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Brandis: Juwi ändert Windrad-Pläne

Brandis: Juwi ändert Windrad-Pläne

Als Option für die Erweiterung des Energieparks in Waldpolenz war bislang der Bau von drei Windrädern im Gespräch. Juwi, Spezialist für erneuerbare Energien, hat diesen Standort jetzt unerwartet zu den Akten gelegt.

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Das Thema Windkraft sorgt in Brandis für Diskussionen. Nachdem lange Zeit der ehemalige Flugplatz Waldpolenz für die Errichtung von Windrädern im Gespräch war, gibt es jetzt neue Pläne.

Quelle: Juwi

Brandis. Das Unternehmen werde auf die Aufstellung der geplanten Windenergieanlagen auf der Militärbrache verzichten. "Alternativ", bestätigt Niederlassungssprecherin Jacqueline Manzke auf Anfrage, "prüfen wir derzeit eine Fläche am Waldrand circa einen Kilometer östlich von Polenz."

Brandis gilt als Vorreiter, was die Nutzung von Sonne und Biogas betrifft. Auf dem ehemaligen Flugplatz in Waldpolenz, einer kommunalen Liegenschaft, stampfte Juwi seit 2008 nicht nur eine der größten Solaranlagen Deutschlands aus dem Boden. 2013 wurde mit dem grünen Kraftwerk, das Biogas direkt ins Erdgasnetz einspeist, ein weiterer Meilenstein gesetzt.

Bislang waren die Akteure davon ausgegangen, dass drei Windräder den Energie-Mix komplettieren sollen. Die Kommune signalisierte gegenüber dem Regionalen Planungsverband Westsachsen bereits vor Jahren ihr Einverständnis. Zur offiziellen Einweihung des grünen Kraftwerks im Vorjahr äußerte Bürgermeister Arno Jesse (SPD) noch die Hoffnung, Waldpolenz möge eines Tages auch ein zukunftsweisendes Power-to-Gas Kraftwerk beherbergen. Dabei wäre es um die Installation einer neuen Technologie gegangen, in der Windstrom mittels Elektrolyse zu Erdgas umgewandelt wird.

Nunmehr haben sich Fledermäuse und weitere geschützte Arten wie Rot- und Schwarzmilan eingemischt. Durch die jahrelange Abgeschiedenheit des Militärgeländes, das nach der Wende von russischen Truppen verlassen wurde, konnten sich Flora und Fauna in vielen Bereichen ungestört entwickeln. Die Rede ist allein von 14 Fledermausarten, die dokumentiert sind. Wie Firmensprecherin Jacqueline Manzke gegenüber LVZ erklärte, verzichte man aus naturschutzfachlichen Gründen nunmehr auf die Aufstellung der geplanten Windräder im Energiepark. "Um der Stadt Brandis die erwarteten Gewerbeeinnahmen zu erhalten, sucht Juwi nun einen alternativen Standort in unmittelbarer Umgebung", so Manzke weiter. Dabei handele es sich um eine Fläche rund einen Kilometer östlich von Polenz am Waldrand auf offener Flur. Die Flächen sind nach LVZ-Informationen teilweise im Besitz der Stadt, weitere Ackerflächen gehören Landwirten.

Das neue Areal, argumentiert Juwi, würde die strengen Vorgaben des Planungsverbandes für die Errichtung von Windrädern erfüllen. So könne ein Mindestabstand von 1000 Metern zur nächsten Wohnbebauung eingehalten werden. Zudem befinde sich die Fläche außerhalb eines Naturschutzgebietes.

Dennoch schrillen bei Umweltschützern die Alarmglocken. Die Aussicht auf drei Windräder, jeweils 140 Meter hoch, am Rande des Planitzwaldes ruft erste Kritiker auf den Plan. Zu ihnen zählt Wolfgang Köcher, der bereits die Abholzungen im Grimmaer Stadtwald anprangerte und damit Ermittlungen gegen den Grimmaer Oberbürgermeister ins Rollen brachte. Köcher ist Miteigentümer des Schmielteichs bei Polenz. Das gleichnamige Naturschutzgebiet (NSG) umfasst 37 Hektar und befindet sich in unmittelbarer Nähe der geplanten Windräder. "In der Region Ammelshain, Brandis, Machern und Bennewitz ist der in Rede stehende Landschaftsabschnitt östlich der Ortslage Polenz von erheblicher Bedeutung für den Artenschutz", macht Köcher in einem LVZ vorliegenden Schreiben aufmerksam. Es handele sich um einen der wenigen Flecken, der noch nicht zersiedelt oder industriell geprägt sei. Das NSG gilt als überregional bedeutsames Feuchtgebiet, beherbergt zahlreiche geschützte Tier- und Pflanzenarten. Im Zentrum liegt der Schmielteich, an dessen Ufern Kraniche brüten. "Ihr wichtigster Nahrungsraum", schreibt Köcher, "sind die Feldfluren östlich von Polenz." Weitere Schutzgebiete wie das Landschaftsschutzgebiet Großsteinberg-Ammelshain befänden sich in unmittelbarer Nähe.

Nur wenige Schritte von den Rotoren entfernt würde zudem der von Bennewitz geplante Bestattungswald liegen. Der Friedhof unter Bäumen soll sich von der Sechs-Wege-Kreuzung bis fast an den westlichen Rand des Planitzwaldes erstrecken.

Laut Juwi handele es sich vorerst nur um eine "Projektidee". Derzeit gebe es noch keine Planungsgrundlage, räumt Manzke ein. Die erforderliche Ausweisung von Vorranggebieten erfolge gerade. Der Erstentwurf des neuen Regionalplanes werde im Laufe des nächsten Jahres erwartet. Sofern das Gebiet dann geeignet sei, müsse zudem noch ein Genehmigungsverfahren nach Bundesimmissionsschutzgesetz durchlaufen werden. "Die Behörde prüft hierbei sämtliche Umweltauswirkungen."

Der Polenzer Ortsvorsteher Andreas Böhme (Linkspartei) beurteilt die Pläne durchaus skeptisch: "Es ist nicht glaubhaft, wenn man aus Artenschutzgründen von Waldpolenz Abstand nimmt. In Richtung Schmielteich ist die Lage nicht weniger sensibel." Hier sei das letzte Wort noch nicht gesprochen.

 

 

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.03.2014
Simone Prenzel

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