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Grimma Colditz muss weiter auf Flutschutzmauer warten
Region Grimma Colditz muss weiter auf Flutschutzmauer warten
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15:35 22.10.2015
Die braunen Fluten der Mulde richteten 2013 in Colditz große Schäden an. Quelle: Robin Seidler
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Colditz

Im Rathaus stieß die Botschaft auf keine Begeisterung. Der Kommune hatte eine rund ein Kilometer lange, bis zu drei Meter hohe Schutzanlage vorgeschwebt. Sie, so wurde in der Beratung vorgerechnet, würde zwölf Millionen Euro kosten. Im Gegensatz dazu bestünde in der Altstadt ein Schadenspotenzial von lediglich zwei Millionen Euro. Deshalb würde die Mauer keinen ausreichenden Nutzen bringen. Wenn die Wirtschaftlichkeit also nicht nachweislich gegeben ist, sei die weitere Planung unzulässig.

Stadt hinterfragt Berechnung

Für Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos) lässt sich nicht nachvollziehen, wie die Summe von zwei Millionen Euro zustande kam. "Wir hatten beim letzten Hochwasser in der Altstadt wesentlich größere Schäden", sagt er. Auch Silka Gläser vom Bauamt meint: "Die Zahl, die uns vorgelegt wurde, erscheint mir als zu gering." Die Stadtverwaltung hat deshalb bei der LTV nachgehakt, wie sie berechnet wurde. Sollte sich herausstellen, dass sie nach oben korrigiert werden muss, will Schmiedel Einspruch einlegen, um doch noch eine Schutzmauer durchsetzen zu können.

Doch selbst wenn sich ein höheres Schutzgut in der Altstadt herausstellen würde, käme noch lange kein grünes Licht für die Errichtung eines Bollwerks. Es müsste ein Planfeststellungsverfahren in Gang gesetzt werden, das nach Einschätzung der Behörden wenig Aussicht auf Erfolg hat. "Ich gehe davon aus, dass die Leute auf der anderen Seite der Mulde gegen den Mauerbau klagen würden, denn sie würden dadurch schlechter gestellt", mutmaßt Schmiedel. Auch Ministerium und LTV äußerten in der Beratung "Akzeptanzprobleme ohne nachhaltige Lösungsmöglichkeit". Sie führten zudem das Altwerk von Anona ins Feld, dessen Messtechnik in den Laboren gestört würde, wenn es beim Bau der Mauer zu Erschütterungen kommt. Die Erfahrung, so Schmiedel, zeige mittlerweile, dass Planfeststellungsverfahren wegen massiver Einsprüche irgendwann eingestellt werden. Weil das in Colditz wenig Aussicht auf Erfolg habe, werde es wohl gar nicht erst angeschoben.

Muldeanrainer waren gegen Mauer

Im Grunde hat alles schon zu lange gedauert. Viele, die sofort nach der Flutkatastrophe von 2002 auf Sicherungen setzten, haben sie erhalten. Doch in Colditz sperrten sich zunächst etliche Muldeanrainer gegen eine Mauer, weil sie befürchteten, sie würde sie zu sehr einengen. Außerdem glaubte damals fast jeder, es habe sich um ein Flutereignis gehandelt, das frühestens in 100 Jahren wieder eintreffe.

Inzwischen haben sich nicht nur die Betroffenen eines Besseren belehren lassen müssen, auch die Behörden haben hinzugelernt. Bürgermeister Schmiedel erklärt: "Beim Flutschutz handelt es sich um europäische Fördergelder. Und an diese ist eine wesentliche Voraussetzung geknüpft - die Schutzmaßnahme muss sich auszahlen." Deshalb sei ein entscheidender Punkt, wie hoch der Schaden bei einem neuen Hochwasser in der Altstadt wäre. Das Umweltministerium habe in diesem Zusammenhang auf die bisherigen restriktiven Prüfungen andernorts durchgeführter Hochwasserschutzbauten durch den Europäischen, den Bundes- und den Sächsischen Rechnungshof hingewiesen.

Anona-Werk separat schützen

Stadtrat Manfred Heinz (FDP) bezeichnet es als "erschreckend, dass seit 2002 in Colditz außer dem Ausbaggern der Mulde nicht viel geschehen ist." Was die Zukunft betrifft, wurde der Stadt wenig Hoffnung gemacht, auf Alternativen zu bauen, die sie ins Spiel gebracht hatte. Der Abriss des Wehrs unterhalb der ehemaligen Eule-Papierfabrik gebe keine hinreichende Entlastung für das zu weit stromaufwärts liegende Stadtgebiet. Ein Rückbau des Colditzer Wehrs wäre bei starkem Hochwasser auch nicht relevant, weil es sowieso überflutet wird. Mobile Schutzelemente kommen nicht in Frage, weil die Vorwarnzeit zu kurz wäre, um sie aufstellen zu können. Außerdem sind sie nur für kürzere Abschnitte geeignet, und sie würden den großen Wasserhöhen und Fließgeschwindigkeiten nicht standhalten.

Das Augenmerk wird nun darauf gerichtet, das Anona-Werk separat zu schützen – LTV und Ministerium bieten dazu Beratungen an. Vorangetrieben werden soll außerdem das Projekt, den Tiergartenbach in seinem gesamten Einzugsgebiet mit Staustufen zu versehen. Ein ähnliches Verfahren im Ziegengrund zwischen Skoplau, Commichau und Podelwitz funktioniert gut. Jetzt hat die Stadt das Ingenieurprojekt für den Tiergartenbach bei den Entscheidungsträgern eingereicht. Wird es umgesetzt, droht der Haingasse wenigstens von diesem Gewässer keine Gefahr mehr. "Weil aber keine Schutzmauer kommt, bleibt die Flanke zur Mulde allerdings offen", bedauert Schmiedel.

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