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Brückenbauer zwischen Flüchtlingen und Bevölkerung

Brückenbauer zwischen Flüchtlingen und Bevölkerung

"Wir wollen Brücken bauen zwischen den Flüchtlingen und der Bevölkerung", sagt Stadträtin Heike Barthel von der Bürgerinitiative Naunhof. Gemeinsam mit 19 weiteren Gründungsmitgliedern rief sie am Montagabend im Stadtgut den Verein Vielfalt-Leben-Naunhof ins Leben.

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Der gewählte Vorstand des Vereins Vielfalt-Leben-Naunhof: Günter Motsch, 2. Vorsitzender; Schatzmeister Michael Hoffmann; 1. Vorsitzender Michael Eichhorn; Pressesprecher Michael Barthel (v.l.n.r.).

Quelle: Andreas Döring

Naunhof. Als erster Akt wurde der Vorstand gewählt. Schon am Sonntag will sich der Verein erstmals der Öffentlichkeit vorstellen - bei einem Kennlernfest im Alten Kranwerk.

Zum Vorsitzenden ernannte die Runde Michael Eichhorn. Der 26-jährige Stadtrat der Linken und Student der Anglistik, der momentan seine Abschlussarbeit schreibt, war schon maßgeblich involviert, als sich der Unterstützerkreis bildete, aus dem der Verein hervorging. Sein Stellvertreter wurde Günter Motsch, 83-jähriger Rentner und Trainer im Naunhofer Hundeclub. Schatzmeister ist Michael Hoffmann (46), selbstständiger Buchhalter und Schatzmeister bei Bündnis 90/Die Grünen im Landkreis. Als viertes Mitglied wählte die Runde Steffen Barthel als Pressesprecher in den Vorstand, der 43-Jährige ist Hausmann und Gatte der Stadträtin Heike Barthel. Er kommentierte: "Mich begeistert die Vielfalt der Bürger, die sich hier engagieren. Sie kommen aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen, die früher nicht zusammengearbeitet haben. Jetzt tauschen sie sich aus, motivieren sich gegenseitig."

Seit dem 28. Mai leben Flüchtlinge in der ehemaligen Pension Paulchen, der ersten Gemeinschaftsunterkunft in der Stadt. Kurz darauf bildete sich ein Unterstützerkreis für sie, der nach Angaben Eichhorns auf 35 Personen anwuchs. "In dieser losen Organisationsform sind wir aber an unsere Grenzen geraten", sagte er. "Wir können keine Spenden akquirieren, keine Fördermittel beantragen. Deshalb die Gründung des Vereins."

Am Satzungsentwurf, der im Vorfeld dem Finanzamt vorgelegt worden war, das nun die Gemeinnützigkeit bestätigen soll, feilten die Gründungsmitglieder über eine Stunde. Als Mitgliedsbeitrag sollen 24 Euro pro Jahr erhoben werden; für Schüler, Studenten, Auszubildende und Sozialhilfeempfänger gilt der halbe Satz. Heiko Guter, Chef des Alten Kranwerks, der mit dem gesamten Verein Kulturfaktur beigetreten ist, kritisierte: "Ich finde 24 Euro für einen Unterstützer zu wenig, zusammengenommen reicht das nicht mal für die Haftpflichtversicherung des Vereins." Eichhorn dagegen: "Wir sollten die Hürde für Mitglieder nicht zu hoch halten. Wer will, kann jederzeit zusätzlich spenden."

Am Sonntag von 13 bis 18 Uhr präsentiert sich der Verein im Alten Kranwerk an der Lutherstraße. Flüchtlinge aus Indien und arabischen Staaten werden für die Gäste kochen. In drei Bilderschauen wollen sie per Beamer ihre Heimatländer vorstellen, ab 14 Uhr Palästina und Syrien, ab 15.30 Uhr Indien und ab 17 Uhr Libyen. Der Eintritt ist frei.

"Unsere Werkskapelle wird zwischendurch Auswanderlieder der vergangenen 200 Jahre spielen", macht Guter weiter Appetit, der zeigen möchte, dass es Wanderbewegungen schon immer gab. Nach der Revolution von 1848 seien viele Deutsche nach Russland und Amerika gegangen. Die zweite große Welle sei vor dem Ersten Weltkrieg in Richtung USA und Kolonien ausgezogen. Zur Weltwirtschaftskrise und im Dritten Reich hätten Menschen fliehen müssen. In den 1950er-Jahren und zum Ende der DDR seien viele von Ost- nach Westdeutschland gewechselt, ein Trend, der immer noch anhalte.

"Unsere Gesellschaft redet nur darüber, ob wir den Flüchtlingsstrom bewältigen können. Der humanistische Aspekt wird nicht erwähnt", kritisierte Michael Eichhorn. Der Verein wolle sich für alle politisch, ethnisch oder religiös Verfolgten einsetzen. Heike Barthel sieht ihn auf einem guten Wege. "Ich freue mich, dass Naunhof anders ist als Freital und Heidenau", sagte sie.

www.vielfalt-leben-naunhof.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.08.2015
Frank Pfeifer

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