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Grimma Champagnerton statt Reichsbahnblau – neues Outfit für Grimmaer Feuerwehr
Region Grimma Champagnerton statt Reichsbahnblau – neues Outfit für Grimmaer Feuerwehr
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00:31 24.02.2018
Christian Nadansky (re.) und Sandro Röder mit der neuen sandfarbenen Uniform, die nunmehr auf jeden Kameraden einzeln angepasst ist. Vorerst durchläuft die neue Kluft eine Testphase, bevor alle Kameraden der Grimmaer Feuerwehren damit eingekleidet werden. Quelle: Thomas Kube
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Grimma

Es sei ein bisschen wie auf der Fashion Week, man habe sogar Models laufen lassen, witzelt Matthias Berger. Der parteilose Oberbürgermeister serviert auch gleich die passende Überschrift: „Grimmaer Feuerwehr trägt Maßanzüge“. Stadtbediensteter Steffen Kunze, verantwortlich für die Feuerwehren, kann sich ein Lächeln nicht ganz verkneifen: „Herr Berger hat schon Recht, wenngleich es kein Model auf dem Catwalk gab, sondern nur Kamerad Christian Nadansky in der Dämmerung. Wir haben ihn in neongrüne, signalrote, dunkelblaue, sandfarbene Uniformen gesteckt und geschaut, was auf der Straße am praktikabelsten ist.“ Die örtlichen Feuerwehrchefs und ihre Stellvertreter hätten daraufhin lange diskutiert und sich schließlich für die ockerfarbenen entschieden. Die Granden Daniel Klemm, Maik Hammer, Rico Schneider und Christian Donner wissen: Brände sind das eine, Unfälle und Ölspuren das andere. Gerade bei letzteren – und die seien weitaus häufiger – würden die Kollegen in heller Kleidung deutlich besser gesehen.

Die Testphase läuft. Als einer von kreisweit wenigen Vorreitern kleidet Grimma zunächst 40 aktive Einsatzkräfte ein. Neue Jacke, neue Hose – 1000 Euro pro Stück. „Wir erwarten keinerlei Dank“, sagt OBM Berger: „Wir sind es unseren Kameraden schuldig, sie so auszustatten, dass sie sich nicht noch zusätzlich in Gefahr bringen.“ Ein Jahr lang werden die Uniformen nun von ausgewählten Feuerwehrleuten in Grimma und Mutzschen getragen, ehe man nach Auswertung des Fragenkatalogs darüber befindet, nach und nach weitere Kameraden einzukleiden.

Ersten Kontakt zum Ausrüster knüpften die Grimmaer auf der Floriansmesse im vorigen Jahr in Dresden. Ein Vertreter der Firma stellte die Uniformen daraufhin persönlich im Gerätehaus vor. Schnell war klar: Weder Jacke noch Hose kommen von der Stange. Das Modell Grimma ist eine maßgeschneiderte Uniform. Jede Öse, jede Tasche, jeder Schriftzug ist auf die Bedürfnisse der Wehr abgestimmt. Auf dem ins Futter genähten Etikett mit den Pflegehinweisen ist sogar der Name des Trägers vermerkt. Bei der Anprobe war auch Gerätewart Max Richter anwesend: „Die Kameraden wurden einzeln vermessen. Es ist ja so, dass gerade bei den größeren oft die Ärmel zu kurz sind – das ist jetzt ausgeschlossen.“

Fescher Champagnerton statt biederes Reichsbahnblau – Sandro Röder ist begeistert: „Es geht ja nicht nur um die Farbe, sondern auch ums Material. Die Jacke ist wesentlich leichter. Sie ist atmungsaktiv und du schwitzt nicht so schnell. Außerdem ist sie kürzer geschnitten, dem Körper angepasst, du kannst dich darin besser bewegen und fühlst dich nicht mehr wie in einem Sack.“

Die alten Uniformen blieben vorerst weiter im Einsatz, betont der städtische Feuerwehrobmann Steffen Kunze: „Mit der zweiten Garnitur ist die strikte Schwarz-Weiß-Trennung besser möglich. Bei Bränden entstehen giftige Gase. Umso wichtiger ist es, die kontaminierte Kleidung schnell zu wechseln, am besten gleich am Einsatzort.“ Es sei schlecht, wenn gesundheitsgefährdende Stoffe über Haut oder Lunge aufgenommen würden: „Immer wieder geistert das Wort Feuerwehrkrebs durch die Gazetten.“

800 Kameraden hat Grimma in 15 Ortswehren. „500 stehen unter Waffen“, triumphiert Spaßvogel Berger und meint seine aktiven Kollegen. Die Stadt, die 2002 und 2013 von schweren Fluten heimgesucht wurde, habe sich beim Katastrophenschutz eine gewisse Selbstständigkeit erhalten, sagt der Oberbürgermeister: „Im Ernstfall verlegen wir den Einsatzstab der Stadtverwaltung ins Gerätehaus. Dort haben wir einen eigenen Leitstand und arbeiten Hand in Hand mit den Kameraden“ – die immer schicker werden.

Von Haig Latchinian

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