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Grimma Colditz fordert eigene Ausgabestelle der Grimmaer Tafel
Region Grimma Colditz fordert eigene Ausgabestelle der Grimmaer Tafel
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16:23 07.07.2017
Dort soll die neue Tafel hin: der Möbelfundus des BSW am Prophetenberg in Grimma. Quelle: Thomas Kube
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Colditz/Grimma

Trebsen entschied sich als erste Kommune, Grimma zog nach. Doch Colditz zögert noch, dem neuen Tafelverein beizutreten, der seit Anfang Juli Lebensmittel an bedürftige Menschen ausgibt. Eigentlich sollte die Kleinstadt Gründungsmitglied werden, damit hat es jedoch nicht geklappt. Sie stellt eine Forderung und scheint damit durchzukommen.

Im Gegensatz zu früher, als die Tafel von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Mulde/Colm geführt wurde, soll sie nur noch in Grimma Essen an den Mann beziehungsweise die Frau bringen. Daran reibt sich der Colditzer Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos) ein wenig. „Wer die Tafel besucht, ist wirklich bedürftig“, argumentiert er. „Ich bin mir nicht sicher, ob diese Leute wirklich die 17 Kilometer von Colditz nach Grimma fahren werden. Gerade prüfe ich, ob das möglich ist. Es scheint mir aber schwierig zu sein mit all den Beuteln im Bus.“

Grundsätzlich, so Schmiedel weiter, begrüße er die Fortführung der Tafel. Traurig wäre aber, dass schon vor einem halben Jahr die Ausgabe im Colditzer Pfarrhaus geschlossen worden sei. „Sie war gut angenommen worden. Ich habe sie sogar privat finanziell unterstützt“, sagt Schmiedel. Er wolle nun warten, bis die Vereinssatzung vorliegt. Dann werde der Stadtrat über einen Beitritt sprechen.

„Das ist ein bisschen wie mit der Henne und dem Ei“, meint Christian Kamprad, Vorsitzender des neuen Tafelvereins und gleichzeitig Geschäftsführer des Bildungs- und Sozialwerks (BSW) Muldental. „Während Colditz abwartete, fehlte uns das Engagement von Colditz, sich an unserem Verein zu beteiligen.“ Zeitnah solle es ein gemeinsames Gespräch geben.

Aufhorchen lässt Kamprad mit seinem Bekenntnis, das bisher nicht so zu vernehmen war: „Ich möchte, dass Colditz eine Ausgabestelle bekommt.“ Wenn für die bedürftigen Menschen die Busfahrt teurer werde als der Inhalt der Tüte, die sie erhalten, mache das keinen Sinn. Das BSW verfüge über den Sitz im Ortsteil Tanndorf und betreibe die Stadtbibliothek, es sollte also nach Ansicht Kamprads möglich sein, wenigstens einmal pro Woche Lebensmittel auch in Colditz zu verteilen.

Wie berichtet, sah sich die Awo aus personellen und organisatorischen Gründen nach 15 Jahren nur noch bis zum 30. Juni in der Lage, die Tafel allein zu führen. Deshalb wurde am gleichen Tag der Verein aus der Taufe gehoben; neben Kamprad bilden Joachim Rolke, Vorsitzender des Landesverbandes Sächsischer Tafeln, Grimmas Stadträtin Sabine Krahnert (Linke) und Trebsens Bürgermeister Stefan Müller (CDU) den vierköpfigen Vorstand.

Die Awo, die ebenfalls Mitglied im Verein ist, zahlt die Miete für die Räumlichkeiten am Grimmaer Gabelsberg vorübergehend weiter. Allerdings nur, bis ein Ausweichquartier gefunden ist. Kamprad sieht die qualifizierteste Lösung darin, die Einrichtung zum Prophetenberg zu verlegen, wo das BSW einen Möbelfundus für Sozialhilfeempfänger betreibt.

Von Frank Pfeifer

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