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Grimma Colditz stimmt für Bandbrücke über B 107
Region Grimma Colditz stimmt für Bandbrücke über B 107
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00:36 28.05.2018
Das bisherige Abbaufeld liegt rechts der B 107 von Colditz nach Großbothen. Das neue soll auf der anderen Seite aufgemacht werden, wo sich jetzt Felder befinden. Quelle: Google Earth/Frank Schmidt
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Colditz/Leisenau

Wer nach Paris will, passiert auf den Champs-Elysées den Triumphbogen. Wer nach Colditz möchte, durchfährt künftig wohl eine Förderbandbrücke. Dafür spricht sich jetzt die Mehrheit der Stadtväter aus – allerdings verlangt sie mehrere Gestaltungsvarianten. Manfred Heinz (FDP), einer der Kritiker des Projekts, äußert zumindest hinter vorgehaltener Hand seinen Favoriten: „Krönt die Bandbrücke doch mit elf Gartenzwergen, stellvertretend für die elf Stadträte, die das verzapft haben.“

Verbissener Kampf um Abbaufeld

Heinz bleibt das Lachen im Halse stecken. Zu verbissen der Kampf, der seit 20 Jahren um das geplante Kiesabbaufeld bei Leisenau tobt und die Einwohnerschaft spaltet. Da der Sandvorrat im Tagebau Sermuth zur Neige geht, brauchen die Sandwerke Biesern dringend Nachschub, um die vor Ort ansässigen Betriebe Xella und Baumit weiter beliefern zu können.

Lösung liegt auf der anderen Straßenseite

Die Lösung liegt auf der Hand: Vier Millionen Tonnen, so Werkssprecher Steffen Wollmann, lagern direkt auf der anderen Straßenseite. Aber: Wie kommt der Sand dann zu den Abnehmern jenseits der B 107?! Vor knapp drei Jahren forderten die Stadträte noch einen Tunnel – und sprachen sich gegen eine Bandbrücke aus. Nun also die Kehrtwende.

Sandwerke: Tunnel nicht gerechtfertigt

Die erwartete Abbaumenge rechtfertige den Bau eines Tunnels nicht annähernd, begründete Steffen Wollmann von den Sandwerken. Zudem würde eine Unterführung nach jetzigen Erkenntnissen im Grundwasser enden. „Umweltverbände winken da nur ab, viel zu groß die Eingriffe in die Natur“, weiß Bauamtsleiterin Angela Rößner. Zwar habe das Oberbergamt in Freiberg das letzte Wort, im Namen der Stadtverwaltung empfiehlt sie den Parlamentariern aber, für die Bandbrücke zu stimmen. Ein Prozedere, so Rößner, das auch vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr mitgetragen werde. Sollte der Rat die ins Auge gefasste Bandbrücke ablehnen, wäre eine erhebliche Belastung nicht nur für die unmittelbaren Anrainer die Folge, warnt Andreas Hentke von den Sandwerken: „Dann müssten wir für die Firma Xella und den Putzhersteller Baumit jährlich über 200 000 Tonnen Sand von weither anfahren. Das wären etwa 15 000 Lkw-Fuhren pro Jahr.“ Die überdachte, geräuscharme Bandbrücke mit Leichtlaufrollen sei klar zu favorisieren.

Bürgerinitiative: Wir haben den Dreck

Andrea Mehmel von der Bürgerinitiative (BI) „Kontra Kiessand Leisenau“ schimpft: „Eingehaust wird doch bloß das Stück über der Straße, ansonsten haben wir Leisenauer und Schönbacher den Dreck, 40 weitere lange Jahre.“ Ihre Tochter Silvia führt Hunger- und Küchenberg sowie Steinhübel ins Feld: „Die so typische Porphyrhügellandschaft würde durch die Brücke verschandelt.“ Und Wolfram Hunger wendet sich direkt an die Investoren: „Ihr wollt doch bloß Geld sparen! Die Brücke ist deutlich billiger, völlig klar.“ In einem gemeinsamen Appell richtet sich die Bürgerinititative an die Stadträte: „Sie sind die gewählten Vertreter der Bürger von Colditz – nicht Anteilseigner oder Aufsichtsräte der GmbH!“

Brücke mit Gestaltungsoptionen

Er lehne jeden weiteren Kompromiss ab, sagt der liberale Manfred Heinz und schlägt vor, an der ursprünglichen Forderung nach einem Tunnel festzuhalten. Stefan Juhrich (Für unsere Heimat) versteht die Welt nicht mehr: „Wieso gibt es im Computerzeitalter keine Animation der Brücke?! Wenn ich ein Haus baue, muss ich doch auch einen Plan vorlegen. Wir werden hier vors Loch geschoben!“ Sein Fraktionsvorsitzender Gottfried Ulbricht ist um Ausgleich bemüht: „Alle haben Recht. Der Bürger genauso wie der Unternehmer. Lasst uns einen Mittelweg suchen.“ Das Stichwort für Gottfried Schröpfer (Pro Colditz): „Ich würde der Brücke zustimmen, aber nur wenn uns die Planer fünf Gestaltungsoptionen liefern.“ Ein Vorschlag, der offenbar genau den Nerv der Meisten trifft. In seiner letzten Stadtratssitzung als Bürgermeister lässt der parteilose Matthias Schmiedel abstimmen: Elf Kollegen sind dafür, sieben dagegen, einer enthält sich.

Die Bürgerinitiative äußert sich hinterher enttäuscht: „Na, da hat Herr Schröpfer seinen Kollegen ja elegant die Brücke gebaut. Wir wollen kein Förderband, egal, wie es gestaltet ist.“ Es ist der Moment, als Manfred Heinz die Idee kommt, die Brücke mit elf Gartenzwergen zu krönen...

Von Haig Latchinian

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