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Grimma Colditz erinnert mit Gedenktafel an erschossenen „Landshut“-Kapitän
Region Grimma Colditz erinnert mit Gedenktafel an erschossenen „Landshut“-Kapitän
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00:20 14.10.2017
Die Unglücksmaschine: Der über 9000 Kilometer lange Irrflug der „Landshut“ endete am 17. Oktober 1977 in Mogadischu. Quelle: Foto: dpa
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Colditz

Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos) hält Wort: Am kommenden Montag setzt er dem auf den Tag genau vor 40 Jahren getöteten Piloten der „Landshut“, Jürgen Schumann, zumindest symbolisch ein Denkmal. Auf einer Ratssitzung im Spätsommer hatte er versprochen, sich für eine möglichst würdige Ehrung im Herzen der Stadt stark zu machen. Dabei nahm er direkten Bezug auf einen Artikel in der Leipziger Volkszeitung über den am 29. April 1940 in Colditz geborenen und am 16. Oktober 1977 in Aden (Südjemen) von Terroristen erschossenen prominenten Sohn der Stadt.

10 Uhr soll an der Fassade des Brauereigebäudes auf dem Markt eine entsprechende Gedenktafel angebracht werden. Offiziell enthüllt wird sie dann im Rahmen der Gedenkfeier um 17 Uhr. Neben einem Porträtfoto und einer Abbildung der Unglücksmaschine sind auf der Tafel wichtige Lebensstationen Schumanns sowie der Hergang der Flugzeugentführung vermerkt. Außerdem können Interessierte per Smartphone weiterführende Fakten zur damals herrschenden politischen Lage abrufen.

Die Liedertafel Colditz wird genauso erwartet wie Stefan Lange, Schumanns Freund aus Kindertagen, der damals im Nachbarhaus wohnte und noch immer in Colditz lebt.

Vor 40 Jahren hielt die Welt den Atem an: Palästinensische Terroristen kaperten die auf dem Weg von Palma de Mallorca nach Frankfurt befindliche Lufthansa-Maschine mit 91 Menschen an Bord. Der über 9000 Kilometer lange Irrflug endete am 17. Oktober 1977 in Mogadischu. Einen Tag später stürmte die Anti-Terror-Einheit GSG 9 die Boeing und befreite alle Geiseln unversehrt. Bei der Aktion wurden drei Terroristen getötet. Die hatten zuvor in Aden den damals 37-jährigen Kapitän Jürgen Schumann erschossen.

Dass der stille Held aus Colditz stammte, wussten bis zur Veröffentlichung in der LVZ nur die wenigsten. „Selbst in Colditz war das lange nur Eingeweihten bekannt“, sagt Bürgermeister Schmiedel: „Da Jürgen Schumann 1949 mit seiner Mutter und der jüngeren Schwester von Sachsen nach Hessen übersiedelte und später als Zeitsoldat in der Bundeswehr gewissermaßen Klassenfeind war, wurde in Colditz zu DDR-Zeiten nur hinter vorgehaltener Hand über ihn gesprochen.“

Das Brauereigebäude am Markt ist in Colditz schon jetzt eine Art „Hall of Fame“. An der Fassade wird mit großformatigen Bildern an die größten Söhne der Stadt erinnert, an Luthers Freund Wenceslaus Linck, Johann David Köhler, Begründer der wissenschaftlichen Münzkunde in Deutschland, Günter Gottlebe, Direktor des Porzellanwerkes, an Tierfotograf Helmut Drechsler sowie Pfarrer Christian Führer. Das Anbringen der Gedenktafel am Montag ist die allererste dauerhafte Ehrung für Jürgen Schumann in Colditz.

Er ziehe den Hut vor dem mutigen Piloten, sagt Bürgermeister Schmiedel: „Anders als etwa der Kapitän der ,Costa Concordia’, der seine Besatzung im Stich gelassen hatte, kämpfte Jürgen Schumann bis zuletzt um die Rettung seiner Passagiere und Crewmitglieder.“

Von Haig Latchinian

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