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Grimma Colditz: "Postraub" schockiert Australier
Region Grimma Colditz: "Postraub" schockiert Australier
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17:50 19.05.2015
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Auf vier Etagen bauten sie des Nachts sämtliche Leitungen und Armaturen aus. Damit kein Licht nach außen drang, dunkelten sie die Fenster ab. Der Beutezug, der besonders im fernen Australien für Entsetzen sorgt, ist doppelt gemein: Das gestohlene Buntmetall mag nur rund 300 Euro wert sein, der entstandene Schaden jedoch beträgt 25000 Euro.

Der 53-jährige Hausmeister Ingolf Winkler betreut seit Jahren das ehemalige Kaiserliche Postamt in der Schulstraße. Als er jetzt das Haus betreten hatte, stockte ihm der Atem: "Sämtliche Kupferrohre, die zu Heizungsanlage und Wasserleitung gehören, wurden regelrecht ausgeschlachtet. In der Dachwohnung ließen die Diebe die Messingarmaturen an Waschbecken und Badewanne mitgehen. Sicherungskasten, Zählerschrank, sogar Hauptwasserzähler - alles demontiert." Der trostlose Anblick auf vier Etagen macht den Hausmeister wütend: "Ich weiß nicht, ob Schrotthändler diese Ware ruhigen Gewissens annehmen können. Es ist an der Zeit, dass die Politik endlich reagiert."

Der "Postraub" scheint bereits an sich ein Politikum. Denn die Geschädigten sitzen auf dem fünften Kontinent. Angezogen von der wechselvollen Geschichte des Muldenstädtchens hatte ein australisches Ehepaar die Immobilie vor Jahren ersteigert. In der obersten Etage richteten sich die Australier eine Wohnung ein, in der sie während ihrer Deutschlandaufenthalte leben. Ingolf Winkler wurde als Verwalter des Hauses eingesetzt. "Als wir den Einbruch nach Übersee meldeten, reagierten die Australier bestürzt. Sie sind tieftraurig, dass mitten in Deutschland fremdes Eigentum so dermaßen missachtet wird", sagt der Hausmeister: "Wenn man sich überlegt, dass die Diebe für das gestohlene Buntmetall beim Schrotthändler gerade mal 300 Euro erlösen, insgesamt aber ein Schaden von 25000 Euro entstanden ist, macht einen das fassungslos." Sowohl Elektrik als auch Heizungsanlage müssten neu installiert werden.

Albert Peter Bräuer, Colditz' wandelndes Geschichtsbuch, würdigt die herausragende Rolle des einstigen Kaiserlichen Postamtes: "Es wurde 1901 errichtet und besticht mit repräsentativer Architektur - Stuck, Fliesen, Schmiedearbeiten. Durch das linke Tor fuhren die Postkutschen ein, durch das rechte heraus. Briefträger und Postboten, die hier angestellt waren, wurden besser bezahlt als an gewöhnlichen Land- und Wiesenpostämtern. Der erste Postdirektor, Emmanuel Kunze, residierte im Haus. Später wurde das Postamt zusätzlich Telegrafenstation." Bis nach der Wende blieb das Haus amtliche Post. Im Volksmund hieß sie "trockene Post", während das inzwischen geschlossene Restaurant "Zur Post" als "nasse Post" bezeichnet wurde.

Nach Ansicht von Hausmeister Winkler müssen es mehrere Leute gewesen sein, die die Hoftür aufbrachen und die ganze Nacht im Objekt wüteten. "Bestimmt stand auch ein Auto für das Diebesgut bereit. Vielleicht ist Anwohnern etwas aufgefallen. Hinweise nimmt die Polizei entgegen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.02.2013

Haig Latchinian

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