdeckhauben zur Verfügung zu stellen, um sie von 6.30 bis 16 Uhr über die Kameras zu stülpen. In dieser Zeit kann es eh keine Anschläge geben.“ Sollte Gorny nicht einlenken, müsse man eben entsprechend große Baugeräte vor den Kameras postieren, denkt Kunath laut nach.

Von Haig Latchinian

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