Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma Colditzer Bürgermeister feiert heute 60. Geburtstag
Region Grimma Colditzer Bürgermeister feiert heute 60. Geburtstag
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:21 22.03.2017
Für den parteilosen Matthias Schmiedel ist Altbundeskanzler Helmut Schmidt ein Vorbild. Quelle: Foto: Frank Schmidt
Anzeige
Colditz

Sein Vater wäre in diesen Tagen 100 Jahre alt geworden, Albert Schmiedel, einstiger Chef der bakteriologischen Abteilung des Klinikums Zschadraß. Sohn Matthias spricht voller Hochachtung von ihm: „Er hatte hier das Labor aufgebaut, entwickelte einen europaweit beachteten Impfstoff gegen die Tuberkulose, rottete in der DDR die gefürchtete Krankheit aus, unter der er selbst als Kind litt.“

Es ist kein Zufall, dass der parteilose Colditzer Bürgermeister heute zu seinem 60. Geburtstag vor allem an seinen Vater erinnert. „Ich habe ihm so viel zu verdanken.“ Dabei starb der 51-jährig viel zu früh, genauso wie dessen Sohn Michael, der in die beruflichen Fußstapfen des Vaters treten wollte, Medizin studierte, aber schon mit 24 Jahren einer Blutkrankheit erlag. Matthias Schmiedel schlug dagegen etwas aus der Art. Ihn zog es nie auf die Uni. Er machte seine Lehre zum Maschinen- und Anlagenmonteur, wurde Betriebshandwerker. Und doch war er „Mediziner“, kickte als Fußballer für die gleichnamige BSG in Zschadraß.

„Komm’ mir ja nicht als Bürgermeister heim“, gab ihm seine Frau Sybille in der Wendezeit mit auf den Weg in den Hausdorfer Gemeinderat. „Es war 1990. Nach der ersten freien Wahl. Da saßen wir nun. Die Ratskollegen waren Betriebsdirektoren und Firmenchefs – die mussten sich alle erst mal um ihren eigenen Laden kümmern. Also war ich fällig. Ich sei jung, sie würden es mir zutrauen. Schließlich überredeten sie mich und Hans-Peter Kiesel (Hauptamtsleiter)“, schaut Matthias Schmiedel zurück und hat seine Entscheidung nie bereut. Heute ist der zweifache Familienvater einer der dienstältesten Bürgermeister in Sachsen.

Das Bild von Altbundeskanzler Helmut Schmidt steht auf seinem Schreibtisch. Er ist sein großes politisches Vorbild. Bis 2003 war Schmiedel noch Mitglied der SPD, trat dann aus, um unabhängiger zwischen den verschiedenen Lagern vermitteln zu können, wie er sagt. 1994, zur ersten Direktwahl des Bürgermeisters, landete Schmiedel einen echten Coup. In den Kommunen Hausdorf, Erlbach und Zschadraß kandidierte er gleichzeitig. Sein Slogan: „Wer mich wählt, wählt die Großgemeinde.“ Er siegte und wurde Bürgermeister der fortan größeren Gemeinde Zschadraß, zu der ein Jahr später auch noch Tanndorf kam.

Selbst seine Kritiker, die ihm eine mangelnde Akzeptanz der Stadtrats-Opposition vorwerfen, müssen ihm jedoch bescheinigen, dass er die Zeichen der Zeit offenbar schneller erkennt als andere. Am 1. Januar 2011 fusionierten Colditz, Zschadraß und Teile der Gemeinde Großbothen zur neuen Stadt Colditz. Und wieder war es Schmiedel, der den Prozess maßgeblich forcierte, obwohl er als „Hainbergianer“, wie sich die Zschadraßer gern selber nennen, ein ruhigeres Leben hätte haben können: „Unsere Finanzen waren stabil, wir waren nahezu schuldenfrei. Doch so schön Festsaal und Kirche auch geworden sind, es reicht nicht, sich einzuigeln. Wir mussten die ganze Region im Blick haben.“ Wie seine beiden Amtskollegen wurde auch Schmiedel in den einstweiligen Ruhestand versetzt, zunächst zum Amtsverweser und schließlich zum Bürgermeister gewählt. Mediziner wie sein Vater ist er nie geworden. Doch die geeignete Arznei, um die städtischen Finanzen in Ordnung zu bringen, hat er offenbar gefunden. Die Stadt jedenfalls steht wirtschaftlich besser da als zuvor.

Früher jagte er von Zschadraß aus mit dem Schlitten den Hainberg hinunter zur Schule nach Colditz. Heute fährt der umweltbewusste Ortschef mit dem Elektro-Auto zum Rathaus. Die Arbeit mache ihm Spaß. Er schwärmt von der 750-Jahrfeier 2015 und von der Einladung zum Empfang der Queen. Er erinnert aber auch an die verheerende Flut 2013: „Es ist ärgerlich, dass wir noch immer nicht ausreichend geschützt sind.“

Ob er zur Wahl 2018 noch einmal kandidiert: „Wir sind auf einem guten Weg, aber es gibt noch genügend Aufgaben für mich“, antwortet Schmiedel diplomatisch. Kraft tanke er an Wochenenden im Stadion als treuer Fan von RB Leipzig. Aber auch beim Yoga in Hausdorf: „Da trainierst du Muskelgruppen, von den du vorher noch nie was gehört hast.“

Von Haig Latchinian

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Gezielt wird derzeit in Bayern für einen Besuch des Leipziger Neuseenlandes, des Sächsischen Burgen- und des Heidelandes geworben. Ein Kinospot mit speziellen 3D-Effekten lädt zum Trip nach Sachsen ein.

21.03.2017

Die Ehefrau von Martin Luther war Nonne im Kloster Nimbschen. Es ist deshalb klar, dass Grimma im neuen Buch „Der Lutherweg in Sachsen“ ebenso beleuchtet wird wie Borna.

21.03.2017

Er hat einen Faible für Horror- und Fantasybücher aus der Feder von Christoper Golden. Jetzt hat der aus Grimma stammende Olaf Buchheim den Horror-Roman „Der Fährmann“ des amerikanischen Autors in deutscher Sprache auf den Markt gebracht. Zur Leipziger Buchmesse präsentiert er sein Erstlingswerk als Verleger.

21.03.2017
Anzeige