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Grimma Colditzer Kirchen laden zum Friedensgebet ein
Region Grimma Colditzer Kirchen laden zum Friedensgebet ein
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05:06 29.08.2018
Im Vorjahr pflanzten Besucher im Anschluss ans Friedensgebet einen Apfelbaum. Quelle: EJA
Colditz

„Wer sich zu lange duckt, bekommt Haltungsschäden.“ Das sagte vor zehn Jahren in Colditz der einstige Pfarrer der Leipziger Nikolaikirche, Christian Führer. Zu der Zeit war „Mister Friedensgebet“ bereits im Ruhestand. Der Einladung nach Colditz folgte er dennoch. Das Leben in der Stadt, das unter politisch motivierter Gewalt zu erlahmen drohte, lag ihm am Herzen. Seine erste Pfarrstelle trat er in Lastau bei Colditz an. Zwölf Jahre arbeitete er in der dortigen Kirchgemeinde, ehe er 1980 nach Leipzig ging und die Welt verändern sollte.

Aufruf zur Solidarität mit allen Menschen

„Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens“ – mit diesem bekannten Bibelwort ist das Colditzer Friedensgebet noch immer überschrieben. Vor zehn Jahren genauso wie am kommenden Sonnabend, am Weltfriedenstag, wenn die evangelische Pfarrerin Angela Lau und ihr katholischer Amtsbruder Andreas Leuschner 16 Uhr in die Stadtkirche einladen. Beide verstehen ihre Einladung an Gläubige und Konfessionslose als „einen Aufruf zur Solidarität mit allen Menschen, die von Gewalt bedroht sind“. Gerade jetzt sei ein Wandel der Herzen notwendig. Das Gebet habe diese verändernde Kraft.

Motto: „Genau hinsehen“

Im Zeitalter von Fake News und stiller Post stehe das Friedensgebet diesmal unter dem Motto „Genau hinsehen“. Jeder solle sich selbst ein Bild machen, statt ungeprüft vermeintliche Wahrheiten weiterzugeben. Die Geistlichen rufen dazu auf, in die Kirche symbolisch eine Lupe mitzubringen. Genau hinsehen, nicht wegschauen. In diesem Sinne wird der ehemalige Thüringer Landesbischof Christoph Kähler in seiner Predigt an den barmherzigen Samariter erinnern: Am Wegesrand liegt ein verletzter, ausgeraubter und geschlagener Mann. Die „oberen Zehntausend“ gehen achtlos an ihm vorüber. Ausgerechnet ein beinahe Mittelloser hilft. Er kümmert sich um eine Herberge. Er sorgt sich um Beköstigung. Er sieht genau hin.

Friedensbilder der Kindergartenkinder

Das Instrumentalensemble des Evangelischen Schulzentrums (Eva Schulze) Leipzig spielt unter Leitung von Christian Köhler. Kantor Albert Peter Bräuer sitzt an der Orgel. Gloria Pröhl kommt mit etlichen auf Betttücher gemalten Friedensbildern ihrer Kindergartenkinder. „Ich finde es gut, dass auch unsere Kleinsten einbezogen werden“, sagt der parteilose Bürgermeister Robert Zillmann. Er, selbst Familienvater, sieht Kinder eh als Vorbild für die Erwachsenenwelt: „Mögen sie sich auch mal raufen, aber am nächsten Tag spielen sie wieder miteinander.“

Stadt unterstützt Aufruf der Kirchen

Wer sich zu lange duckt, bekommt Haltungsschäden, warnte der inzwischen verstorbene Christian Führer in seiner Predigt beim 1. Colditzer Friedensgebet 2008. Es sei ruhiger geworden in der Stadt, sagen Passanten. Geduckt sehen sie nicht mehr aus, gehen erhobenen Hauptes. „Ich glaube tatsächlich, dass es einzelne Fortschritte gibt“, äußert sich Bürgermeister Zillmann vorsichtig optimistisch. Seine Stadtverwaltung unterstütze den Aufruf der Kirchen. Er selbst werde in St. Egidien sprechen, kündigte Zillmann an.

Bitte schließen Sie sich an, bringen es die Veranstalter auf den Punkt. „Machen Sie mit und stärken Sie die Friedensbewegung unserer Stadt.“ Das Friedensgebet klingt unterm Lutherbäumchen aus – bei Gesang, Wein und Apfelsaft. Zu Erinnerung: Im Vorjahr pflanzten die Besucher des Friedensgebetes einen Apfelbaum und enthüllten eine Tafel mit dem Luther zugeschriebenen Satz: Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen. Pfarrerin Angela Lau: „Das Bäumchen hat die Hitze überlebt, wir haben es tapfer gegossen.“

Von Haig Latchinian

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