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Colditzer Pedalritter erobern Monaco

Colditzer Pedalritter erobern Monaco

Dass der 36-jährige Zschadraßer Bauhof-Mitarbeiter Sebastian Ludwig im besten Sinne ein "Verrückter" ist, hat sich längst herumgesprochen im Colditzer Land. Allein im vorigen Jahr übernachtete er 180 Mal unter freiem Himmel: "Es gibt nichts Besseres, zumindest wenn die Mücken nicht wär'n", so sein trockener Kommentar.

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Starkes Trio: Colditzer René Kremski, Sebastian Ludwig und Sascha Schmiedel (v.l.) auf dem Gipfel ihrer Träume.

Quelle: privat

Colditz/Monaco. Seine Abenteuerlust scheint ansteckend zu sein. Mit seinen beiden Hausdorfer Freunden Sascha Schmiedel (31) und René Kremski (33) ging er jetzt auf große Tour: Per Drahtesel von Colditz nach Monaco über 1361 Kilometer - in nur zwei Wochen.

Fahrrad wäre tatsächlich leicht übertrieben. Während Krankenpfleger Sascha immerhin noch auf einem Mountain-Bike auf Achse war, begnügten sich die beiden Begleiter jeweils mit beinahe schon antiken Rädern. René, Lagermeister bei Anona in Colditz, fuhr mit einem guten alten Mifa-Rad, Sebastian gar auf einem urzeitlichen Wanderer aus den 40er-Jahren. "Wir hatten zwar keine Gangschaltung, dafür aber Rücktritt, auch wenn der in den Bergen ziemlich heiß lief."

Nach knapp einer Woche legte das Trio bei Saschas Bruder in der Schweiz einen Zwischenstopp ein: Ausruhen, Wäschewaschen, Grillabend. Den berüchtigten Furka-Pass durften sie (zum Glück?) nicht befahren, stattdessen ging es mit der Bahn durch den Berg. Im Ort Oberwald entdeckten sie einen Spielplatz mit Hütte, Sitzgruppe und - man höre und staune - Toilette samt Waschbecken. "Für uns war das der reinste Luxus, wir machten uns gleich eine Büchse Ravioli warm", erinnert sich Sebastian, der ganz ohne Zelt unterwegs war. In Italien erwartete die Jungs Regen, Regen und nochmals Regen. Besser wurde es erst in Imperia, 35 Kilometer vor San Remo am Mittelmeer. Von dort aus war es bis Monaco eigentlich nur noch ein Katzensprung. "Aber im Tunnel platzte uns ein Reifen. Wir hatten keinen Schlauch mit, der nächste Fahrradladen war zu allem Unglück geschlossen ... Mit dreistündiger Verspätung erreichten wir die Stadt. Im Hafen von Monaco genehmigten wir uns das Ziel-Bierchen."

Colditz - Monaco war nicht etwa die erste Männertour. Zu dritt radelten die Muldentaler bereits zweimal an die Ostsee. Weil sie sich im hohen Norden angekommen irgendwie unterfordert fühlten, beschlossen sie, das nächste Mal bis Monaco zu strampeln. Natürlich trainierten die drei Kumpels im Vorfeld hart: "Unter der Woche trafen wir uns regelmäßig zu unseren Speed-Runden in und um Colditz, aber auch bis Leipzig oder Chemnitz. Um dabei möglichst einen Härtetest zu simulieren, hatten wir sogar Gepäck dabei." Er hätte sich auch zugetraut, die ganze Tour allein zu fahren, gesteht der verrückte Sebastian: "Aber es ist doch angenehmer, wenn man so ein Erlebnis zu zweit teilen kann. Zu dritt ist es am spannendsten, weil da so manche Meinungsverschiedenheit nicht ausbleibt. Dennoch: Auch nach der Tour sind wir immer noch gute Freunde."

Nach kurzem Aufenthalt in Monaco, das für sein recht teures Pflaster bekannt ist, radelten die Colditzer nach Genua. In der italienischen Hafenstadt bestiegen sie den Zug nach Bologna. Von dort aus ging es ebenfalls per Bahn über München, Hof und Chemnitz bis Geithain. Insgesamt waren die Pedalritter zweieinhalb Wochen unterwegs. Abgesehen von den 19 Stunden Bahnfahrt radelten sie insgesamt 1618 Kilometer. Die reine Radelzeit betrug 96 Stunden. 305 Dörfer und Städte passierten sie. Und wohin soll die nächste Reise gehen? "Für mich war es nicht die letzte Tour", sagt Sebastian: "Ob die beiden anderen so schnell wieder mitkommen, ist fraglich."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.07.2014
Haig Latchinian

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