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Grimma Colditzer Haingasse: Im Jahr vier nach der Flut noch immer ohne Schutz
Region Grimma Colditzer Haingasse: Im Jahr vier nach der Flut noch immer ohne Schutz
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16:20 02.03.2017
Der rasch ansteigende Tiergartenbach besorgt die Bewohner der Colditzer Haingasse seit Jahren. Quelle: Haig Latchinian
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Colditz

Er wolle sich nicht mehr vertrösten lassen: Gerd Baumeyer aus der Haingasse beschwerte sich auf der jüngsten Ratssitzung über die – wie er es nannte – Untätigkeit der Behörden. „Nach dem Junihochwasser 2013 hatte man uns einen Schutz versprochen. Doch auf den warten wir noch immer vergeblich.“ Und das, obwohl so viele Jahre ungenutzt verstrichen seien, schimpft der Colditzer.

Baumeyers Ungeduld ist verständlich. Im Juni 2013 erlebte er in nicht mal zwei Wochen gleich drei Fluten hintereinander. Erst lief der Tiergartenbach über. Nur Tage später wurde die Mulde zum Meer. Und als alle schon mit Aufräumen beschäftigt waren, meldete sich nach Starkregen der heftig angestiegene Tiergartenbach zurück. Spätestens, als sich Tiergartenbach und Mulde vor seinem Haus zum reißenden Strom vereinigten, gab es für Baumeyers kein Halten mehr: „Bis zuletzt betätigten wir die Pumpen. Aber es half nichts mehr.“ Eine Bootsmannschaft des Technischen Hilfswerks evakuierte den Familienvater, seine Frau Petra, Sohn Jano, Tochter Vicky sowie drei Helfer über das Kinderzimmerfenster. Obwohl die Baumeyers das Garagentor mit Sandsäcken, Brettern und Folie verbarrikadiert hatten, drang die braune Brühe in Keller und Wohnungen.

Die Stadt war zu keiner Zeit untätig, stellt Silka Gläser vom Bauamt Colditz klar. Die Zähmung des widerspenstigen Tiergartenbaches sei Teil des bestätigten Wiederaufbauplanes zur Hochwasserschadensbeseitigung 2013: „Das Projekt hat höchste Priorität.“ Vorgesehen seien mehrere Rückhaltungen im Oberlauf des Tiergartenbaches sowie der Bau einer Entlastungsrinne im Mündungsbereich zur Zwickauer Mulde in der Haingasse. Leichter gesagt als getan. Das Projekt gilt als eines der kompliziertesten und komplexesten, hieß es aus dem Rathaus. Verschiedene Varianten wurden untersucht, abgewogen, teilweise wieder verworfen und neu geplant. Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos): „Nun liegt der Entwurf einer Vorzugsvariante auf dem Tisch. Geplant sind Staustufen entlang des Tiergartenbaches – von der Quelle in Bockwitz bis zur Mündung in Colditz, das sind acht Kilometer und rund 700 000 Euro.“

Der Bach durchfließt den Tiergarten und den Schlosspark. Daher bedürfen alle Vorhaben der Abstimmung mit der Denkmal- und Naturschutzbehörde. Dennoch konnte ein Kompromiss erzielt werden, informiert Silka Gläser: „Das Projekt wurde in zwei Bauabschnitte geteilt. Die erste Etappe beinhaltet den Mündungsbereich, Teil zwei den denkmalgeschützten Tiergarten. Für Teil eins gab es von den Behörden inzwischen grünes Licht.“ Bevor jedoch los gebaut wird, sind Grundstücksangelegenheiten zu klären. Die Entlastungsrinne befindet sich auf privatem Grund und Boden. Die Stadt sei diesbezüglich noch in Verhandlungen. Bürgermeister Schmiedel: „Im zweiten Halbjahr 2017 wollen wir den ersten Bauabschnitt ausschreiben.“

Das Hochwasser 2013 richtete allein in Colditz einen Schaden von rund 28 Millionen Euro an. Entsprechend blank liegen noch immer die Nerven. Petra Baumeyer am Tiergartenbach: „Wir mussten das dritte Mal sanieren. Immer wieder Wasser im Haus. Nee, wir schaffen das nicht noch mal! Diese ständigen Ängste!“ Kein Wunder: Auf seinem Weg von Bockwitz nach Kaltenborn und Zschirla wird der tückische Tiergartenbach vorerst auch weiter mit jeder Menge Wasser gespeist, ehe er hinter dem Grundstück der Baumeyers in die Mulde mündet.

Von Haig Latchinian

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