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Grimma Charme im Boxhandschuh in Grimma
Region Grimma Charme im Boxhandschuh in Grimma
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05:00 16.01.2010
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Grimma

Susann, Auszubildende und mit 18 Jahren die Jüngste in der Runde, hält am längsten durch. Ohne den kleinsten Ausrutscher springt sie minutenlang über das Seil, das ihre Hände herumwirbeln. Seilspringen gehört zur Erwärmung. Und an dem Ton, in dem Boxtrainer Wolfgang Bludau seine Kommandos gibt, merkt man, dass das hier kein Nagelstudio ist. Das wollen die Frauen, die hierher zum Training kommen, auch nicht. Sie schätzen gerade den unkomplizierten Umgang, in dem sie richtig gefordert werden. „Das ist hier nicht so eine Püppchenstube“, sagt Ines, 37 Jahre alt und selbstständig im Gesundheitsbereich tätig.

Worum es den Frauen geht, hatte Bludau, der sonst junge Leistungssportler in den Ring schickt, gleich am Anfang gemerkt, als er im vorigen

Herbst die Gruppe ins Leben rief. Weil er sich nicht ganz sicher war, wie man Frauen trainiert, bat er eine Übungsleiterkollegin vom Turnen aus dem SV 1919, ihm zur Seite zu stehen. Nach ein zwei Trainingseinheiten verlangten seine Frauen von dem einstigen Boxer, er möge sie doch bitte selbst trainieren und richtig rannehmen. Das tut er seitdem. Der Kraftkreis für alle Muskeln von den Schultern bis zu den Füßen, in den er die Frauen schickt, hat sich gewaschen. Die vier gehen mit Freude ans schweißtreibende Werk.

„Weil es notwendig ist, etwas für die Fitness zu tun“, sagt die 44-jährige Helga, die zugibt, „dass die Treppe irgendwann immer länger wurde.“ Sie ist als einzige nicht berufstätig, dafür hat sie einen 24-Stunden-Job, pflegt ihre parkinsonkranke Mutter. Für Einzelhandelskauffrau Yvette (37) ist in dem Zusammenhang ist auch der Druck in der Gruppe wichtig: „In der Gemeinschaft ruft die Pflicht“, da ruht sich keine aus.

Natürlich geht es beim Boxen auch ums richtige Hinlangen. „Wir wissen genau, wo wir hinhauen müssen“, grinst die gut gelaunte Helga und wird für einen Moment ernster: „Man sieht ja immer wieder, was einem passieren kann, wenn man Zivilcourage zeigt. Wer dann nicht zuhauen kann, ist arm dran.“ Welche Frau, sagt Bludau, wäre schon in der Lage, einen Angreifer aufs Kreuz zulegen. „Aber einen gezielten, wirksamen Schlag auf die richtige Stelle, dass kann jede lernen.“ Allerdings sucht keine von Bludaus Sportlerinnen die Auseinandersetzung: „Man geht solchen Situationen gezielt aus dem Weg“, sagt Ines.

Das gilt übrigens auch fürs Training. Kämpfe gegeneinander sind tabu, ebenso wie Wettkämpfe. Wenn die Frauen die Boxhandschuhe anziehen, was nicht an jedem Trainingsabend passiert, rückt Wolfgang Bludau die Sandsäcke zurecht. Und dann kennen Susann, Helga, Ines und Yvette kein Pardon.

André Neumann

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