Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma Colditz saniert Furtwegbrücke: Neue Zulieferstraße für Magmalor notwendig
Region Grimma Colditz saniert Furtwegbrücke: Neue Zulieferstraße für Magmalor notwendig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:13 13.12.2016
Nadelöhr in Colditz. Quelle: Haig Latchinian
Colditz

Ferro ist Weltmarktführer in der Glasfarbenherstellung und gilt in Colditz als einer der größten Arbeitgeber. Allein 2012 und 2013 investierte das Unternehmen über fünf Millionen Euro in neue Anlagen, Umwelttechnik und die Logistikhalle mit mehr als 4000 Palettenstellplätzen. Bis zu 40 Lastkraftwagen liefern jeden Tag Rohstoffe wie Metalloxide oder Silikate an, beziehungsweise holen die Endprodukte, etwa Glasuren für die Dachziegelindustrie, anorganische Buntpigmente und Dekorfarben ab. Bislang rollen die 24-Tonner über die Furtwegbrücke. Nicht mehr lange. Das Bauwerk ist nach zwei Fluten sanierungsbedürftig, weist Mängel sowohl in Oberbau als auch Widerlagerbereich auf. Ehe die Generalüberholung frühestens 2018 beginnen kann, sind jedoch umfangreiche Vorarbeiten nötig – eine logistische Herausforderung. Denn wie sollen die Zulieferer bei Vollsperrung der Brücke das Werk erreichen? Das Eisenbahnviadukt in Richtung Hohnbach als womöglich rettendes Nadelöhr ist für Lkw viel zu klein.

Die Colditzer Stadtväter waren nicht untätig, ließen Varianten prüfen, verwarfen sie wieder und schlagen nun folgenden Ausweg vor: „Wir müssen eine Umfahrung bauen. Und zwar soll der Lieferverkehr ab der B 107 auf die vorhandene Gewerbestraße zum Briefverteilzentrum der Deutschen Post beziehungsweise zur ehemaligen Getreidewirtschaft geführt werden“, holt Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos) aus. „Die Laster würden die dortige Bahnlinie queren, auf die alte Werkstraße einbiegen und schließlich die Zufahrt zu Ferro sowie zur Furtwegbrücke erreichen.“ Den Bau der 675 Meter langen Umleitungsstrecke hatte das Rathaus ausgeschrieben. 16 Interessenten forderten die Unterlagen an, zwölf Angebote kamen in die Wertung. Erwartet wird, dass die Stadträte auf ihrer Sitzung kurz vor Weihnachten der Strabag AG den Zuschlag geben. Bauamtsleiterin Angela Rößner: „Die Firma aus Hayna ist mit 287 000 Euro der wirtschaftlichste Bieter.“ Der Baubeginn sei für Anfang Januar geplant, aus dem Hochwasserfonds winke eine 100-prozentige Förderung.

Dirk Kießling von der Bahnnostalgie Muldental, der sachsenweit Sonderfahrten organisiert, hatte zwischenzeitlich andere Vorstellungen: „Nach Streckenrückbau in Penig war eine intakte, Lkw-kompatible Bahnunterführung verfügbar, die wir anstatt des Viadukts hätten einsetzen können. Möglicherweise wäre die Umleitungsstrecke dann sogar überflüssig geworden.“ Das Colditzer Rathaus winkt ab. Der Vorschlag sei weder realistisch noch finanzierbar: „Zudem steht in den Sternen, ob jemals wieder ein Zug über das Viadukt fährt. Die Umleitung ist die nachhaltigere Lösung. Wir können sie als Ausweich im Hochwasserfall nutzen sowie als Alternative beim noch folgenden Ausbau des Knotenpunkts B 107/ S 44“, so Schmiedel. Was dem Bürgermeister besonders wichtig ist: „Ferro in Colditz mit weit über 100 Beschäftigten wird zu keiner Zeit von der Außenwelt abgeschnitten sein.“

Ende der 60er-Jahre hatte die DDR beschlossen, ein für damalige Begriffe modernes Farbenwerk in unmittelbarer Nachbarschaft zur Porzelline zu bauen. So wurde 1971 der VEB Schmelzfarbenwerk Colditz in Betrieb genommen. In der Folge fungierte Magmalor (ein werbewirksamer Kunstbegriff für „schmelzende Farben“) nicht nur als Zulieferer für die angrenzende Porzellanherstellung, sondern auch für sonstige keramische Fabriken im In- und Ausland.“ Während das Porzellanwerk seine Produktion Mitte der 90er-Jahre einstellte und 2006 der Abriss begann, wurde in den Standort Magmalor weiter kräftig investiert. 1990 übernahm Degussa in Frankfurt/Main das Werk. Seit 2001 gehört es zur amerikanischen Firma Ferro mit Stammsitz in Cleveland/Ohio.

Von Haig Latchinian

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In Grimma ist am Sonntag ein Papierkorb zerstört worden. Die Polizei wurde zum Einsatz gerufen, als Passanten vier Personen Am Schwanenteich beobachtet hatten, wie diese den Abfallbehälter offenbar mit Pyrotechnik in die Luft gesprengt hatten.

13.12.2016

Weite Wege nehmen die Wirtschaftsförderer der Invest Region Leipzig in Kauf, um Investoren auf Leipzig und das Umland aufmerksam zu machen.

13.12.2016

Polo, ein eher elitärer Sport hoch zu Ross, hält Einzug in Sachsen. Allerdings verspricht die Gründerin der ersten Polo-Schule in Sachsen, Laura Quiring, dass er auch für Normalbürger erschwinglich bleibt. Trainiert wird schon jetzt in Grimma, auf dem Grundstück der Familie, in Borsdorf soll das Schulungszentrum entstehen.

12.12.2016