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Grimma Colditz und der 200. Geburtstag von Clara Schumann
Region Grimma Colditz und der 200. Geburtstag von Clara Schumann
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11:33 13.02.2019
Ludwig Schumann. Quelle: Archiv
Colditz/Leipzig

„Clara19“ – das ist der Titel eines umfangreichen Festprogramms, mit dem Leipzig in diesem Jahr den 200. Geburtstag Clara Schumanns würdigt. „In unserer Stadt geboren und aufgewachsen, eroberte die begnadete Musikerin die Konzertpodien Europas, feierte im Leipziger Gewandhaus ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum und steht heute aufgrund ihrer beispiellosen Karriere für eine in ihrem Jahrhundert außergewöhnliche Emanzipation“, sagt Leipzigs Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke.

Schumann-Sohn komponierte auf Schloss Colditz

Aber auch die Stadt Colditz, ganz speziell das dortige Schloss, in dem sich heute unter anderem die Landesmusikakademie befindet, hat einen direkten Bezug zu den Schumanns. Von 1873 bis zu seinem Tode 1899 brachte der Sohn der weltbekannten Musiker Robert und Clara Schumann fast 30 Jahre in der damaligen Irrenanstalt auf Schloss Colditz zu.

Hinter Schlossmauern und besonders in depressiven Phasen komponierte Ludwig Schumann mindestens sieben Klavierstücke, recherchierte der Colditzer Ex-Kantor Albert Peter Bräuer. „1976 spielte ich im Festsaal des Krankenhauses noch alle sieben Stücke. Die Noten hatte ich damals thermokopiert, inzwischen sind die Blätter mehr als nur verblichen, sie sind weiß. Nur zwei Stücke konnte ich aus dem Gedächtnis reproduzieren. Wo die Originale abgeblieben sind, ist unbekannt.“

Kantor Albert Peter Bräuer beschäftigte sich mit der Lebensgeschichte von Ludwig Schumann. Quelle: Andreas Doering

Bräuer beschäftigte sich mit der Lebensgeschichte des unglücklichen Sohnes Ludwig. Im Revolutionsjahr 1848 als fünftes Kind der Schumanns in Dresden geboren, durchlief er zunächst eine Buchdruckerlehre. Daran schloss sich eine Ausbildung zum Musikalienhändler an.

Bräuer: „Mutter Clara hielt ihn frühzeitig für allein nicht lebenstüchtig.“ In der Klinik in Pirna wurde Ludwig für „unheilbar geistes- und rückenmarkskrank“ erklärt. 1873 kam Ludwig in die Irrenanstalt Colditz. Bräuer betont, dass der ebenfalls für nervenkrank gehaltene Vater Robert zu der Zeit bereits tot war.

Schumann pflegte gute Beziehung nach Colditz

Büste von Robert Schumann. Quelle: Armin Kuehne

„Clara musste also Geld verdienen, um die Familie zu ernähren. Vermutlich glaubte sie im Sinne ihres Mannes zu handeln, indem sie Ludwig nach Colditz schickte. Denn Robert Schumann sprach immer gut von Colditz. 1824 und 1827 war er Gast der Familie Ernst August Carus, hatte sich als 17-Jähriger unsterblich in die Carus-Gattin verliebt.“ Agnes soll wunderbar gesungen haben und betörte Robert Schumann mit inspirierenden Schubert-Liedern.

Tragischer Briefwechsel zwischen Mutter und Sohn Schumann

Es gab einen regen Briefwechsel zwischen der Anstaltsleitung und Clara Schumann, die auch regelmäßig Geschenke schickte. Obermedizinalrat Voppel habe sich für die Entlassung des Jungen ausgesprochen. Er war von dessen Unzurechnungsfähigkeit nicht überzeugt. „Doch die Mutter entschied anders“, sagt Bräuer: „Womöglich liegen damit auch ein paar Schatten auf Clara.“ Anstaltspfarrer Friedrich Größel habe sich so gut es ging um Ludwig gekümmert. Umso schockierender: „Alle Briefe, die Ludwig der Mutter schrieb, erreichten diese nicht, sondern wurden in der Patientenakte abgeheftet.“

Kantor hegt Zweifel an Geisteskrankheit von Schumann-Sohn

Fast 30 Jahre musste Ludwig die Anstalt ertragen. 51-jährig starb er und wurde auf dem inzwischen eingeebneten Friedhof der Schlosskirche beigesetzt. Für Bräuer steht fest: „Wer solche Musik geschrieben hat, kann unmöglich geisteskrank gewesen sein.“ Seit Jahren regt er im Bereich des Schlosses vergeblich eine ständige Erinnerung an. Vielleicht könne die Musikakademie ja den Namen Ludwig Schumann tragen, sinniert der Kantor. In einer ersten Reaktion zeigte sich die neue Leiterin der Landesmusikakademie, Lena Thalheim, interessiert. Sie versprach, sich des Themas anzunehmen.

Die Pianistin Clara Schumann. Quelle: picture-alliance / dpa

Clara Wieck wurde am 13. September 1819 in Leipzig geboren. Sie galt als musikalisches Wunderkind. Einen Tag vor ihrem 21. Geburtstag heiratete sie den Komponisten Robert Schumann. In ihrem Wohnhaus in der Inselstraße in Leipzig ist heute das Schumann-Haus untergebracht.

Das Museum nimmt das Jubiläumsjahr „Clara19“ zum Anlass, seine Dauerausstellung neu zu gestalten. So sollen Clara Schumann und ihr Ehemann gleichberechtigt gewürdigt werden.

Von Haig Latchinian

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