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Colditz prüft Kauf oder Miete der Hausdorfer Bowlingbahn

Stadtratsbeschluss Colditz prüft Kauf oder Miete der Hausdorfer Bowlingbahn

Die Stadt Colditz prüft jetzt, ob sie die verwaiste Bowlingbahn im Ortsteil anmietet oder gar kauft. Das Kommunalparlament fasste auf seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich einen solchen Grundsatzbeschluss. Fest steht damit aber noch nicht, ob die Kommune am Ende die Immobilie übernimmt.

Da war die Welt noch in Ordnung: Die letzte Siegerehrung auf der Bowlingbahn im Februar dieses Jahres.

Quelle: Robin Seidler

Colditz/Hausdorf. Die Stadt Colditz prüft jetzt, ob sie die verwaiste Bowlingbahn im Ortsteil anmietet oder gar kauft. Das Kommunalparlament fasste auf seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich einen solchen Grundsatzbeschluss. Fest steht damit aber noch nicht, ob die Kommune am Ende die Immobilie übernimmt.

Klar ist hingegen für Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos), dass neue Räumlichkeiten für das Stadtarchiv gebraucht werden. Ins Auge gefasst hatte er schon länger die Bowlingbahn. Weil diese aber dem Hausdorfer Sportverein (HSV) gehört, bei dem er Vorstandsmitglied ist, gilt er im Stadtrat als befangen und darf nicht mitreden.

Stumm sah er den Diskussionen zu, die sich entwickelten. „Wir sind der Meinung, dass es zurzeit nicht akut ist, Räume fürs Archiv zu finden“, sagte Ulrich Scheller im Namen der FDP-Fraktion. Der Grundsatzbeschluss sei deshalb unnötig.

Dieser war zur Stadtratssitzung im Mai nicht durchgegangen. Damals hatte Manfred Heinz (FDP) die Mehrheit überzeugt, zunächst öffentlich auszuschreiben, welche Räumlichkeiten mit welchen Größen und Erfordernissen die Kommune sucht und dann über das günstigste Angebot zu entscheiden. Diese Bekanntmachung erfolgte auf der Homepage und im Amtsblatt der Stadt, stieß aber auf die Kritik von Heinz, weil sie seiner Meinung nach so konkret formuliert war, dass im Grunde nur die Bowlingbahn die Kriterien erfüllte (LVZ berichtete).

Zwei Bieter hatten sich nun gemeldet: der HSV mit seiner Bowlingbahn und ein Immobilienbüro, das das ehemalige HWF-Autohaus vermarkten will. Die Stadt präsentierte den Mandatsträgern eine Gegenüberstellung, wer von beiden die geforderten Kriterien am besten erfüllt, mit dem Resultat, dass dies auf die Bowlingbahn zutrifft. Ernste Zweifel daran äußerte Thomas Wasner von der Bürgerinitiative Colditz (BIC), der früher in dem Autohaus gearbeitet hatte.

„Unter dem Punkt zentrale Lage wird die Bowlingbahn im Ortsteil besser bewertet als das ehemalige Autohaus in der Kernstadt“, monierte er. „Außerdem erhielt die Bowlingbahn mehr Punkte bei der Anbindung an den Busverkehr, obwohl sich direkt vorm Autohaus eine Haltestelle befindet.“ Die Stadt habe keinen Kontakt mit dem Immobilienbüro aufgenommen, das Verhandlungsbereitschaft über den Verkaufspreis signalisiert habe. „Es wäre nötig gewesen, miteinander zu reden, um die Daten aussagekräftiger zu machen“, befand Wasner.

Bauamtsleiterin Angela Rößner konterte, sie habe die Angebote ohne Rückfrage verglichen , wie das gang und gäbe sei. Wären 25 Gebäude ins Spiel gekommen, die sie hätte bewerten und mit deren Eigentümern sie hätte sprechen müssen, wären nach ihren Worten viele Kosten entstanden. Das Argument ließ Wasner nicht gelten: „Wir haben nur zwei Bieter, da wäre der Aufwand klein gewesen.“

Aus Sicht von Urte Müller (FDP) zielte die Ausschreibung nur auf die Bowlingbahn ab. „Warum stand sonst darin, dass das Archiv nicht in einem Gewerbegebiet untergebracht werden soll? Und warum sollte das gesuchte Haus nicht vor 1995 errichtet worden sein?“, fragte sie. Ziel, erwiderte Rößner, sei es, im Gewerbegebiet Betriebe anzusiedeln oder wiederzubeleben. Öffentliche Gebäude wären dort nicht geeignet für Bedienstete und Besucher. 1995 sei erstmals gesamtdeutsch die Wärmeschutzverordnung novelliert worden. Die danach errichteten Gebäude würden Mindestkriterien fürs Energiesparen erfüllen.

Grundsätzliche Skepsis am Bedarf neuer Archivräume äußerte Till Brandt (BIC). Künftig müssten Kommunen ihre Daten elektronisch verarbeiten. „Es kann sein, dass wir in zehn Jahren ein kleineres Archiv brauchen“, mutmaßte er. „Es wäre Quark, jetzt ein analoges Archiv zu erwerben und teuer auszubauen.“

Als befremdlich bezeichnete Gottfried Ulbricht von der Freien Wählervereinigung „Für unsere Heimat“ (FW) die Diskussion. „Ich dachte, über die Frage, ob wir ein Archiv brauchen, müssten wir nicht mehr reden“, sagte er. Stefan Juhrich (FW) verwies darauf, dass im Ausschuss alle einig waren, dass ein Archiv nötig ist. Am Ende votierte der Stadtrat gegen die Stimmen von FDP und BIC für die Vorlage.

Laut Bauamtsleiterin Rößner sind damit noch keine Fakten geschaffen. „Das war nicht eine Vergabe, sondern wir nehmen weitere Untersuchungen vor, ob sich die Bowlingbahn für uns eignet“, sagte sie. Im Nachgang versicherte Bürgermeister Schmiedel: „Das wird kein Gefälligkeitskauf.“ Der HSV biete die Halle, die mit einem Kredit über 160 000 Euro belastet sei, zwar vorrangig, aber nicht ausschließlich der Stadt an. Es könne passieren, dass das Geschäft nicht zustande kommt. Im Internet-Auktionshaus Ebay werde schon versucht, Tische, Stühle und die Bowlingbahn als technische Einheit zu veräußern.

Von Frank Pfeifer

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