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Grimma Colditz will umfassende Information zu Flüchtlingen gewährleisten
Region Grimma Colditz will umfassende Information zu Flüchtlingen gewährleisten
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00:37 12.11.2015
Umfangreich sollen die Colditzer vom Rathaus über alles informiert werden, was Flüchtlinge in ihrer Kommune betrifft. Quelle: Archiv
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Colditz

„Das Thema bewegt die Bürger“, meint Thomas Wasner (Bürgerinitiative Colditz). „Wir werden permanent auf der Straße auf Gerüchte angesprochen und können nichts dazu sagen, weil wir selbst nichts wissen.“ Das müsse sich grundlegend ändern.

Für Schmiedel ein schweres Unterfangen, denn auch bei ihm kommt nicht immer sofort an, wer in Colditz Obdach findet. „Wir erhalten die Information nur über unser Einwohnermeldeamt“, sagt er. Wenn jemand privat an Flüchtlinge vermiete, müsse er die Stadt vorher nicht darüber in Kenntnis setzen. Das gelte auch, wenn der Betreffende viele Flüchtlinge beherbergt. Größere Gemeinschaftsunterkünfte seien aber im Moment nicht geplant.

Besonders schwierig ist es für Schmiedel, auf Gerüchte zu reagieren, die bewusst oder leichtsinnig falsch in Umlauf gesetzt werden. „Wir haben schon gehört, dass Flüchtlinge in der SB-Halle und in der Sport-Arena einziehen sollen“, nennt er Beispiele. Dabei handle es sich um Räuberpistolen, die jeglicher Grundlage entbehren.

Klar ist dem Bürgermeister: „Wir müssen die Angst der Leute ernstnehmen.“ Zu den Pegida-Demonstrationen in Dresden würden aus Colditz nicht nur Rechtsradikale fahren. Eine umfangreiche Aufklärung sei unabdinglich.
Genau diese hatte Manfred Heinz (FDP) im Sinn, als er mit seinen Fraktionskollegen den Antrag auf eine regelmäßige Berichterstattung im Stadtrat gestellt hatte. „Wir müssen uns der Aufgabe stellen, die wir vor Ort haben“, fordert er. „Das können wir aber nur, wenn wir umfassende Informationen haben.  Ohne sie schaffen wir die Grundlage für Hass und Diskriminierung.“ Die Mehrheit des Stadtrats gibt ihm in diesem Punkt zwar recht, lehnt es aber ab, das Thema zur Routine im Parlament zu machen.

Stattdessen soll situationsbezogen der aktuelle Sachstand auf den Tisch. Dieser sieht im Moment so aus, dass 39 Flüchtlinge dezentral in der Stadt leben und laut Verteilerschlüssel bis Jahresende rund 120 untergebracht werden sollen. Die kommunale Colditzer Wohnungsgesellschaft kann noch freie Räume zur Verfügung stellen. Schmiedel fragt sich, warum sie nicht abgerufen werden. Etliche Privateigentümer hätten Unterkünfte angeboten, sechs Wohnungen seien bereits an das dafür zuständige Landratsamt vermietet worden. „Wir haben sehr viele Leute in Colditz, die bereit sind zu helfen, auch eine Willkommensgruppe“, bilanziert der Bürgermeister.

Wie berichtet, möchte das Bildungs- und Sozialwerk Muldental zwölf jugendliche Flüchtlinge, die ohne Erwachsene nach Deutschland kamen, in Tanndorf aufnehmen. Schmiedel hofft, bald eine Klasse in der Oberschule aufmachen zu können, in der Deutsch als Zweitsprache unterrichtet wird. Lehrer mit der entsprechenden Ausbildung hätten signalisiert, nach Colditz umziehen zu wollen.

Insgesamt, betont der Bürgermeister, sollte jeder anerkannte Flüchtling, der das Grundwertesystem der demokratischen Ordnung akzeptiert, die deutsche Sprache erlernt und das Bruttosozialprodukt der Gesellschaft stärkt, in Colditz willkommengeheißen werden. In allen Fragen zu Asylbewerbern sei jetzt Hauptamtsleiter Hans-Peter Kiesel der Ansprechpartner im Rathaus.

Von Frank Pfeifer

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