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Grimma Caritasverband Leipzig sucht freiwillige Sterbebegleiter
Region Grimma Caritasverband Leipzig sucht freiwillige Sterbebegleiter
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10:43 24.02.2018
Koordinatorin beim Ambulanten Hospizdienst des Caritasverbandes Leipzig: Rosmarie Bauer. Quelle: Andreas Döring
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Deutzen

Rosmarie Bauer (62) ist seit fünf Jahren Koordinatorin beim Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienst des Caritasverbandes Leipzig. Davor hat sie selbst als ehrenamtliche Begleiterin gearbeitet. Heute bildet sie die Hospizhelfer aus und koordiniert als eine von vier Kollegen im Leipziger Land deren Einsätze. Der Bedarf an Sterbebegleitung steigt. Immer wieder werden neue Ehrenamtliche für diese Aufgabe gesucht. Anfang März beginnt ein nächster Ausbildungskurs. Rosmarie Bauer berichtet im Interview über Voraussetzungen, Ablauf der Ausbildung und den Herausforderungen in der Hospizarbeit.

Die Tatsache, dass der Caritasverband neue ehrenamtliche Hospizhelfer sucht und ausbildet, deutet daraufhin, dass es nicht genügend gibt, um den Bedarf zu decken. Trügt der Anschein?

Es ist tatsächlich so, dass wir mehr Begleitungen haben und die Nachfrage steigt.

Woran liegt das?

Es gibt mehrere Gründe dafür. Zum einen hat sich der Umgang mit dem Sterben verändert. Immer mehr Menschen haben den Wunsch, zu Hause zu sterben. Die Möglichkeiten sind durch die Palliativpflege heute auch anders als noch vor ein paar Jahren. Zum anderen hat sich das Familiengefüge verändert. Kinder leben oft weit weg von ihren Eltern. Nicht alle haben die Möglichkeit und die Mobilität, in der letzten Lebensphase der Eltern über einen längeren Zeitraum für sie da zu sein. Und wenn, dann brauchen sie dabei Hilfe und Unterstützung. Und letztlich ist es eine Konsequenz der Demografie – die Älteren werden mehr und damit auch die Sterbenden.

Wie viele Hospizhelfer begleiten aktuell wie viele Klienten beim Ambulanten Hospizdienst?

Wir haben inzwischen 45 ausgebildete Ehrenamtliche. Drei kommen mit dem neuen Kurs dazu. Im Schnitt begleiten wir 20 bis 25 Fälle im Monat, die aber von unterschiedlicher Dauer und nach den Bedürfnissen des Klienten ausgerichtet unterschiedlich intensiv sind. Wir hatten 113 abgeschlossene Begleitungen im vergangenen Jahr.

Die Helfer sind entsprechend des Bedarfs im Einsatz?

Genau. Jede Begleitung ist unterschiedlich, weil sie sich ausschließlich nach dem Bedürfnis des zu Begleitenden und dessen Familie richtet. Manchmal intensiv mit vielen Gesprächen über einen längeren Zeitraum. Manchmal ist es nur ein Telefonat. Jede Begleitung ist anders.

Sie bilden die Hospizhelfer selbst aus. Am 2. März beginnt ein neuer Kurs. Welche Voraussetzungen muss ein Sterbebegleiter mitbringen?

Wir sprechen prinzipiell mit jedem, der sich für diese Aufgabe interessiert. Er sollte eine innere Einstellung dafür haben, sich mit dem Thema Tod und Sterben auseinandersetzen zu wollen. Ein Hospizhelfer sollte sich in einer stabilen Lebenssituation befinden. Die wichtigste Voraussetzung ist, dass man sich selbst nicht in einer akuten Trauersituation befindet. Die Ausbildung geht sehr tief und das macht viel mit einem. Da werden letztlich die Antworten auf die Frage, ob man für diese Aufgabe geeignet ist, erst gefunden. So genau kann das vorher keiner wissen.

Der Teilnehmer kann also auch während des Kurses feststellen, dass er doch nicht geeignet ist und aussteigen?

Absolut, ja. Die Ausbildung ist tatsächlich sehr intensiv. Da stößt man mitunter an Stellen, die deutlich machen, dass derjenige eventuell selbst einen Schicksalsschlag noch nicht verkraftet hat oder sich den Umgang mit dem Thema doch leichter vorgestellt hat als er dachte. Als Hospizhelfer stehen wir immer in der zweiten Reihe. Nur das Bedürfnis des Sterbenden ist maßgeblich für das, was wir dort tun. Eigeninitiative und schlimmstenfalls die eigene Vergangenheitsbewältigung in die Sterbebegleitung zu mischen, wäre der falsche Weg.

Wie sind die Ausbildungskurse aufgebaut? Nach welchen Kriterien arbeiten sie?

Die Ausbildung besteht aus drei Teilen. In der Grundausbildung, die drei Mal zwei Tage (freitags und samstags) dauert, geht es um Sinne, Gesprächsführungen, um Rituale der Trauer und den Umgang mit dem Sterbethema. Später folgt ein Praktikumsteil, in dem es erste Besuchsdienste gibt und sich selbst reflektiert wird. Es soll bei der Konfrontation mit bestimmten Situationen herausgefunden werden, wie ich persönlich darauf reagiere. Zusammengefasst kann man sagen, dass die persönliche Eignung noch einmal hinterfragt wird. Im dritten Teil, dem Vertiefungskurs, geht es im September dann um die Festigung der erlernten Theorie in der Praxis. Alles endet dann mit einem Zertifikat und der möglichen Arbeit als ehrenamtlicher Hospizhelfer.

Wenn die Ausbildung vorbei ist, muss ich dann mit den Emotionen, die diese Aufgabe wecken, allein zurecht kommen?

Nein. Die Begleiter treffen sich regelmäßig zu Helferkreisen, in denen es um den Austausch geht. Wir erzählen uns von schönen und traurigen Erlebnissen, lachen und weinen miteinander. Wir haben derzeit drei dieser Gruppen, eine in Markkleeberg, zwei in Deutzen. Dort finden regelmäßig Fallbesprechungen und Supervisionen statt.

Die Hospizhelfer arbeiten ehrenamtlich, werden für ihre Zeit nicht bezahlt. Trotzdem entstehen Kosten – wie wird diese Betreuung finanziert?

Die Betreuung durch uns als Ambulanter Hospizdienst kostet den Klienten nichts. Unsere Leistungen werden über Leistungen der Krankenkassen mitfinanziert.

Wie erfahren sie, wo sie gebraucht werden?

Wir arbeiten eng mit Kooperationspartnern zusammen – ansässige Ärzte, Pflegeheime, Krankenhäuser, Sozialstationen. Prinzipiell kann sich aber jeder, der eine hospizliche Betreuung zu Hause wünscht, bei uns direkt melden. Wir sind überall im Altkreis Leipziger Land unterwegs.

Von Thomas Lieb

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