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Grimma Blockbuster für Pomßen: Filmemacher bannen Ortsgeschichte auf Zelluloid
Region Grimma Blockbuster für Pomßen: Filmemacher bannen Ortsgeschichte auf Zelluloid
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Manfred Görl (l.) und Wolfgang Kretzschmar mit historischer Film-, Schneide- und Vorführtechnik, die an dem Abend zu sehen sein wird. Quelle: Thomas Kube
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Parthenstein/Pomßen

Ab 1968 hielt der damalige Vorsitzende des Kleingartenvereins, Walter Hnat, mit seiner Acht-Millimeter-Schmalfilmkamera Ereignisse fest, die ganz real waren und heute Geschichte darstellen - Momente für die Ewigkeit. Unter anderem richtete er das Objektiv auf die Kleingärtner, als sie die Wasserleitung und das Stromkabel in ihrer Anlage verlegten. Oder wenn sie im Großsteinberger Sachsenhof feierten.

Als legendär gelten die Strandfeste, die der Verein organisierte. "Auf den Filmen sind Bands zu sehen, die auftraten", sagt Manfred Görl (64), der sich die Streifen vornahm, um daraus eine vorführbare Länge zusammenzuschneiden. "Walter Hnat filmte das Publikum, Modenschauen und Bootsfahrten auf dem Mühlteich." Auch beim Aufbau war er dabei, als die Bühne gemauert wurde, die Losbude und die Kegelbahn entstanden oder einfach nur die Stühle für die Besucher gestellt wurden.

"Als der Vorsitzende starb, bewahrte seine Frau die Filme in Kisten auf", erklärt Wolfgang Kretzschmar (61) vom 13 Mitglieder zählenden Geschichtsstammtisch Pomßen. "Ich forschte nach ihnen und konnte sie bei ihrem Sohn, Günter Hnat, aufstöbern." Mit ihm setzten sich Kretzschmar und Görl zusammen, um das Material zu sichten und private Aufnahmen bei der Familie zu belassen. Sechs Spulen, jede bis zu einer halben Stunde lang, sollten für die Öffentlichkeit übrig bleiben.

Görl schnitt sie zu 120 laufenden Metern zusammen, die Kretzschmar in Leipzig digitalisieren und auf eine DVD brennen ließ. So richtig gefiel den beiden die Qualität aber noch nicht, helle und dunkle Abschnitte störten den Genuss. Also war weitere Computerarbeit gefragt. Lutz Schmidt vom Geschichtsstammtisch bearbeite das Ganze und fügte eine musikalische Untermalung sowie Untertitel zu, die beschreiben, was aus welchem Jahr gerade läuft. Heraus kam eine Dreiviertelstunde bewegte und bewegende Historie, die morgen, ab 19 Uhr, in der alten Schule bei freiem Eintritt vorgeführt wird. Wer verhindert ist, kann zur Wiederholung am 27. November, ebenfalls ab 19 Uhr, in den Reiterhof Steinbach in Pomßen kommen.

Zu beiden Terminen möchte Görl auch noch einmal seinen 20-Minuten-Streifen vorführen, der vor fünf Jahren auf großes Interesse im Dorf gestoßen war, so dass er gleich an drei Abenden gezeigt werden musste. Der Hobbyfilmer, der sich mit 17 vom Lehrlingsgeld eine AK8-Kamera gekauft hatte, war mit ihr bei einem Strandfest, bei Arbeitseinsätzen und Fußballspielen dabei. Im Gegensatz zum anderen Film, der per Beamer läuft, wird er sein Werk mit einem tschechischen Schmalfilmprojektor vorführen. Und er will anhand der alten Technik den Besuchern zeigen, wie damals geschnitten wurde.

Von Frank Pfeifer

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