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Colditz Flieger hat seinen ersten Flügel

Colditz Flieger hat seinen ersten Flügel


Colditz/Nobitz. Schloss Colditz war das berühmteste Kriegsgefangenenlager des Zweiten Weltkrieges.

. Reichsmarschall Göring meinte 1940: „Da kommt keiner raus." Doch die im Hochsicherheitstrakt internierten britischen Offiziere narrten sowohl ihn als auch die Aufpasser der Wehrmacht und selbst die Geheime Staatspolizei. Das Fluchtmuseum dokumentiert dies trefflich. Doch eine Attraktion fehlt dort noch. Der Colditzer Segelflieger.

Er war die skurrilste Fluchtidee und wird derzeit für das Colditzer Museum in Nobitz nachgebaut. Das ist eine kleine Gemeinde

unweit vom thüringischen Altenburg. Nobitz hat einen kleinen Flugplatz, der sich Leipzig-Altenburg nennt. Von dort aus kann man billig nach England fliegen. Und gleich neben dem kleinen Flugplatz hat sich ein Verein ganz groß niedergelassen. Er nennt sich „Flugwelt Altenburg-Nobitz". Er hat ein feines Museum und 37 fleißige Mitglieder. „Und wir haben seit einigen Wochen eine Vitrine mit dem Colditz-Flieger im Museum." Der das sagt, heißt Witold Stelzer. Der 73-Jährige ist Diplomingenieur für Flugzeugbau. Er zeigt auf das handgroße Modell des Colditz Gleiters und die Kopie des erhalten gebliebenen Konstruktionsplanes aus britischen Offiziershänden.

 

Dem Ingenieur ist nichts zu schwer. Witold Stelzer übersetzte die britische Planskizze, rechnete die Maßeinheiten um und setzte sich ans Reißbrett. Seine Konstruktion setzen jetzt Andy Drabek und Dietmar Flache um. Beide sind Vereinsmitglieder. Der eine ist Elektroniker, der andere Kunsttischler. Eine gute Mischung. Einen Flügel hat der Colditzflieger schon. Wenn denn der zweite fertig ist, sind das knapp zehn Meter Spannweite. Und diese knapp zehn Meter Spannweite plus Rumpf sollen noch in diesem Jahr an das Fluchtmuseum in Colditz gehen.

 

Der von britischen Offizieren in den Jahren 1944/45 gebaute Flieger kam nie zum Einsatz. Als er fertig war, erfuhren die Gefangenen aus ihrem gebastelten Radio, dass die Amerikaner nur noch wenige Kilometer von Colditz entfernt sind. Nach den GIs kamen die Rote Armee und ein strenger Winter. Das Segelflugzeug aus Dielen, Regalbrettern und Bettbezügen wurde verheizt. Neben der erwähnten Konstruktionsskizze gibt es nur ein einziges Foto vom Fluggerät.

 

Der Nachbau in Nobitz ist an die deutschen Bauvorschriften für Flugzeuge gebunden. „Mit irgendwelchen Brettern können wir nicht bauen", weiß Witold Stelzer, „aber zum Bespannen nehmen wir genau solche Bettbezüge, wie sie die Britten hatten." Die gibt es nämlich heute noch, bei der Armee und in Gefängnissen. Sie sind blau-weiß kariert. Bis es aber so weit ist, wird noch einige Zeit vergehen. Und dann ist noch ein halb so großes Modell des Fliegers geplant. „Das wird im Terminal des Flugplatzes Leipzig-Altenburg stehen", sagt Frank Modalek. Er ist Flugwelt-Vereinsvorsitzender und optimistisch: „Hier kommen doch jede Menge Engländer vorbei." Und eine Werbung für das Fluchtmuseum in Colditz ist es auch noch.

Klaus Peschel

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