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Grimma Colditzer Jugendcenter-Verein steht vor der Auflösung
Region Grimma Colditzer Jugendcenter-Verein steht vor der Auflösung
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10:08 05.10.2018
Zwei bekannte Gesichter: In der offenen Kinder- und Jugendarbeit haben sich die beiden Sozialpädagoginnen Jasmin Goral und Maria Sembdner (re.) einen Namen gemacht. Letztere ist immer noch dabei. Quelle: Thomas Kube
Colditz

Vergeblich bemühte sich die Stadt, die Information vorerst unter der Decke zu halten. Doch längst zwitschern es die Spatzen vom Dach jenes Gebäudes, das Strahlkraft besitzt wie kaum ein zweites in Colditz: Dem örtlichen Jugendzentrum mit seinem unübersehbar-orangefarbenen Fassadenanstrich stehen spannende Wochen bevor. Der verbliebene dreiköpfige Vorstand des Vereins „Kinder- und Jugendcenter Colditz“ hat seinen Rücktritt angekündigt. Der Verein steht damit vor der Auflösung. Auf der Internetseite des Vereins ist dieser Schritt schon vollzogen.

Jugend soll sich selbst den Hut aufsetzen

Vordstand Sascha Schmiedel. Quelle: Haig Latchinian

Das bestätigt Vereinsvorsitzender Sascha Schmiedel auf LVZ-Nachfrage. Schmiedel (35), selbst Stadtrat, begründet den Schritt mit dem fortgeschrittenen Alter der Mitglieder: „Als wir 2008 den Staffelstab von den Altvorderen übernommen hatten, waren wir viele und alle Mitte 20. Jetzt, zehn Jahre später, sind wir nur noch zu dritt, haben einen Job und alle selbst Familie. Wir sind keine Jugendlichen mehr, können unser Bier auch woanders trinken.“ Das Problem: Schmiedel suchte vergeblich einen Nachfolger: „Unter den jungen Leuten findest du heutzutage niemanden mehr, der den Mumm hat, sich den Hut aufzusetzen.“

Colditzer haben für Klub demonstriert

Die Adresse Wettiner Ring 17 ist geschichtsträchtig. Als zu Ost-Zeiten die umliegenden Neubaublocks wie Pilze aus dem Boden schossen, diente der Flachbau den Bauarbeitern als Stützpunkt. Die sogenannte Baustelleneinrichtung wurde wie überall in der DDR bewusst so konzipiert, dass danach eine Kaufhalle einziehen konnte. Auch in Colditz war das zunächst der Fall. Bis 1994. Dann trotzten um die 15 Jugendlichen der Stadt das Gemäuer ab – nicht zuletzt mit Demos. Sie wollten ihren eigenen Klub. Der Internationale Bund (IB) übernahm die Trägerschaft, steuerte ein Konzept bei. 1996 beendete der IB seine Starthilfe, seitdem betreiben die Jugendlichen, anfangs mit Unterstützung der Eltern, das Haus selbst.

Kommune unterstützt Verein auch finanziell

Das ist noch heute so und durchaus bemerkenswert. Mit der Stadt als Eigentümerin ist vertraglich geregelt, dass der Verein etwa Räume vermietet, Reparaturen durchführt und Abrechnungen übernimmt. Im Gegenzug lässt sich die Kommune nicht lumpen, finanziert größere Vorhaben wie aktuell den Einbau eines Behinderten-WC mit barrierefreiem Zugang. Kostenpunkt allein dafür 76 000 Euro. Zudem besiegelte der Verein 2013 die Kooperation mit dem Bildungs- und Sozialwerk Muldental (BSW). Dieses hat sich seitdem eingemietet und organisiert an Nachmittagen und speziell in den Ferien die offene Kinder- und Jugendarbeit.

Partnerschaft mit Bildungs- und Sozialwerk

Die Kooperation laufe gut, sagt BSW-Projektmanager Ronny Kriz, der an einer Fortsetzung des Engagements sehr interessiert ist. Er macht vor allem seiner Kollegin Maria Sembdner ein Kompliment. „Sie leistet nicht nur die Schulsozialarbeit, sondern schnitzt mit den Kindern auch Kürbisse, geht mit ihnen auf Schatzsuche oder gruslige Nachtwanderung.“ Von 14 bis 18 Uhr setzte sie ein striktes Alkohol- und Nikotin-Verbot durch und konnte sich stets auf die Hilfe des Vereins verlassen: „Der Vorstand baute etwa die Hüpfburg auf, übernahm das Grillen oder schlüpfte zu Halloween ins Geisterkostüm“, bedankt sich Sembdner. Besonders freut sie sich über die Fortschritte der jugendlichen Tanzgruppe Jump-Style, die mittwochs im Jugendzentrum trainiert.

Endlich können wir unser Sommerferienprogramm veröffentlichen. Außerdem ein paar Infos zum diesjährigen Ferienlager. Wer sich anmelden möchte...Hier der Link zum Anmeldeformular: https://bit.ly/2MmVZTJ

Gepostet von Jugendcenter Colditz am Mittwoch, 13. Juni 2018

Jugendcenter ist eigentlich ein Mehrgenerationenhaus

Geht mit dem Rückzug des Vereins nun alles krachen? Bürgermeister Robert Zillmann (parteilos) sagt Nein. „Wir sind in Gesprächen mit dem Vereinsvorstand. Ich gehe davon aus, dass die Stadt in sämtliche Verträge des Jugendcenters einsteigt. Die Übergabe ist für März 2019 geplant.“ Zillmann schwebt eine Art Mehrgenerationenhaus vor. Schon jetzt sei das Haus mehr als nur ein Jugendcenter. Der Internationale Bund berät Familien, Senioren schwingen das Tanzbein. Das bonbonfarbene Haus müsse deshalb noch lange nicht grau umgepinselt werden.

Von Haig Latchinian

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