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Colditz saniert Furtwegbrücke: Neue Zulieferstraße für Magmalor notwendig

Verkehr Colditz saniert Furtwegbrücke: Neue Zulieferstraße für Magmalor notwendig

Die Furtwegbrücke stellt die Stadt Colditz vor Herausforderungen. Das Brückenbauwerk ist während der Fluten 2002 und 2013 stark beschädigt worden und muss unter Vollsperrung saniert werden. Es ist aber auch die einzige Zufahrt zum Weltmarktführer Ferro.

Die Furtwegbrücke über die Mulde in Colditz muss saniert werden.

Quelle: Haig Latchinian

Colditz. Ferro ist Weltmarktführer in der Glasfarbenherstellung und gilt in Colditz als einer der größten Arbeitgeber. Allein 2012 und 2013 investierte das Unternehmen über fünf Millionen Euro in neue Anlagen, Umwelttechnik und die Logistikhalle mit mehr als 4000 Palettenstellplätzen. Bis zu 40 Lastkraftwagen liefern jeden Tag Rohstoffe wie Metalloxide oder Silikate an, beziehungsweise holen die Endprodukte, etwa Glasuren für die Dachziegelindustrie, anorganische Buntpigmente und Dekorfarben ab. Bislang rollen die 24-Tonner über die Furtwegbrücke. Nicht mehr lange. Das Bauwerk ist nach zwei Fluten sanierungsbedürftig, weist Mängel sowohl in Oberbau als auch Widerlagerbereich auf. Ehe die Generalüberholung frühestens 2018 beginnen kann, sind jedoch umfangreiche Vorarbeiten nötig – eine logistische Herausforderung. Denn wie sollen die Zulieferer bei Vollsperrung der Brücke das Werk erreichen? Das Eisenbahnviadukt in Richtung Hohnbach als womöglich rettendes Nadelöhr ist für Lkw viel zu klein.

Die Colditzer Stadtväter waren nicht untätig, ließen Varianten prüfen, verwarfen sie wieder und schlagen nun folgenden Ausweg vor: „Wir müssen eine Umfahrung bauen. Und zwar soll der Lieferverkehr ab der B 107 auf die vorhandene Gewerbestraße zum Briefverteilzentrum der Deutschen Post beziehungsweise zur ehemaligen Getreidewirtschaft geführt werden“, holt Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos) aus. „Die Laster würden die dortige Bahnlinie queren, auf die alte Werkstraße einbiegen und schließlich die Zufahrt zu Ferro sowie zur Furtwegbrücke erreichen.“ Den Bau der 675 Meter langen Umleitungsstrecke hatte das Rathaus ausgeschrieben. 16 Interessenten forderten die Unterlagen an, zwölf Angebote kamen in die Wertung. Erwartet wird, dass die Stadträte auf ihrer Sitzung kurz vor Weihnachten der Strabag AG den Zuschlag geben. Bauamtsleiterin Angela Rößner: „Die Firma aus Hayna ist mit 287 000 Euro der wirtschaftlichste Bieter.“ Der Baubeginn sei für Anfang Januar geplant, aus dem Hochwasserfonds winke eine 100-prozentige Förderung.

Dirk Kießling von der Bahnnostalgie Muldental, der sachsenweit Sonderfahrten organisiert, hatte zwischenzeitlich andere Vorstellungen: „Nach Streckenrückbau in Penig war eine intakte, Lkw-kompatible Bahnunterführung verfügbar, die wir anstatt des Viadukts hätten einsetzen können. Möglicherweise wäre die Umleitungsstrecke dann sogar überflüssig geworden.“ Das Colditzer Rathaus winkt ab. Der Vorschlag sei weder realistisch noch finanzierbar: „Zudem steht in den Sternen, ob jemals wieder ein Zug über das Viadukt fährt. Die Umleitung ist die nachhaltigere Lösung. Wir können sie als Ausweich im Hochwasserfall nutzen sowie als Alternative beim noch folgenden Ausbau des Knotenpunkts B 107/ S 44“, so Schmiedel. Was dem Bürgermeister besonders wichtig ist: „Ferro in Colditz mit weit über 100 Beschäftigten wird zu keiner Zeit von der Außenwelt abgeschnitten sein.“

Ende der 60er-Jahre hatte die DDR beschlossen, ein für damalige Begriffe modernes Farbenwerk in unmittelbarer Nachbarschaft zur Porzelline zu bauen. So wurde 1971 der VEB Schmelzfarbenwerk Colditz in Betrieb genommen. In der Folge fungierte Magmalor (ein werbewirksamer Kunstbegriff für „schmelzende Farben“) nicht nur als Zulieferer für die angrenzende Porzellanherstellung, sondern auch für sonstige keramische Fabriken im In- und Ausland.“ Während das Porzellanwerk seine Produktion Mitte der 90er-Jahre einstellte und 2006 der Abriss begann, wurde in den Standort Magmalor weiter kräftig investiert. 1990 übernahm Degussa in Frankfurt/Main das Werk. Seit 2001 gehört es zur amerikanischen Firma Ferro mit Stammsitz in Cleveland/Ohio.

 

 

Von Haig Latchinian

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