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Colditzer Schlosskirche restauriert - so sahen sie zuletzt die Kriegsgefangenen

Colditzer Schlosskirche restauriert - so sahen sie zuletzt die Kriegsgefangenen

Der letzte Handwerker hat das Kirchenhaus im Colditzer Schloss soeben verlassen, für die Öffentlichkeit bleibt es jedoch weiter gesperrt. Nach der zweijährigen, rund 1,8 Millionen Euro teuren Sanierung soll die Kapelle am 16. April mit einem Festakt im Rahmen des 70. Jahrestages der Befreiung des Schlosses Colditz eröffnet werden.

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Die Schlosskirche in Colditz wird am 19. April mit einem Festgottesdienst nach umfangreicher Sanierung offiziell eingeweiht. Michael Heiser vom Staatsbetrieb Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen mit Sitz in Dresden zeigt auf die Replik des Altarbildes. Das Original wird zurzeit restauriert.

Quelle: Thomas Kube

Colditz. So, wie das Innere 1921 zum letzten Mal renoviert worden war und wie es während des Zweiten Weltkriegs die inhaftierten alliierten Offiziere erlebten, sollte es nach der Rekonstruktion aussehen. Vor reichlich 20 Jahren waren viele Einbauten aus dem beginnenden 19. Jahrhundert entfernt worden, um die ursprünglichere gotische Form zur Geltung zu bringen. Für Schlossherr Peter Knierriem eine Sünde. "Jetzt wurde wiederhergestellt, was Anfang der 1990er-Jahre sinnlos zerstört wurde", sagt er.

Deshalb erstrahlt die Kirche nicht in ihrem Glanz vom ausgehenden 15. Jahrhundert, als sie errichtet wurde, oder in barocker Pracht, die sie im Laufe ihrer Geschichte auch aufzuweisen hatte, sondern wirkt mit ihren grün-grauen Tönen eher schlicht. Nur in kleineren Bereichen sind frühere Farbschichten freigelegt. Gebrauchs- und Abnutzungsspuren wurden erhalten, die hölzernen Emporen um ihre verloren gegangenen Teile ersetzt. Komplett neu hergestellt werden musste der Holzfußboden. "Aus Restmaterialien, die noch im Schloss verwahrt wurden, und historischen Fotos haben wir zusammengepuzzelt, wie der gesamte Bestand der Kirche früher ausgesehen hat", verdeutlicht Elke Paust, zuständige Sachbearbeiterin von der Leipziger Niederlassung des Staatsbetriebs Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB), die Sisyphusarbeit.

Nicht alles konnte dabei ganz zu Ende gebracht werden. Aus Einzelteilen wurde der Prospekt der Jahn-Orgel rekonstruiert, die Pfeifen sind jedoch nur Fotokopien. "Der Freundeskreis Schlösserland hat sich vorgenommen, langfristig Geld zu sammeln, um das Instrument nachbauen und dann wieder im Holzrahmen installieren zu können", erklärt Knierriem. Das Altarbild soll noch dieses Jahr an seinen angestammten Platz zurückkehren. Momentan wird das Original restauriert, eine Replik ersetzt es.

Auf Flohmärkten und im Internet-Auktionshaus Ebay stöberten die Bauherren, um beispielsweise die Elektroinstallation jener der 1920er-Jahre nachempfinden zu können. Tiefe Einblicke gewähren die begehbaren Verglasungen, unter denen sich Fluchttunnel auftun, die seinerzeit die Kriegsgefangenen gegraben hatten.

Am spektakulärsten war der Versuch von 14 Offizieren, mit einem selbstgebauten Gleiter dem Schloss zu entkommen. Ein Nachbau steht im hergerichteten Dachgeschoss, das durch den jetzt ebenfalls sanierten Wendelstein im Fürstenhaus zu erreichen ist und später einen Höhepunkt im Rahmen der vorgesehenen Ausstellungen bilden soll.

Fernziel ist für Knierriem eine museale Einrichtung, die sich vom Beamtenhaus, in dem momentan die Gesellschaft Schloss Colditz vor allem die Historie zur Zeit als Gefangenenlager beleuchtet, über das Kellerhaus und die Kirche bis zum Fürstenhaus erstreckt. "Die Geschichte des Schlosses und der Stadt hat weit mehr zu bieten als das, was gegenwärtig gezeigt wird", sagt er. Es existiere ein ergiebiges Depot, dessen Bestand zunächst inventarisiert werden müsse, um ein Feinkonzept erarbeiten zu können. Die grobe Marschrichtung, wie die Räume aufgeteilt und welche Themen aufgegriffen werden, stehe aber schon.

Voraussetzung für die Umsetzung wäre eine Sanierung von Keller- und Fürstenhaus im hinteren Schlosshof. Wann diese erfolgt, ist noch unklar. Es würde sich um weitere Meilensteine handeln, nachdem das SIB 2007 das ehemalige Krankenhaus und 2010 den Marstall im Top-Zustand übergeben hatte. In ihnen befinden sich heute die Europa-Jugendherberge und die Landesmusikakademie Sachsen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.03.2015
Pfeifer, Frank

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