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Bürgerinitiative will die ehemalige Papierfabrik in Golzern retten

Bürgerinitiative will die ehemalige Papierfabrik in Golzern retten

Die Bürgerinitiative gegen den Abriss der Papierfabrik in Golzern kämpft weiter um den Erhalt des kulturhistorischen Industriedenkmals. "Der Abriss ist zwar genehmigt, aber wir appellieren immer noch an die Stadt Grimma, die Entscheidung zum Abriss rückgängig zu machen", sagt Dorothea von Below von der Bürgerinitiative.

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Luftansicht: Noch steht sie die alte Papierfabrik. Eine Bürgerinitiative will das Industriedenkmal in Golzern vor dem Abriss retten.

Quelle: Thomas Kube

Grimma/Golzern. Sie bedauert, dass die Bürgerinitiative keinen Zutritt zu dem Objekt hat. "Wir haben potenzielle Investoren an der Hand. Doch diese wollen sich das Objekt natürlich ansehen", meint sie. "Wir haben stets der Bürgerinitiative unter Aufsicht eingeräumt, dass sie das Objekt betreten können", entgegnet Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos). Allerdings könne die Stadt aus Sicherheitsgründen nicht erlauben, dass jeder das Objekt unbeaufsichtigt betrete. Die Bürgerinitiative sieht die Papierfabrik als besonders wertvoll an, da der Besitzer Max Schroeder bereits Ende des 19. Jahrhundert einer der bedeutenden Vorreiter der sozialen Marktwirtschaft war. "Neben der schon bestehenden Krankenversicherung, führte er die Familienkrankenversicherung für Angehörige und eine Pensionskasse für Mitarbeiter und deren Angehörige ein", so Uwe Bucher von der Bürgerinitiative. Zudem sei die Papierfabrik das letzte zusammenhängende Industrieensemble, das die frühindustrielle Entwicklung zeigt: Beginnend bei einer Getreidemühle Mitte des 12. Jahrhunderts bis hin zur weltweit agierenden Maschinen und Anlagenbau Gesellschaft (MAG). "Die Arbeitersiedlung in Grimma-Kamerun wird heute ebenso noch genutzt, wie die Lehrlingsunterkünfte in Grimma-Bahren, die heute als Asylunterkunft zu trauriger Berühmtheit gelangt sind", so Uwe Bucher. "Ein Abriss bringt keine Pluspunkte bei der Senkung des Hochwasserpegels in Grimma und Dorna, da die Fabrik als Wasserbauwerk konzipiert wurde", ist Dorothea von Below überzeugt. Nach ihren Aussagen wurden Flutungsräume und unterirdische Wasserumleitungen angelegt. "Der historische Mühlgraben war ein wesentlicher Bestandteil bei den Durchflussberechnungen der Mulde und diente bis zu seiner Verfüllung in den 1950er-Jahren als natürlicher Muldeabfluss", ergänzt Uwe Bucher. Ein Abriss senke seiner Meinung nach den Hochwasserpegel in Grimma um Null Zentimeter und in Dorna lediglich um sechs Zentimeter. Auch in der Wertigkeitsskala des sächsischen Hochwasserschutzplanes habe ein Abriss des Gebäudes einen eher geringen Stellenwert. Von den insgesamt 150 gelisteten Hochwasserschutzmaßnahmen, erlange die Papierfabrik gerade einmal Platz 140, so Bucher. Bedauerlich ist nach Buchers Ansicht, dass mit der Demontage schon begonnen wurde, ohne Alternativen zu einer weiteren Nutzung in Erwägung zu ziehen.

Wasser auf die Mühle der Bürgerinitiative ist die Masterarbeit von Marius Zwigart. Der Architekturstudent widerlegt darin die Behauptung, dass ein Abriss der Papierfabrik in Golzern auch nur eine annähernde Entlastung eines möglichen Hochwasserpegels für Grimma und Dorna bringen würde. Vielmehr würde eine Öffnung des Wehrs und des in den 50er-Jahren mit Braunkohleasche verfüllten Mühlgrabens, den Hochwasserpegel in Golzern um wesentlich mehr als einen Meter senken. Zwigart hat als Nachnutzung die Umwidmung zu einem Messe- und Tagungshotel als die optimalste Lösung vorgeschlagen. Dieses bietet sich wegen seiner Nähe zu den Städten Berlin, Leipzig und Dresden sowie seiner optimalen Verkehrsanbindung an. Das Hotel müsste in den flutsicheren Etagen errichtet werden, während das Erdgeschoss flutdurchlässig bleibt und für kulturelle Veranstaltungen nur temporär nutzbar sei. Auch das Außenareal ließe sich vielfältig nutzen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.07.2015
Cornelia Braun

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