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Christopherosbüro saniert: Fluthelfer seit elf Jahren in Grimma

Christopherosbüro saniert: Fluthelfer seit elf Jahren in Grimma

Grimma. Mit einem Pegel von 7,75 Metern erreicht die Mulde im Juni 2013 einen Rekordstand. Nach dem Jahrhunderthochwasser 2002 wird die Altstadt von Grimma erneut überflutet.

Wieder raubt sie Händlern und Gewerbetreibenden die Existenz. Aber die Macher der Muldestadt raffen sich auf und beginnen von vorn.

Die Tür steht offen. Obwohl das Christophorus-Büro des Caritasverbandes Leipzig erst vor wenigen Tagen die Räume in der Grimmaer Nicolaistraße wieder beziehen konnte, finden Betroffene den Weg. "Der Bedarf an Hilfsangeboten scheint jetzt noch größer als im Sommer und Herbst vorigen Jahres", erzählt Fluthelferin Michalina Jonderko. Das mag daran liegen, dass die Leute jetzt so weit sind, sich wieder einzurichten, erklärt die 27-Jährige. "Anträge auf Fluthilfe oder Einwände der Sächsischen Aufbaubank sind für die Betroffenen aktuell." Wer mit dem Prozedere überfordert sei, finde im Christophorus-Büro Hilfe.

Die Einrichtung der Caritas ist selbst ein Kind der Naturgewalten, entstanden aus einem Sozialarbeiterteam, dass nach der Muldeflut 2002 vor Ort Hilfe leistete. Als absehbar war, dass die Naturkatastrophe auch irreparable Schäden hinterlassen würde, nutzte der Wohlfahrtsverband die Chance, ein Pilotprojekt zu starten. Sozialarbeiter Clemens Bech, ein Mann der ersten Stunde, erinnert sich. "Anfangs waren es vor allem soziale und finanzielle Beratungs- und Betreuungsaufgaben", so der 48-Jährige. Später habe sich die Schuldner- und Insolvenzberatung entwickelt. Das Aufgabenspektrum umfasse inzwischen aber auch präventive Arbeit, beispielsweise im Schulbereich. Ein noch junges Projekt sei Resque Plus, das sich an Asylbewerber, Flüchtlinge und Geduldete wendet, die eine Arbeitserlaubnis haben und Hilfe bei der Vermittlung benötigen. "Der Name unseres Büros hängt natürlich mit der Entstehungsgeschichte zusammen", so Bech. Der heilige Christophorus, so erzähle es die Legende, habe Christus als Kind sicher über den Fluss ans rettende Ufer getragen. Als einer der 14 Nothelfer leihe er heute noch sozialen Einrichtungen seinen Namen.

Unter diesem Namen hat sich das Büro als eine der wichtigsten Anlaufstellen in Grimma etabliert. "Rund 200 Ratsuchende betreuen wir im Jahr", sagt Bech, der sich um die verschuldeten oder insolventen Ratsuchenden kümmert. "Da gibt es einen riesigen Bedarf", so der Experte. Denn die Muldestadt würde beim bundesweiten Durchschnitt, der von zehn Prozent verschuldeter Haushalte ausgeht, keine Ausnahme machen. "Leider kommen die Leute erst, wenn sie keinen Ausweg mehr wissen", bedauert Bech.

Ein noch junges, aber inzwischen bereits vertrautes Gesicht ist das von Michalina Jonderko. Die in Leipzig lebende Sozialarbeiterin ist seit dem Junihochwasser im Christophorus-Büro aktiv und begleitet Betroffene auf ihrem Weg zurück in die Normalität. "Grimma ist ein guter Standort für Fluthelfer", sagt die 27-Jährige. Nicht wegen der großen Anzahl der Hilfsbedürftigen, die es nach zwei Naturkatastrophen innerhalb von elf Jahren gebe. Die Muldestadt sei gut vernetzt. Kommune, Wohlfahrtsverbände, Einrichtungen wie das Mehrgenerationenhaus würden gemeinsam Lösungen suchen. "Das ist für die Hochwasserbetroffenen wichtig und in der Region eine Besonderheit", so Jonderko.

Dieses Netzwerk wünscht sich Marlene Schultz für ihre Arbeit ebenfalls. Die 24-jährige Psychologin, die in Jena studierte, unterstützt Asylbewerber auf dem Weg in Ausbildung und Arbeit. Bei einen Vor-Ort-Termin in Bahren und in anderen Unterkünften habe sie feststellen müssen, dass der Bedarf in rechtlicher und sozialer Beratung groß ist. Resque Plus sei ein Anfang. "Aber für viele Betroffenen sind Unterbringung und Arbeit Voraussetzung für den Weg in die Normalität." Deshalb mache sich die Caritas stark für eine Flüchtlingssozialberatung, für die im Landkreis die Strukturen geschaffen werden müssten.

Auf bewährte Strukturen kann das Caritas-Team jetzt am eingeführten Standort aufbauen. Während die Büroräume saniert worden sind, agierten die Sozialarbeiter aus einem Frisörladen, später aus Kirchenräumen heraus. Ein Rückzug aus Grimmas Altstadt käme Bech zufolge für den Wohlfahrtsverband nicht infrage. "Wir liegen in unmittelbarer Nähe zum Busbahnhof." Die fußläufige Erreichbarkeit sei von Vorteil. Sollte der Weg dennoch zu beschwerlich sein, dann ist auch ein Hausbesuch möglich.

Birgit Schöppenthau

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.03.2014
Schöppenthau, Birgit

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