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Colditzer Haus an der Brücke richtet Jugend-Wohngemeinschaft ein

Diakonie Colditzer Haus an der Brücke richtet Jugend-Wohngemeinschaft ein

Als Theresa in die Jugend-Wohngemeinschaft kam, ging es ihr richtig schlecht. Die junge Frau leidet an einer Borderline-Störung, ritzte sich und hatte eine Odyssee durch diverse Einrichtungen und Kliniken hinter sich. Letzter Ausweg war die sozialtherapeutische Wohnstätte der Diakonie Leipziger Land, das „Haus an der Brücke“ in Colditz.

Die Betreuer Silvia Dietze (links hinten) und Thomas Tänzer (2.v.r.) mit Jugendlichen in der Wohngemeinschaft.

Quelle: Diakonie Leipziger Land

Colditz. Als Theresa in die Jugend-Wohngemeinschaft kam, ging es ihr richtig schlecht. Die junge Frau leidet an einer Borderline-Störung, ritzte sich und hatte eine Odyssee durch diverse Einrichtungen und Kliniken hinter sich. Letzter Ausweg war die sozialtherapeutische Wohnstätte der Diakonie Leipziger Land, das „Haus an der Brücke“ in Colditz. Hier führt sie heute stolz durch ihr Zimmer, dem sie mit Justin-Bieber-Poster, DFB-Fahne und Basteleien ihre eigene Note gegeben hat. Sie wirkt freundlich und offen, plaudert über die Therapien und ist fest entschlossen, bald in der Werkstatt zu arbeiten. „Mir geht es viel besser“, sagt sie fröhlich, „in der WG ist es schöner als in der Klinik, und hier oben bei den Jugendlichen und den tollen Betreuern fühle ich mich wohl“.

„Hier oben“ meint die Jugend-WG unterm Dach im „Haus an der Brücke“, wo seit Jahren immer mehr Jugendliche ankommen. Diese leiden nicht mehr nur an klassischen psychischen Erkrankungen wie Depression und Schizophrenie, sondern immer mehr auch an schweren Verhaltens-, Bindungs- und Persönlichkeitsstörungen. „Das sind auch Folgen von steigendem Drogenkonsum und kaputten Familien“, sagt Betreuer Thomas Tänzer. Die vielen Jugendlichen interessierten sich nun aber im Gegensatz zu den anderen Bewohnern weniger für Kremserfahrten und Blasmusik, sondern mehr für Kletterwald und Schwimmbad. Am Wochenende wollen sie ausschlafen und statt gutbürgerlich auch mal chinesisch kochen. Konflikte waren vorprogrammiert, zumal die jungen Bewohner laut Tänzer viel intensiver betreut werden müssen und mehr Aufmerksamkeit brauchen. „Einer steht praktisch immer im Dienstzimmer“, erzählt er.

Die beste Lösung war also der Umzug ins Dachgeschoss, wo die Betreuer Thomas Tänzer, Silva Dietze und André Ehrlich mit den Jungen Wilden, wie sie sich nennen, einen eigenen Bereich eingerichtet haben. Mit unendlichen Gesprächen, viel Lob, Geduld, Ermutigung und dem Vierstufenmodell „Erklären – vormachen – gemeinsam machen – selbst machen“ versuchen die Betreuer, das Selbstwertgefühl der Bewohner zu stärken. „Wir sehen nicht in erster Linie das Defizit, sondern das Potenzial und den ganzen Menschen, der auch durch schlimme Erfahrungen oder Erkrankungen einfach nicht wie eine Maschine funktioniert“, erklärt Dietze.

Basis ist eine gute Beziehung zum Bezugsbetreuer – ein fester Ansprechpartner, den jeder Bewohner hat. Darauf bauen dann feste Regeln und Strukturen, Förder- und Wochenpläne auf. „Montag: Duschen“, „Dienstag: Tischdienst“, „Mittwoch 16.30 Uhr: Gruppenversammlung“, „Sonnabend: Telefonat mit Papa“, heißt es zum Beispiel auf dem von Johnny. Wenn jemand jeden Morgen aufsteht, dreimal in der Woche duscht, die Medikamente regelmäßig nimmt und den Schrank halbwegs ordentlich hält, ist schon viel geschafft.

Das sind kleine Schritte und wichtige Erfolge unterwegs zum großen Ziel: Eines Tages sollen die Jugendlichen so fit und stabil sein, dass sie in der eigenen Wohnung ihr Leben wieder selbstständig meistern. Der Weg dorthin führt steil nach oben: über die Jugend-WG unterm Dach.

Von LVZ

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