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Colditz bekommt Kleiderkammer für Flüchtlinge

Projekt der Willkommensgruppe Colditz bekommt Kleiderkammer für Flüchtlinge

Eine Kleiderkammer speziell für Asylbewerber existiert jetzt in Colditz. Am Sonnabend soll sie offiziell eingeweiht werden. Die Willkommensgruppe, die sich seit Monaten in vielfältiger Hinsicht um die eingetroffenen Flüchtlinge kümmert, lädt dazu alle Interessierten ein.

Dank der Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung und Spenden vom Flüchtlingsrat Leipzig haben sich die Regale schnell gefüllt.

Quelle: Thomas Kube

Colditz. Eine Kleiderkammer speziell für Asylbewerber existiert jetzt in Colditz. Am Sonnabend soll sie offiziell eingeweiht werden. Die Willkommensgruppe, die sich seit Monaten in vielfältiger Hinsicht um die eingetroffenen Flüchtlinge kümmert, lädt dazu alle Interessierten ein.

Auf die Notwendigkeit einer Kleiderkammer angesprochen, reagierte Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos) zügig. Er kontaktierte die kommunale Colditzer Wohnungsbaugesellschaft (CWG), die den leerstehenden Laden in der Badergasse 13 mietfrei abgab. Die Stadt stellte Regale zur Verfügung und zahlt die Betriebskosten. „Binnen einer Woche war alles geklärt“, sagt Linda Becker (40) von der Willkommensgruppe.

Anfang März öffnete die Kammer zum ersten Mal. Seitdem können dort jeden Donnerstag 16 bis 18 Uhr Spenden abgegeben werden. Gruppenmitglieder und andere Einwohner sorgten dafür, dass sie sich schnell füllte. Der Großteil kam von der Sachspendenzentrale des Flüchtlingsrats Leipzig, mit dem die Willkommensgruppe kooperiert.

Wer sich ein Bild vom Erfolg machen will, kann am Sonnabend ab 14 Uhr reinschauen. Die Willkommensgruppe und Asylbewerber werden für die Gäste ein internationales Büffet gestalten. Auf die Kinder warten drinnen und draußen Spiele. Ansonsten geht es darum, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Zum Beispiel über die Willkommensgruppe selbst. Hartmut Lehmann (41) erinnert an deren Anfänge: „Zum Friedensgebet am 1. September vergangenen Jahres kam zur Sprache, dass schon Asylbewerber in Colditz leben. Wer ihnen helfen wollte, sollte sich bei Pfarrerin Angela Lau melden.“ Zehn Leute fanden sich zusammen, die begannen, die damals knapp 25 Asylbewerber zu besuchen. „Inzwischen sind wir 30, und wir kümmern uns um rund 120 Flüchtlinge“, erklärt Lehmann. Die Gruppe kam zunächst im evangelischen Gemeindezentrum zusammen, trifft sich jetzt aber im Jugendcenter Colditz.

„Wir versuchten, für jede ankommende Familie Paten zu finden“, sagt Linda Becker. Diese begleiteten die Fremden zu Ärzten oder zu Behörden, besorgten Plätze in Kindertagesstätten. Eine Notlösung, weil noch keine professionelle Hilfe organisiert war. Das hat sich jetzt geändert. „Seit dem 1. April gibt es bei uns Flüchtlingssozialarbeiter vom Deutschen Roten Kreuz“, so Becker.

Die Paten können sich damit besser auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren. Sie sollen Asylbewerbern in der Freizeit zur Seite stehen. Dazu gehören gegenseitige Besuche, das gemeinsame Kochen, das Erkunden der Gegend und das Lernen der Sprache. Jeden Sonnabend läuft zum Beispiel ein Laiendeutschkurs im evangelischen Gemeindezentrum; drei bis vier Ehrenamtliche unterrichten zusätzlich zu den obligatorischen Sprachlehrgängen der Volkshochschule.

Parallel stattet die Gruppe die spartanisch eingerichteten Wohnungen der Asylbewerber – größtenteils gehören sie der CWG – etwas besser aus. „Jede Person hat einen Stuhl, einen Stahlspind und ein Metallbett. Dazu kommt für alle ein Tisch und eine Küchenzeile“, erklärt Lehmann. „Die Flüchtlinge sind zwar dankbar dafür. Aber uns stört, dass es weder Abtreter, noch Regal oder Garderobe gibt.“ Über eine Facebook-Seite, die Lehmann betreut, nimmt er Angebote für Möbel entgegen, auch Hauptamtsleiter Hans-Peter Kiesel vermittelt Kontakte hilfsbereiter Menschen. So gelang es, in fast allen Wohnungen bequeme Sitzgelegenheiten aufzustellen.

Oberstes Ziel ist die Integration. So arbeiten zwei syrische Männer im jüngsten Projekt der Willkommensgruppe, der Kleiderkammer, tatkräftig mit. Sie nehmen Spenden entgegen, sortieren sie in die Regale ein und geben sie aus. In erster Linie handelt es sich um Kleidung. Aber auch Handtücher, Bettwäsche, Gardinen, Küchenausstattung wie zum Beispiel Töpfe, Pfannen und Besteck, Spielzeug und Bücher lassen sich auf diese Weise weitervermitteln.

Kostenlos ist der Service für die Asylbewerber nicht. Erwachsene, die Spenden erhalten, müssen pro Besuch drei Euro zahlen, von Kindern wird ein Euro verlangt – wobei jede Person im Schnitt drei bis maximal fünf Kleidungsstücke mitnehmen darf. Donnerstags 13 bis 16 Uhr hat die Kammer für die Bedürftigen geöffnet.

Becker will diese Zeiten ausdehnen und aus der Kammer einen Begegnungsort machen. „Mir schweben Themen- und Spielnachmittage vor, doch das ist noch Zukunftsmusik“, sagt sie.

Von Frank Pfeifer

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