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Colditzer Ex-Bürgermeister Manfred Heinz erlebt die etwas andere Borussen-Fußballnacht

Dortmund Colditzer Ex-Bürgermeister Manfred Heinz erlebt die etwas andere Borussen-Fußballnacht

Sonst begleitet Roswitha immer ihren Mann Manfred Heinz zu Spielen des BVB. Diesmal war Asylbewerber Davood an der Seite des einstigen Colditzer Bürgermeisters und treuen Dortmund-Fans. Das Ehepaar Heinz kümmert sich täglich um Davood und dessen Familie. Das Spiel gegen den AS Monaco sollte für die beiden Männer unvergesslich werden.

Colditzer Ex-Bürgermeister Manfred Heinz mit afghanischem Flüchtling Davood vorm Spiel des BVB

Quelle: privat

Dortmund/Colditz. Nach Madrid, Liverpool, Lissabon, sogar bis Krasnodar reiste der Colditzer Ex-Bürgermeister Manfred Heinz (64) seiner gelb-schwarzen Liebe hinterher. Meist fängt er die Dortmunder BVB-Stars dann schon an den jeweiligen Flughäfen ab, schießt immer wieder Fotos seiner Frau Roswitha – mal mit Reus, mal mit Weigl, mal mit Aubameyang. Doch ehe es so weit ist, heißt es zumeist warten, warten und nochmals warten. So kommt der Colditzer oft ins Gespräch mit dem Fahrer des Dortmunder Mannschaftsbusses. „Denn egal, wo der BVB landet – der Chauffeur steht immer schon bereit, um die Spieler abzuholen und zum Hotel zu bringen.“ So kennt Heinz den Fahrer des Teambusses auch persönlich. Am Dienstag schwatzte Heinz im Stadion noch kurz mit ihm, wünschte wie immer alles Gute und war natürlich doppelt geschockt, als er später vom Sprengstoffanschlag erfuhr.

„Da saßen wir schon im Stadion, voller Vorfreude auf das große Spiel gegen den AS Monaco und konnten es gar nicht fassen“, sagt der Colditzer Stadtrat im Unruhestand. Diesmal war nicht wie sonst üblich Roswitha an seiner Seite, sondern Davood, ein Asylbewerber aus Afghanistan. Um ihn, dessen Frau Najarah sowie die Söhne Daniel und Benjamin kümmert sich das Ehepaar Heinz in Colditz seit Ende 2015 beinahe täglich. Behördengänge, gemeinsames Kochen, Hausaufgaben machen. „Daniel ist 14, Benjamin zehn, beide spielen Fußball – in Grimma und Hausdorf“, sagt Heinz, der für beide inzwischen eine Art Ersatz-Opa geworden ist und mit dem Älteren sogar das 2:2 des BVB gegen Real Madrid erlebte. „Daniel plagen noch immer Alpträume, er wird die Erinnerungen an Taliban und Krieg einfach nicht los – entsprechend groß war seine Freude im Stadion, endlich konnte er mal so richtig abschalten.“

Diesmal also sollte Papa Davood die ausgelassene Stimmung im Dortmunder Stadion aufsaugen. Doch zumindest am Dienstagabend wurde nichts daraus. Die Meldungen über die Explosionen am Dortmunder Spielerbus und den verletzten Marc Bartra machten ihn besonders betroffen – mehr als ihm recht war, musste er an zu Hause denken. Umso größer war seine Bewunderung, wie einsichtig und besonnen die Fans mit der Spielabsage umgingen, wie geordnet sie das Stadion verließen, wie geduldig sie die lange Wartezeit auf die S-Bahn ertrugen und wie auch für den letzten Anhänger aus Monaco noch ein Bett aufgetrieben wurde. Denn auch die Gäste wollten am nächsten Tag beim zweiten Versuch dabei sein.

„Wir haben etliche besorgte Anrufe aus Colditz bekommen, alle wollten wissen, ob wir wohlauf sind“, sagt Heinz, der in der Pension kurzerhand eine Nacht verlängerte. Auch am Mittwoch Vormittag hat er sich alle Mühe gegeben, seinen afghanischen Begleiter etwas abzulenken. Er zeigte ihm den Alten Markt, die Fußgängerzone und das Fußballmuseum. Immer wieder machten sie unterwegs die Bekanntschaft mit jeder Menge Fans – Dortmundern wie Monegassen. „Die Stimmung war gedrückt, aber noch freundschaftlicher als sonst“, berichtet Heinz, der für den Abend einen überaus friedlichen Spielverlauf erwartete. Aber auch strengste Kontrollen am Einlass. Deshalb fanden sich „Opa“ Heinz und Papa Davood noch eher als sonst vorm Stadion ein.

Und der zehnjährige Benjamin – wann darf der mal mit ins Stadion? Heinz, der eingefleischte BVB-Fan, kann wieder schmunzeln: „Am vergangenen Wochenende war der Kleine schon mit in Leipzig, in der Red Bull Arena, gegen Leverkusen. Vorher wurde er natürlich ordentlich eingekleidet – mit Fanschal und RB-Mütze.“ Da sage noch mal einer, echte Dortmund-Anhänger gönnten den Leipzigern nicht das Schwarze unter den Nägeln...

Von Haig Latchinian

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