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Colditz ehrt das Original: Tierfotograf Helmut Drechsler wäre jetzt 100 geworden

Ausstellungen und Wanderung Colditz ehrt das Original: Tierfotograf Helmut Drechsler wäre jetzt 100 geworden

Hätte er nicht so früh den Tod gefunden und weiterhin frei reisen können, dann wäre sein Name der Nachwelt wohl mindestens genauso geläufig wie der von Bernhard Grzimek. Er war das Original, von dem sich berühmte Tierfotografen und -autoren eine Menge abschauten. Am 18. September wäre er 100 Jahre geworden; seine Heimatstadt Colditz will das gebührend feiern.

Der Colditzer Bürgermeister Matthias Schmiedel mit einem Buch aus DDR-Zeit, auf dessen Titel Helmut Drechsler mit seiner Tierkamera zu sehen ist. Das Plakat wirbt für eine der Ausstellungen zu dessen 100. Geburtstag.

Quelle: Thomas Kube

Colditz. Hätte er nicht so früh den Tod gefunden und weiterhin so frei reisen können wie damals vor dem Mauerbau, dann wäre sein Name der Nachwelt wohl mindestens genauso geläufig wie der von Bernhard Grzimek. Er war das Original, von dem sich berühmte Tierfotografen und -autoren eine Menge abschauten. Am 18. September wäre er 100 Jahre geworden. Seine Heimatstadt Colditz will das gebührend feiern.

Die Rede ist von Helmut Drechsler, einem Menschen mit dem besonderen Blick für die Schönheit von Tier- und Pflanzenwelt, der Rhetoriker par exellence und Lebemann in einem war. Einem Menschen, dessen mysteriöser Tod in Afrika bis heute ungeklärt bleibt. Manch andere Rätsel, die sich um ihn ranken, können aber jetzt gelüftet werden.

„Wir wussten beispielsweise bis vor kurzem nicht, dass Helmut Drechsler auch zeichnen konnte“, sagt Albert Peter Bräuer, der den Nachlass verwaltet, den Drechslers Witwe Gretel besaß. „In Ermangelung eines Fotoapparates bestellte er im Alter von zehn Jahren bei Agfa Diapositiv-Platten, die er mit Feder beziehungsweise Pinsel und Tusche bemalte. Auf diese Weise gab er wissenschaftlich genau Tiere und bekannte Gebäude wie den Kölner Dom wieder.“

Unveröffentlichte Fotos Drechslers werden gezeigt

Als vergrößerte Fotos sollen diese Bilder in einer Ausstellung zu sehen sein, die am 18. September, 15 Uhr, in der Stadtkirche eröffnet wird. Bräuer will dort über das Leben und Werk Drechslers sprechen, auch darüber, dass dessen Werk „Kleine Welt am Wegesrand“ von 1948 nicht das erste seiner zahlreichen Bücher war, wie bisher alle annahmen. Von ihm stammt schon das „Lied der Heimat“, das 1935 erschien. Während es möglich ist, alle Bücher des Fotografen und auch einige Gegenstände wie einen Messing-Frauenschmuck aus dem Tschad in der Ausstellung zu zeigen, können die von ihm stammenden Kalender nicht mehr zusammengetragen werden. Es waren hunderte.

Nach der Veranstaltung in der Kirche ist die Fangemeinde eingeladen, hinauf zum Schloss zu ziehen, wo ab 16 Uhr im Saalhaus eine weitere Schau zu sehen ist, sie trägt den Titel „100 Jahre Helmut Drechsler – Natur- und Tierfotografie“. Eberhard Jasinski, Colditzer Apotheker und Tierfotograf, hat eine Vielzahl von Aufnahmen zusammengestellt, die alle Stationen des künstlerischen Schaffens Drechslers widerspiegeln – von seinen Entdeckungen am Wegesrand bis zur Kameraexpedition nach Äquatorialafrika. „Wir werden Originale aus seinen Büchern präsentieren, aber auch solche, die bisher noch nie veröffentlicht worden sind“, kündigt er an.

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Die Fotos von Helmut Drechsler lassen sich nicht zählen. In den Ausstellungen aus Anlass seines 100. Geburtstages wird eine Auswahl seines Schaffens gezeigt. Hier Beispiele.

