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Grimma Chronik des Grimmaer Fußballverbandes steht
Region Grimma Chronik des Grimmaer Fußballverbandes steht
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20:51 06.11.2018
Erzgebirgische Drechselkunst trifft auf regionale Sportgeschichte: Willfried Arnold hat nach der Historie des Fuchshainer SV die des Grimmaer Fußballverbandes aufgearbeitet. Quelle: Roger Dietze
Grimma

Seine fünf Gitarren und sein Akkordeon hat Willfried Arnold bereits vom Staub befreit. Dieser hatte in den vergangenen sechs Jahren jede Menge Zeit, sich auf den Instrumenten des 78-jährigen Grimmaers und Ex-Fuchshainers breitzumachen. Sechs Jahre, in denen das ehemalige Mitglied des Musikschul-Akkordeonorchesters „Die Uhus - Die Unterhundertjährigen“ tief in die Geschichte des Grimmaer Fußballverbandes eingetaucht ist, um eine Chronik zu erarbeiten.

Es war so tief, dass seine Frau aufgrund der umfangreichen Recherchearbeit von „sechs vergeudeten Lebensjahren“ spricht. Harald Sather, der Präsident des Fußballverbandes Muldental/Leipziger Land, hat mit Blick auf die vergangenen 72 Monate naturgemäß eine davon abweichende Lesart. „Wenn sich der Willfried einmal in eine Sache verbissen hat, dann ist er ausdauernd und lässt so schnell nicht wieder von ihr ab“, so der einstige FIFA-Linienrichter.

Eine Ausstellung über den Fuchshainer SV gab den Anstoß

Jene Sache, in die sich Willfried Arnold 2012 verbiss, trug den Arbeitstitel „Erarbeitung eines Archivs Kreisfachausschuss Fußball“, dessen Vorsitz er von der Mitte der 1970er-Jahre an ein gutes Jahrzehnt innehatte. „Schnell machte sich jedoch eine Umorientierung in der Hinsicht notwendig, eine Gesamt-Historie in allen Teilbereichen des Fußballs im Gebiet des Altkreises Grimma zu erstellen“, erinnert sich der gebürtige Erzgebirger.

Bei seinen Recherchen profitierte er von den Erfahrungen, die er im Zusammenhang mit der Erarbeitung einer Ausstellung und Broschüre anlässlich des 90. Gründungsjubiläums des Fuchshainer SV vor acht Jahren gesammelt hatte. Eine Ausstellung, die auch dem damaligen Präsidenten des Fußballverbandes Leipzig, Rainer Hertle, einem leidenschaftlichen Chronisten, nicht verborgen blieb. „Mit Bezug auf mein Fuchshainer Engagement meinte er, dass Ähnliches doch auch auf der Kreisebene machbar sein sollte“, erinnert sich Willfried Arnold an die Anfänge seiner Chronistentätigkeit. „Nach einiger Zeit hatte ich Harald Sather unter der Bedingung überzeugt, dass ich mich der Sache annehmen sollte“, so der einstige Lehrer in Fuchshain und später in Grimma.

Praktisch kein Archiv vorhanden

Willfried Arnold sagte zu, ohne zu wissen, auf was er sich einließ. Denn schnell wurde klar, dass kaum noch Dokumente existierten. Der Grimmaer Hobby-Chronist vermutet, dass die meisten in der Zeit seit dem Mauerfall sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich bei diversen Räumaktionen in den Müll wanderten. Das Hochwasser von 2002, das auch in die Räumlichkeiten des FC Grimma und des Fußballverbandes eindrang, habe sein übriges getan.

„Jeder Kleingartenverein hat eine Chronik, aber der Fußball im Kreis Grimma war zu diesem Zeitpunkt quasi geschichtslos, so dass wir bei Null anfangen mussten“, so Arnold, der in den einstigen Kreisverbands-Funktionären Ulrich Mews und Wilfried Gatsche Mitstreiter fand. Mitstreiter an einem Projekt, zu dessen Gelingen selbst ehemalige Funktionäre und Schiedsrichter wenig bis nichts beizutragen vermochten. „Uns wurde schnell klar, dass wir die Tippel-Tappel-Tour durch die Vereine beziehungsweise Fußball-Abteilungen antreten müssen, um an die entsprechenden Informationen heranzukommen“, so Willfried Arnold, der im Anschluss an seine Kreisfachausschuss-Funktion in der Wettbewerbskommission mitwirkte.

Diese Tippel-Tappel-Tour, in deren Verlauf der Grimmaer weit über 100 Gespräche führte und dabei mehrfach sich widersprechende Aussagen in Übereinklang bringen musste, gestaltete sich Mal einfacher und ein anderes Mal weniger einfach. Denn während einige Vereine aus eigenem Antrieb ihre Geschichte pflegen – Arnold erwähnt in diesem Zusammenhang den TSV Großsteinberg und den SV Naunhof – legen andere weniger Wert auf die Tradition. Ganz zu schweigen von jenen Vereinen, die mittlerweile von der Bildfläche verschwunden sind. Sie in die Chronik des Fußballverbandes Grimma aufzunehmen, war Willfried Arnold jedoch ein großes Bedürfnis.

Lese-Platz wird eingerichtet

„Ich habe viel Unterstützung von einer Seite erhalten, von der ich sie nicht unbedingt erwartet hätte, nämlich von den Heimatvereinen“, berichtet der ehemalige Fuchshainer, der seit 1972 in Grimma lebt. Und nicht selten sei Glück im Spiel gewesen. „In Großbardau etwa kam ich beim Fotografieren des ehemaligen Sportplatzes mit einem Mann ins Gespräch, der mir ein Buch mit Fußballdokumenten zur Verfügung stellte“, berichtet der End-Siebziger, der sich auch von Rückschlägen wie einer irreparabel beschädigten Festplatte nicht von seinem einmal eingeschlagenen Weg abbringen ließ.

Ein Weg, an dessen Ende 20 mit Dokumenten aus knapp 80 Jahren Grimmaer Fußballgeschichte gespickte A4-Ordner stehen. Diese wiederum, kündigt Harald Sather an, würden nach dem Umzug in den derzeit entstehenden neuen Sportkomplex auf dem ehemaligen Kasernengelände all jenen zugängig gemacht werden, die sich für Aspekte der Grimmaer Fußballhistorie interessieren. „Eine Ausleihmöglichkeit wird es in Anbetracht der Einmaligkeit der Dokumente vermutlich nicht geben, aber wir werden auf jeden Fall einen Platz vorhalten, an dem man in Ruhe in den Dokumenten stöbern kann“, so der Fußballverbands-Präsident.

Von Roger Dietze

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