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Bomberabsturz über Belgershain: Schwierige Spurensuche 70 Jahre danach

Bomberabsturz über Belgershain: Schwierige Spurensuche 70 Jahre danach

Dass der Zweite Weltkrieg vor 70 Jahren sein Ende fand, ist für Greg Lynch längst kein Grund, die Suche nach vermissten Soldaten einzustellen. "Sie haben für uns gekämpft und ihr Leben geopfert, da ist es nie zu spät", sagt der Captain der US-Marine, der diese Woche mit einem Team nach Belgershain kam.

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Spurensuche: Nick Debb, Terry Hunter und Greg Lynch (vorn v.l.) an der Absturzstelle. Mit dabei unter anderem Zeitzeuge Gerhard Baum (hinten 3.v.r.)

Quelle: Andreas Döring

Belgershain. Dort war nach seiner Kenntnis am 30. November 1944 ein Flugzeug abgestürzt, beim Besuch erfuhr er überraschend von einem zweiten Fall in der Region, der auch Amerikaner betrifft und den er nun erforschen will.

Zur Begegnung im Rathaus schildert Gerhard Baum aus Belgershain seine Erinnerungen. Demnach kam das Flugzeug, von dem in den amerikanischen Archiven Unterlagen liegen, vermutlich aus Richtung Pomßen, als es bei Tage abgeschossen wurde. Es ging im Oberwald zu Boden. "Damals war ich 17 und habe mir das Wrack angeschaut", so der Zeitzeuge. "Das hintere Teil des Flugzeugs lag rechts der Bahnlinie von Belgershain nach Großpösna. Der Heckschütze hatte ein Bein gebrochen, war aber der einzige Überlebende. Er wurde gefangengenommen." Der vordere Teil des Rumpfes mit Motor und Bombenlast sei links der Bahnlinie aufgeschlagen und habe einen Krater gerissen. "Der war so riesig, wie ich ihn in meiner Zeit als Soldat nie wieder sehen sollte", berichtet Baum, der wenig später eingezogen wurde, dann in amerikanische und sowjetische Kriegsgefangenschaft gelangte und im September 1945 heimkehren durfte. Ein Luftbild von damals, das der Heimatverein Belgershain aufbewahrt, zeigt vermutlich den Krater.

Ein ganz anderes Bild vom Absturz bewegt den mittlerweile 87-jährigen Gerhard Baum bis heute. "Die Stiefel des toten Piloten hingen oben im Geäst", erklärt er. Zwei Mitglieder der Besatzung gelten für die Amerikaner bis jetzt als verschollen. Nun schauten sie sich zum ersten Mal die Stelle des Geschehens an, um herauszufinden, ob sich eine tiefergehende Erforschung lohnt.

"Wir haben immer einen Arzt und einen Mann mit Detektoren dabei", bemerkt Nick Deeb von den US-Landstreitkräften. Er ist bereits zum fünften Mal in Deutschland, das er sehr liebt, sei aber bei der Arbeit schon einmal auf eine große Bombe gestoßen. Um das Risiko von Verletzungen zu minimieren, werde versucht, Metalle im Boden frühzeitig aufzuspüren. Im Oberwald entdeckte das Team Aluminiumteile und einen Sauerstoffregler, der sich eindeutig einem B17-Bomber zuordnen lässt.

"Stoßen wir auf scharfe Munition, verständigen wir die Behörden", sagt Christina Lapitan von den amerikanischen Luftstreitkräften. Es sei grundsätzlich nicht erlaubt, Fundstücke ohne Genehmigung mitzunehmen, selbst wenn es sich um persönliche Dokumente der Opfer handelt. "Sie sind lediglich ein Start für uns, die Gewissheit, dass das Flugzeug wirklich an dieser Stelle abgestürzt ist", erläutert Christina Lapitan.

In der Folge, so Captain Lynch, würde alles in die Wege geleitet, um eventuelle Überreste der Gestorbenen zu sichern. "Gegebenenfalls wird ein weiteres Team, das wir hierher schicken, mit dem Bagger graben", sagt er. Ließen sich Knochen per DNA zuordnen, würden sie den Familien daheim übergeben, die bislang keine Gewissheit über den Verbleib ihrer Vorfahren haben. "Nach dem Krieg begruben die Amerikaner ihre Gefallenen in Belgien und Frankreich", wusste Bernd Weisbrich, Vorsitzender des Heimatvereins, zuzufügen. "Sie sollten nicht in Feindesland ihre ewige Ruhe finden."

Graigs Mannschaft gehört zu einer auf Hawaii ansässigen Regierungsorganisation, der Defense POW/MIA Accounting Agency, die sich unter anderem um Kriegsgefangene und Vermisste kümmert. Gerade das Gespräch mit Zeitzeugen ist ihm wichtig, weil sich so ganz neue Spuren ergeben. Von Gerhard Baum erfuhr er einen Vorfall, der sich zu Pfingsten 1944 ereignete.

"Eine Maschine ging an der alten Straße von Otterwisch nach Belgershain am Waldrand nieder", so der Rentner. "Acht Mann sind rechtzeitig abgesprungen. Das Flugzeug war noch komplett erhalten. Später gingen wir sogar hin, um Schrauben und anderes abzumontieren, was sich noch verwerten ließ."

Zu einem dritten Absturz kam es nach seinen Worten in einer Nacht des Jahres 1944. "Die Fliegerabwehr erfasste mit fünf oder sechs Scheinwerfern eine Maschine und schoss sie ab. Große Teile kamen an der Parthe in Lindhardt zum Liegen, kleinere waren bis zum Bahnübergang zwischen Rohrbach und Otterwisch verstreut." Baum geht aber davon aus, dass es sich in diesem Fall um ein englisches Flugzeug handelte, weil die Briten nachts ihre Angriffe flogen, während die Amerikaner tagsüber den Luftraum beherrschten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.04.2015
Frank Pfeifer

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