Zur Bildergalerie

Über die Hälfte der Exposition werden diese Bilder ausmachen. Doch Jasinski wollte nicht in der Vergangenheit stehenbleiben, sondern eine Verbindung zur Gegenwart herstellen. Drechslers Weggefährte, der Buchautor Harald Lange aus Thierbaum, sowie der Radebeuler Tierfotograf Karl-Heinz Trippmacher, der Naturfotograf Torsten Beuster aus Straßburg und der Verein Naturfotografen aus dem Raum Dresden komplettieren die einzigartige Ausstellung. „Sie sind bereit, über ihre Themen und Aufnahmetechniken mit den Besuchern zu sprechen“, kündigt Jasinski an.

Eine dritte Schau wird am 18. September im Rahmen einer Festveranstaltung für geladene Gäste in der Hofstube des Schlosses eröffnet. „In ihr sind Landschaften und Menschen bei ihrer täglichen Arbeit zusehen, die Drechsler fotografierte“, lässt Cornelia Hippe-Kasten von der Gesellschaft Schloss Colditz wissen. Ab dem folgenden Tag stehe die kleine Schau jedermann offen.

Liedertafel singt zum Gedenken

Bereits am 17. September, also einen Tag vor dem 100. Geburtstag, beginnen die Feierlichkeiten mit einem Spaziergang durch das Kohlbachtal, wo Drechsler viele Motive für seine „Kleine Welt am Wegesrand“ fand. Albert Peter Bräuer führt die Interessierten ab 16 Uhr vom Teichhaus im Ortsteil Hohnbach zum Gedenkstein für den Fotografen, wo innegehalten wird, musikalisch umrahmt von der Liedertafel Colditz.

In der Dämmerung baute Helmut Drechsler diese Lichtschranke auf, um Uhus im Elbsandsteingebirge fotografieren zu können

In der Dämmerung baute Helmut Drechsler diese Lichtschranke auf, um Uhus im Elbsandsteingebirge fotografieren zu können.

Quelle: privat

Hinterher, gegen 17 Uhr, kehren die Wanderer in die Thumirnichter Kutscherscheune ein. Dort zeigt Karl-Heinz Trippmacher seine Diashow „Kamerapirsch in Heide, Moor und Auenwald“, in der er Originaltöne und Tierstimmen einspielt. Dazu gibt’s ein passendes kulinarisches Angebot.

Derartige Bilderschauen, aber auch Filmvorführungen waren ein Markenzeichen von Drechsler. „Er konnte druckreif sprechen und, was viele andere nicht vermochten, Wisschenschaft volkstümlich rüberbringen“, berichtet Bräuer. Und Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos) weiß vom Hörensagen: „Seine Ausstrahlungskraft muss enorm gewesen sein. Er konnte sein Publikum mitnehmen, es begeistern. Wenn er sprach, war es im Raum mucksmäuschenstill.“

Menschliche Parallelen zu Bernhard Grzimek

Insofern ähnelte er stark Bernhard Grzimek, der nicht nur im westdeutschen Fernsehen ein Millionenpublikum fesselte, sondern auch in der DDR unzählige Zuschauer seiner Sendung „Ein Platz für Tiere“ hatte. Beide verehrten sich sehr, zwischen ihnen gab es ebenso menschliche Parallelen.

Sie genossen das Leben in vollen Zügen, liebten die Frauen – im Plural. Drechsler wohnte in exponierter Lage auf dem Hartenstein, mit Blick aufs Colditzer Schloss. „Kam er in die Kneipe, riefen alle, dass es jetzt Freibier gibt“, so Schmiedel. Der Fotograf gab gerne Runden und damit anderen etwas ab von seinem Erfolg. Der Achtung seiner Zeitgenossen konnte er sich sicher sein.

Die Nachricht von seinem plötzlichen Tod erschütterte Colditz. In der Nacht zum 4. Februar stürzte er im Tschad am Steilufer des Schari-Flusses in die Tiefe. Wie es dazu kam, ließ sich nie ergründen. Er erlitt einen doppelten Schädelbasisbruch, seinen Verletzungen erlag er im Krankenhaus von Fort Archambault. Dort, in Afrika, steht sein Grab. Auch das verbindet ihn mit Grzimek, dessen Urne am Rand des Ngorongoro-Kraters in Tansania beigesetzt wurde.

Von Frank Pfeifer

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