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Bleiben Schichtarbeiter auf der Strecke? – Colditzer Linken-Stadtrat hat Mängel entdeckt

Muldental in Fahrt Bleiben Schichtarbeiter auf der Strecke? – Colditzer Linken-Stadtrat hat Mängel entdeckt

Der Colditzer Linken-Stadtrat Michael Völkl kritisiert den neuen Fahrplan. Zwar gebe es neue Linien. Es sei jedoch nicht hinnehmbar, dass Schichtarbeiter schlicht abgekoppelt würden. Er spricht aus eigener leidvoller Erfahrung.

Der Zug bietet nicht immer eine Alternative zum Auto.

Quelle: André Kempner

Colditz. Ziel des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) müsse sein, den Individualverkehr einzuschränken, um Mensch und Umwelt zu entlasten. Michael Völkl sitzt für die Linke in der Stadtratsfraktion Pro Colditz und konnte sich dieser Tage im Hohen Hause seine Kritik zum Fahrplanwechsel nicht verkneifen. Zwar erkenne er an, dass man neue Linien eingeführt habe. Es sei jedoch nicht hinnehmbar, dass Schichtarbeiter schlicht abgekoppelt würden.

„Gelang es dem Schichtpendler bislang, morgens einigermaßen pünktlich zu Arbeitsbeginn in Leipzig zu sein, ist dies seit dem 7. August nicht mehr möglich“, sagt der Mann, der es wissen muss. Er ist berufstätig, würde gern das Auto stehen lassen, auf Bus und Bahn umsteigen. Aber: „Vom Spätdienst kam ich in den vergangenen Jahren nie ohne Auto nach Colditz. Leider ändert sich daran nichts.“ Im Fernverkehr ab Leipzig fielen für Colditzer morgens ebenfalls einige Züge weg, nicht etwa weil die Bahn sie gestrichen hätte, sondern weil man diese mit dem ÖPNV nicht mehr erreiche. „Es muss doch möglich sein, Colditz wenigstens an jeden Zug anzubinden, der von Grimma aus nach Leipzig fährt und umgekehrt“, schimpft der Ratsherr. Das Pilotprojekt „Muldental in Fahrt“ sei seiner Meinung nach bis jetzt ein Flop.

Das sieht der Colditzer Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos) anders: „Es ist zunächst sehr positiv, dass wir Colditzer Bestandteil des Projektes sind. So finde ich es anerkennenswert, dass etwa die Buslinie Colditz-Bad Lausick besser auf die Züge von und nach Leipzig abgestimmt ist.“ Wo es Gewinner gibt, da gebe es eben auch Verlierer. Bislang seien die Busse vor allem auf den Schülerverkehr zugeschnitten gewesen, man habe umgedacht und biete nun auch älteren Leuten auf dem Dorf die Chance zum Einkauf im nächst größeren Ort. „Alles ist noch im Fluss, wer Kritik hat, soll sich melden.“

Ähnlich argumentiert Brigitte Laux vom Landratsamt: „,Muldental in Fahrt’ ist ein Modellprojekt, das mit einem neuen Ansatz arbeitet. Es bietet vielen Nutzern Vorteile, für andere fällt eine gewohnte Verbindung weg. Der ÖPNV will sich ja am Bedarf orientieren, daher nehmen wir die Hinweise ernst und werten diese aus. Dann kann auch geprüft werden, wo gegebenenfalls nachgesteuert werden muss.“

Andreas Kultscher, Geschäftsführer der Regionalbus Leipzig GmbH, wundert sich über die Kritik: „Zum Dezember 2016 haben wir die Buslinie 613 von Colditz nach Bad Lausick stark aufgewertet, mit am Tag neun Fahrten pro Richtung plus Schulverstärkern. In der Hauptverkehrszeit verdichtet sich der Zweistunden- sogar zum Stundentakt. Hinzu gekommen sind Fahrten auch am Wochenende, die es zuvor nicht gab.“ Laut Kultscher hat sich das Angebot auch mit dem neuen Fahrplan nicht verschlechtert. Jeder Bus, sowohl nach Bad Lausick als auch nach Grimma, sei auf die Züge abgestimmt: „Zwischen Colditz und Grimma verkehren die Busse auf der Linie 619 wochentags jede Stunde, sonnabends und sonntags im Zweistundentakt.“

Colditz und die Ortsteile gehörten auch zu Leipzigs näherer Umgebung, hält Michael Völkl dagegen. „Für eine kleine Fahrpreiserhöhung kann man auch schon mal ein paar Busse einsparen?!“ Nein, Verständnis könne es dafür nicht geben, sagt der Stadtrat. Individualverkehr solle vermindert werden, um Mensch und Umwelt zu entlasten. Der Landflucht sei entgegenzusteuern. „So wird das aber nichts. ÖPNV sollte sich für den Fahrgast lohnen, damit er sein Auto stehen lässt“, so Völkl. Schichtarbeit nehme zu. Derzeit arbeiteten 17 Prozent der Beschäftigten in Schichten: „Tendenz steigend.“

Von Haig Latchinian

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