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Grimma "Büpo" - ein Polizist zum Anfassen im Muldental
Region Grimma "Büpo" - ein Polizist zum Anfassen im Muldental
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16:20 19.05.2015
Kooperation als Ziel: Revierleiter Frank Gurke (3.v.l.) und Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (4.v.l.) arbeiten mit ihren Teams zusammen. Quelle: Klaus Peschel

Wer allerdings glaubt, es handele sich um einen Bürger, der mal in eine Polizistenrolle schlüpft, der irrt. "Das ist kein Bürger, der Polizist spielt", klärt der Grimmaer Polizeirevierleiter Frank Gurke auf, "das ist ein Polizist, der für die Bürger da ist. Und ganz nah an ihnen dran."

Es reiche nicht aus, mit dem Funkstreifenwagen durch die Orte zu fahren. Diese Erfahrung, sagt Gurke, habe dazu geführt, auf Bürgerpolizisten zu setzen. "Die Beamten sind für diese Tätigkeit freigestellt. Sie sind zu Fuß unterwegs, knüpfen Kontakte. Und sie erfahren so oft frühzeitig von Dingen, die für die Prävention wichtig sind", schildert der Polizeioberrat das Tätigkeitsfeld. Auch bei der Aufklärung von Straftaten habe sich das Konzept schon bewährt, zum Beispiel bei einer Einbruchsserie in Colditz.

Marco Neumann ist einer der sogenannten "Büpos". Der Polizeihauptmeister ist in Grimma unterwegs und kann die Ausführungen seines Revierleiters nur bestätigen. Durch die unmittelbaren und regelmäßigen Kontakte wachse das Vertrauen, Bürgerinnen und Bürger würden ihn inzwischen immer häufiger ansprechen. "Zu Fuß bekommt man einfach mehr mit", sagt er. Der Bürgerpolizist sei "ein Polizist zum Anfassen". Wenn mögliche Brennpunkte bekannt seien, könne auch vorbeugend eingegriffen werden, es komme gar nicht mehr zum Brand. Wobei er jedoch keinen Zweifel daran lässt, dass strafbare Handlungen auch eine Strafverfolgung nach sich ziehen müssen.

Mit seinen Kollegen kordiniert Neumann den Dienstplan so, dass dieser möglichst der Situation gerecht wird. Wenn Veranstaltungen laufen, dann stellen sich die Bürgerpolizisten auf veränderte Dienstzeiten ein. Sie stimmen sich vorher mit Veranstalter und beteiligten Behörden wie Ordnungsämtern ab. "Was wir machen, ist manchmal fast Sozialarbeit", sagt Neumann. Und dabei bekommen die "Büpos" in Grimma und Wurzen Unterstützung von "Hilfssheriffs", wie Frank Lambing die eigene Tätigkeit schmunzelnd nennt. Die korrekte Bezeichnung lautet allerdings Sicherheitswacht.

"Das sind in der Tat Bürger in Uniform", sagt Gurke - allerdings speziell für ihre Tätigkeit ausgebildete und legitimierte Bürger. Ehrenamtlich, lediglich für eine Aufwandsentschädigung arbeiten sie für die Polizei "und sorgen dafür, dass noch mehr Präsenz von Ordnungshütern vorhanden ist", erklärt der Revierleiter. Schon seit acht Jahren engagiert sich Lambing auf diese Weise, Andreas Kahle ist seit vier Jahren für die Sicherheitswacht tätig. Aus einem einfachen Grund, wie Kahle sagt: "Einer muss es doch machen."

Der Leiter des fürs Muldental zuständigen Polizeireviers setzt auf Kooperation. Wer die Kräfte bündele, könne erfolgreicher arbeiten, sagt Frank Gurke. In diesem Kontext sieht der Polizeioberrat nicht nur das Thema Bürgerpolizist und Sicherheitswacht. Besonderen Wert legt er auch die Zusammenarbeit mit den Kommunen.

"Wenn wir das zusammentragen, was die Augen der Polizei sehen, und das, was die Augen der Stadtverwaltung sehen, dann ist das Gesamtbild deutlich besser", erklärt Gurke. Es gehe schlicht und einfach darum, durch einen Informationsaustausch Synergien zu erzielen. Als Beispiel dafür, dass die Zusammenarbeit gut funktionieren könne, nennt der Revierleiter die Große Kreisstadt Grimma. "Es gibt hier regelmäßig Treffen, bei denen die Polizei dabei ist. Wir bündeln unsere Erkenntnisse und können auf diese Weise sinnvoller tätig werden." Bündelung der Ressourcen, nennt Gurke dieses Vorgehen und zeigt sich zufrieden: "Die Zusammenarbeit funktioniert auf allen Ebenen grundsätzlich gut." Es gebe zwar gelegentlich unterschiedliche Auffassungen, doch im Meinungsaustausch sei es bisher stets gelungen, "auf einen Nenner zu kommen".

Für den Polizeioberrat ist Grimma kein Einzelfall. Gemeinsam mit den jeweiligen Bürgerpolizisten besuchte Gurke auch schon andere Kommunen und verständigte sich auf gemeinsames sinnvolles Vorgehen. In Trebsen zum Beispiel führte das dazu, dass sich Stadt und Polizei auf sinnvolle Regelungen für den Blauen Bruch verständigt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.07.2013

Heinrich Lillie

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