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Grimma Campingplatz ohne Kunden
Region Grimma Campingplatz ohne Kunden
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05:00 06.07.2010
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. Die Situation bedroht mittlerweile Reuters Existenz.

Wenn Iris Reuter über ihren Campingplatz am Münchteich blickt, legt sich ihr Gesicht in Sorgenfalten. Dabei könnte alles so toll sein: Rund 4000 Quadratmeter Fläche misst dessen Fläche, idyllisch gelegen zwischen Grethen, Beiersdorf und Grimma. Gäste, die die Ruhe der Natur suchen, kommen hier ohne Frage auf ihre Kosten. Es gibt nur ein Problem: Die Touristen bleiben aus. War der Campingplatz jahrelang gut besucht, ist Reuter nun schon froh, wenn sich aktuell ein Reisender mit seinem Caravan auf ihr Grundstück verirrt. „Und alles nur wegen dieser Schilder", sagt sie.

Seit knapp zwölf Jahren liegt Reuter im Streit mit der Stadt Grimma und der Kommune Parthenstein wegen der Straßenschilder an der Zufahrt zu ihrem Campingplatz. Dabei fing alles so gut an: Damals asphaltierte die Stadt die Straße Am Münchteich. Reuter war froh, denn vorher mussten sich ihre Campinggäste bei Regen über schlammige Wege quälen. Doch die Freude währte nicht lange. Denn die Stadt erklärte den asphaltierten Weg umgehend zum Fuß- und Radfahrweg. Nur Anlieger sollten hier noch fahren dürfen.

Legal kann sich jeder Campinggast auch jetzt dem Platz nähern. Denn als Anlieger gilt laut Rechtssprechung jeder, der ein berechtigtes Anliegen hat, sich einem Grundstück an der Straße zu nähern. Doch das Schild verwirrt die Autofahrer. „Ich versuche den Campern immer schon zu erklären, dass sie trotzdem den Radweg entlang fahren sollen", sagt Reuter. „Viele sind dennoch überfordert." Ihr Navigationsgerät oder ihre Straßenkarte zeige ihnen den Weg, aber sie würden dennoch denken, dass sie so nicht fahren dürften. Viele von Reuters Gästen irren dann durch Grimma oder Beiersdorf, um eine Zufahrt zu finden. Doch auch hier werden sie nicht fündig. Denn der Feldweg von der Leipziger Straße in Grimma oder von der Grimmaer Straße in Beiersdorf ist nur für Forstfahrzeuge freigegeben.

„Einige Ortskundige weisen meinen Gästen den Weg. Manchmal auch die Polizei", sagt Reuter. Aber der Großteil drehe entnervt ab. Dass Camper spontan ihren Platz ansteuerten, eben weil sie gerade auf der Durchreise sind, komme so gut wie gar nicht mehr vor.

Anfangs fand Reuter die neue Situation noch kurios, vielleicht hätte sie auch darüber lachen können, mittlerweile ist sie für sie aber Existenz bedrohend geworden. Denn auch wenn – wie aktuell – Hochsaison ist, herrscht auf ihrem Platz gähnende Leere. Nur ein Camper hat sich verirrt. Ansonsten stehen nur noch drei alte Wohnwagen herum, die ehemalige Nutzer stehen gelassen haben.

Auch in ihrem Gasthaus, das idyllisch am Teich liegt, sind keine Gäste zu finden. „Ich habe schon alle Kosten gekürzt, die ich kürzen konnte", sagt Reuter, die den Betrieb seit 22 Jahren führt." Am Anfang waren wir hier noch zu fünft, mittlerweile schmeiße ich den Laden alleine. Mein Sohn hilft mir stundenweise." Wenn es nicht Stammgäste gäbe, hätte sie den Laden längst schließen müssen.

Bisher ist Reuter nach eigener Aussage immer auf taube Ohren gestoßen, wenn sie um Unterstützung bat. Gestern sagte die Gemeinde Parthenstein, die für die Straße Am Münchteich zuständig ist, auf LVZ-Anfrage zu, dass sie Reuter unterstützen wolle. Ein Schild, das ausdrücklich den Weg zum Campingplatz freigibt, sei vorstellbar, sagte Gerd Welker, Mitarbeiter der Stadtverwaltung Naunhof in der Außenstelle Parthenstein und verantwortlich für Bauvorhaben. Zwar sei das Landratsamt dafür zuständig, von seiner Seite aus sehe er aber keine Bedenken: „Es handelt sich dabei ja nicht um Werbung."

Kai Kollenberg

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