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Colditz schrumpft – Stadtumbau soll Kommune wieder attraktiver machen

Starker Bevölkerungsrückgang Colditz schrumpft – Stadtumbau soll Kommune wieder attraktiver machen

Die Stadt Colditz leidet an einem überdurchschnittlich starken Bevölkerungsschwund. Die städtische Erneuerung mit Fördermitteln soll fortgesetzt werden, um die Kommune wieder attraktiver zu machen. Die Ideenliste für Wohnprojekte und andere Vorhaben ist in der Diskussion. Ein Vorhaben betrifft die ehemalige Brauerei.

Die ehemalige Brauerei gehört zu den Immobilien in Colditz, für die eine Umnutzung angedacht ist.

Quelle: Thomas Kube

Colditz.  Die Stadt Colditz will die städtebauliche Erneuerung fortsetzen und dafür die Aufnahme in das Städtebauförderprogramm Soziale Stadt (SSP) beantragen. So hat es der Stadtrat in seiner Januar-Sitzung beschlossen. Für den Fördermittelantrag hatte Bauamtsleiterin Angela Rößner den Stadträten zur jüngsten Sitzung die Abgrenzung des Fördergebietes und ein Grobkonzept mit Zielen und Maßnahmeschwerpunkten vorgelegt.

Colditz nutzt derzeit gleich mehrere Städtebauförderprogramme: Sanierungsgebiet Altstadt, Stadtumbau Ost für das nördliche Stadtzentrum und das Programm „kleine Städte und Gemeinden“ für den Stadtkern. Bereits 2015 war zudem beschlossen worden, sich um Fördermittel aus dem Europäischen Sozialfonds zur nachhaltigen sozialen Stadtentwicklung zu bewerben, um mit diesen das soziale, kulturelle und gesellschaftliche Leben in der Stadt zu verbessern. Erste Projektideen, von Bürgern im Rahmen von Workshops eingebracht, sind beispielsweise eine Seniorenakademie, eine Geschichtswerkstatt, ein Trauercafé, eine Willkommensgruppe zur Betreuung von Flüchtlingen und familienbezogene Angebote. „Zur nachhaltigen Unterstützung der zu entwickelnden Projektideen aber ist es sinnvoll, auch städtebauliche Maßnahmen investiv zu entwickeln“, erklärte Rößner den Zusammenhang zum SSP.

Die SSP-Maßnahmen sollen Stadt- und Ortsteile mit besonderem Entwicklungsbedarf, wo erhebliche soziale Missstände mit wirtschaftlichen und städtebaulichen Problemen zusammentreffen, aufwerten, erklärte Rößner. In Colditz hat man die Abgrenzung so weiträumig gewählt, dass sie fast das gesamte Stadtgebiet umfasst und nur Industrie- und Gewerbegebiete ausklammert. Denn die Folgeerscheinungen aus dem Verlust von Industriearbeitsplätzen in den 1990er-Jahren betreffen das gesamte Stadtgebiet. Beispiel demografische Entwicklung: Zwischen 2000 und 2004 verzeichnete Colditz mit minus 20,23 Prozent einen deutlich stärkeren Bevölkerungsrückgang als der sächsische Durchschnitt (-8,37), und bis 2025 werden noch einmal minus 13,6 Prozent prognostiziert. Das Durchschnittsalter liegt bei 49 Jahren und damit 2,3 Jahre höher als der sächsische Durchschnitt. (46,7). 27 Prozent der Bevölkerung sind älter als 65, der Saldo von Geburten und Sterbefällen negativ. „Ausschlaggebend ist die fehlende Nähe zu attraktiven Stadt- und Wirtschaftsräumen“, vermutet Rößner als Grund, dass Colditz für junge Familien unattraktiv ist. Durch vorangegangene Stadtentwicklungskonzepte „wurden in den vergangenen Jahren punktuelle Verbesserungen sowohl durch Beseitigung und Umnutzung innerstädtischer Wohn- und Industriebrachen, Umgestaltung einzelner Bereiche der Stadt als auch durch Erhaltung städtebauliche prägender Gebäude erreicht“, schätzt Rößner ein. „Dennoch kann insgesamt noch nicht von einer Konsolidierung im Hinblick auf die Stadtentwicklung gesprochen werden.“ Vielmehr müsse der Stadtumbau in den nächsten Jahren stärker als bisher qualitativ ausgerichtet werden, das heißt auf die Verbindung sozialer, wirtschaftlicher, baulicher und vor allem ökologisch nachhaltiger Aspekte.

Mit Hilfe des SSP soll nun das beschriebene Gebiet unter Beachtung solcher Herausforderungen wie demografischer Wandel und Energiewende stabilisiert und aufgewertet werden, sollen Wohn- und Lebensqualität, Nutzungsvielfalt, Generationengerechtigkeit und Integration aller Bevölkerungsgruppen verbessert werden. Als mögliche Maßnahmen listete die Bauamtsleiterin unter anderem die denkmalgerechte Sanierung und Modernisierung der Sophienschule und die Sanierung und Umnutzung der ehemaligen Brauerei Markt 12 für Einkauf, Treff und Kultur auf. Modernisierung zum barrierearmen Wohnen mit Treff für alle sei in Wettiner Ring 24-30, Waldstraße 13-15 und 17-19 denkbar, eine Sanierung zum barrierearmen Wohnen im Denkmal in der Lastauer Straße 3-5, barrierearmes Wohnen mit Trauercafé im Markt 22 sowie die Umnutzung leerstehender Gebäude in der Holzwickeder Straße 5-7 für Betreuung, Begegnung und Wohnen.

Unbeantwortet sah FDP-Stadtrat Manfred Heinz mit Blick auf diese Liste allerdings die Frage, welche Auffassung die betroffenen Eigentümer dazu haben. „Bei leerstehenden Gebäuden können wir als Stadtrat doch nicht einfach über eine Umnutzung entscheiden“, sagte er und nannte die ehemalige Brauerei als Beispiel. Außerdem fehle ihm eine grobe Kostenaufstellung, da Colditz an den geförderten Maßnahmen mit einem Drittel beteiligt ist. Der Stadtrat billigte schließlich die Abgrenzung des Fördergebietes einstimmig und die Ziele bei drei Enthaltungen.

Von Ines Alekowa

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