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Bürgermeisterin auf Brautschau

Bürgermeisterin auf Brautschau

Ein Rathaus voller Frauen gehe auf Brautschau... Mit Augenzwinkern erkundigte sich Moderator Patric Blum nach den Schmetterlingen im Bauch der Bürgermeisterin. Heidemarie Kolbe schien vor Frühlingsgefühlen nur so zu strotzen.

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Gut besucht: In der Trebsener Kulturstätte ging es um das Thema Fusion.

Quelle: Frank Schmidt

Trebsen. Am gut besuchten „Gewerbestammtisch“ ließ sie gucken, durchaus umworben zu werden. Ausgerechnet bei den bislang eher zurückhaltenden Bennewitzern habe es gefunkt: Diese liebäugelten mit der Eingliederung nach Trebsen.

Ein gewagter Zungenschlag, der seine Wirkung auch nicht verfehlte. Manche der etwa 150 Besucher in der Kulturstätte sahen sich verwundert an. Bisher hieß es im Volksmund doch immer, Trebsen gehe nach Bennewitz. Und nun das! Bürgermeisterin Kolbe war offensichtlich selbst erschrocken und fand sogleich zur offiziellen Sprachregelung zurück, zu einer „möglichen Fusion“, einer „Begegnung auf Augenhöhe“. Jedoch sei Trebsen auch weiter in alle Richtungen offen. Kennzahlen aus Grimma, Brandis, Naunhof und auch Machern würden genauso geprüft.

Die an die Wand geworfenen Bennewitzer Parameter lasen sich wie ein Hochzeitsantrag: Geringe Pro-Kopf-Verschuldung, keine Straßenausbaubeiträge. Und Grimma, der Nebenbuhler? Er kam beim Vergleich nicht so gut weg: Höhere Straßenbaubeiträge, höhere Pro-Kopf-Verschuldung (Bennewitz 156, Grimma 867).

Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger war zwar anwesend, durfte Trebsen allerdings – so die Spielregeln des Abends – keine schönen Augen machen. Auf LVZ-Nachfrage äußerte er sich enttäuscht über die seiner Meinung nach tendenziösen Zahlen: „Die Pro-Kopf-Verschuldung von rund 800 Euro ist für eine Stadt wie Grimma ein guter Wert. Im Vergleich zu Kommunen wie Trebsen und Bennewitz müssen wir eine ganz andere Infrastruktur entwickeln und vorhalten. Die Schwimmhalle etwa oder das Gymnasium. Jeden Gymnasiasten, darunter auch 61 Trebsener, subventionieren wir mit jährlich 800 Euro.“ In der Auflistung vermisste Berger nicht zuletzt die Steuereinnahmekraft: „2008 lag Grimma im Muldental hinter Trebsen auf Platz 3. Bennewitz war da nur 15.“ Grimma habe derzeit Rücklagen von rund sechs Millionen Euro. „Würden wir die vorhandenen Gelder zum Schuldenabbau einsetzen, könnten wir die Pro-Kopf-Verschuldung mit einem Schlag um ein Drittel reduzieren. Aber wir tun das ganz bewusst nicht. Nur so können wir weiter massiv im Bereich Schulen, Kindergärten und Feuerwehren investieren. Maximal noch bis 2015 fließen Fördergelder. Was bis dahin nicht geschafft ist, wird auch nicht mehr.“ Einmal mehr warb er für ein starkes Mittelzentrum bestehend aus Nerchau, Trebsen und Grimma.

Für ein Anbändeln mit Grimma sprachen sich in Einwohnerbefragungen die Seelingstädter und Altenhainer aus. Jedoch nicht alle. Wolfgang Kleine, Ur-Seelingstädter, hält nichts von einer Anbiederung in Richtung Grimma. Das machte der Rentner auch auf der Veranstaltung des Gewerbestammtisches deutlich: Ortschaftsrat und Heimatverein seien nicht „die“ Seelingstädter. Mit anonymen Diffamierungen und einer Hetzkampagne hätten sich bestimmte Leute als die wahren Demokraten aufgespielt – ohne die Ergebnisse der Arbeitsgruppe abzuwarten: „Sobald Grimmas hohe Pro-Kopf-Verschuldung und die dort verlangten Straßenausbaubeiträge bekannt sind, gehen den Seelingstädtern bestimmt die Augen auf.“

Oha, Liebe hört sich anders an. Und tatsächlich wurden in der Kulturstätte nicht nur Nettigkeiten ausgetauscht. Aber die hatte wohl auch niemand erwartet.

Haig Latchinian

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