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Grimma Colditz stellt sich mit Projekten den Herausforderungen der Zukunft
Region Grimma Colditz stellt sich mit Projekten den Herausforderungen der Zukunft
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10:47 29.06.2016
Die Schulskills haben sich an der Sophienschule etabliert. Sie stellen Kontakte der regionalen Wirtschaft mit ihrem potenziellen Nachwuchs her. Nun sollen sie ausgeweitet werden. Quelle: Archiv Robin Seidler
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Colditz

Hohe Arbeitslosenquote, Überalterung, steigender Ausländeranteil, Wegbrechen von Unternehmen. Colditz muss sich einigen Herausforderungen stellen und hat deshalb ein sogenanntes Integriertes Handlungskonzept erstellen lassen, das der Stadtrat kürzlich bestätigte. Mit Projekten, für die es Geld vom Europäischen Sozialfonds gibt, soll auf die Entwicklung reagiert werden.

In vier Schwerpunkte gliedert sich das Konzept: die Kinder- und Jugendbildung, das lebenslange Lernen, die Integration in Beschäftigung und die Netzwerkbildung von Klein- und Kleinstunternehmen. Die ersten Projekte stehen fest. Laut Ronny Kriz vom Bildungs- und Sozialwerk (BSW) Muldental ist aber nichts in Stein gemeißelt. „Es handelt sich um einen laufenden Prozess, in dem Änderungen möglich sind. Es können auch noch neue Projektträger hinzukommen“, erklärte er.

Einzelne Vorhaben erläuterte Marie-Luise Rieger, geschäftsführende Gesellschafterin der Leipziger Zarof GmbH, die das Konzept erstellte. Ein grober Überblick über die vier Schwerpunkte:

Kinder- und Jugendbildung

Angesichts einer hohen Kinderarmut und kaum vorhandener niederschwelliger Freizeitangebote will der Volleyballverein Colditz über das Projekt „Fit für die Zukunft“ Lernpatenschaften für Jugendliche übernehmen. Und das Jugendcenter Colditz möchte Schlüsselkompetenzen von Vorschulkindern weiterentwickeln.

Lebenslanges Lernen

Die Quote der Langzeitarbeitslosen liegt deutlich über dem Landesdurchschnitt, außerdem nimmt Colditz viele Asylbewerber auf. Das BSW möchte mit dem Projekt „Colditz vereint“ ein Bündnis für Bürgerbildung, Partizipation und lebenslanges Lernen schaffen. Die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde entwickelte zwei Vorhaben, die sie „Menschen in Bild und Gespräch“ und „Zeitgeschichte hautnah“ nennt. In ihnen will sie mit Bürgern ins Gespräch kommen, um verschiedene Themen aufzuarbeiten.

Integration in Beschäftigung

Die Arbeit der Willkommensgruppe Colditz, die sich der sozialen Eingliederung von Flüchtlingen widmet, soll professionalisiert werden. Angesichts eines Altersdurchschnitts, der in Colditz bei 49 Jahren liegt und damit höher als das Mittel von Sachsen ist, besteht aber noch Bedarf an Mehrgenerationsprojekten, Beratungs- und Informationsangeboten für Langzeitarbeitslose und eine Unterstützung des Ehrenamts. Dem Nachwuchs müssten in Zusammenarbeit mit Unternehmen Entwicklungsmöglichkeiten vor Ort aufgezeigt werden.

Netzwerkbildung von Unternehmen

In der Stadt existieren nur drei Betriebe mit über 500 Mitarbeitern. Alles andere sind kleinere Firmen, für die ein lokales Wirtschaftsnetzwerk aufgebaut werden soll. Der Förderverein der Sophienschule will dafür seine Schulskills, in der Jugendliche mit regionalen Unternehmen zusammengebracht werden, weiter ausbauen. Und die Werbegemeinschaft Colditz möchte mit der Initiative „Colditz lebt – starke Wirtschaft, starke Stadt“ den Wirtschaftsstandort attraktiver machen, wobei der Handel in den Vordergrund gerückt werden soll.

Für die Projekte der vier Schwerpunkte hat die Zarof GmbH einen Bedarf von 475 342 Euro errechnet. „Das ist ein riesen Batzen Geld, wir beantragen das Maximum“, sagte Marie-Luise Rieger, die gleich einschränkte: „Man kann aber davon ausgehen, dass der Betrag, den wir erhalten, geringer ausfällt.“ Insgesamt stehen 36 Millionen Euro vom Europäischen Sozialfonds für alle 40 Kommunen in Sachsen zur Verfügung, die derartige Konzepte erstellen. Die Förderquote beträgt 95 Prozent.

Rieger denkt, im Juli die Bestätigung der Sächsischen Aufbaubank und des Innenministeriums für das Konzept zu erhalten. Danach könnten die Projektträger ihre Fördermittelanträge stellen. Für die Umsetzung bleibt Zeit bis 2022.

Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos) hofft, dass auch noch aus den Ortsteilen Initiativen kommen. Rieger hält es für ratsam, einen koordinierenden Stadtmanager zu installieren.

Von Frank Pfeifer

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