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Colditzer Schlosskirche wird saniert

Colditzer Schlosskirche wird saniert

Das Museumsprojekt für Schloss Colditz ist vorerst ad acta gelegt. Statt dessen konzentriert sich die Schlösserverwaltung in den nächsten beiden Jahren auf die Sanierung der Schlosskirche.

Colditz. „Wir haben das Museumsprojekt aus unserer Baustrategie herausgelöst. Nicht endgültig, aber mittelfristig“, sagt Peter Knierriem, Leiter der Schlösser und Burgen im Muldental. Colditz spielt in seinem Verantwortungsbereich, zu dem auch die Schlösser Rochlitz und Mildenstein gehören, eine Sonderrolle, weil es sich um einen „relativ großen Gebäudebestand bei wenig historischer Substanz“ handelt, die eine Nutzung einschränken würde. „Unser Ziel ist deshalb nach wie vor, viele externe Nutzer anzusiedeln“, bekräftigt Knierriem, was mit der Europa-Jugendherberge und der Landesmusikakademie, für die im Februar die Bauübergabe erfolgen soll, bereits gelungen sei.

Als Frage im Raum stand bisher das Museum. Es sollte, so die konzeptionellen Überlegungen, von den Gebäuden im zweiten Hof Keller-, Beamten- sowie Kirchenhaus umfassen und die Geschichte von Stadt- und Schloss, insbesondere seine Nutzung als Offiziersgefangenenlager im II. Weltkrieg, berücksichtigen. „Das Problem ist, dass der Freistaat als Eigentümer des Schlosses über keine Sammlung verfügt, denn der Bau hat keine museale Tradition“, sagt Peter Knierriem; als Ableger des nahen Stadtmuseums in der Tiergartenstraße sei hier lediglich die Fluchtausstellung beheimatet. „Wir sind deshalb vor geraumer Zeit auf die Stadt zwecks Übernahme der städtischen Sammlung zugegangen, denn es ist schwierig, Geld zur Pflege von Dingen in die Hand zu nehmen, deren Eigentümer man nicht ist.“ Für die Besucher, versichert der Schlossleiter, hätte das keine Änderung bedeutet. Und in dem eher „unwahrscheinlichen Fall“, dass der Freistaat sein Eigentum am Schloss einmal aufgeben sollte, wäre der Bestand an die Stadt zurückgefallen. In dem seit 2006 währenden Prozess habe es aber schließlich auf das mit dem Finanzministerium abgestimmte Angebot einen ablehnenden Bescheid seitens der Stadt gegeben, berichtet Knierriem. Der Stadtrat, so habe ihm Bürgermeister Manfred Heinz schriftlich mitgeteilt, habe nicht zugestimmt und das mit der „emotionalen Bindung der Stadt an die Sammlung“ begründet. Damit ist auch eine Sanierung der Häuser vorerst passé. „Investitionen in die bauliche Hülle sind nur bei einer stabilen Nutzung zu rechtfertigen, denn mit einer fertigen Maßnahme steigen auch die Bewirtschaftungskosten“, stellt der Schlossleiter klar.

Dass er gerade jetzt einen Schlussstrich zieht und zugleich einen neuerlichen Vorstoß trotz der seit Sommer veränderten Zusammensetzung des Stadtrates ablehnt, begründet Peter Knierriem mit dem Druck auf die öffentlichen Haushalte. „Davon ist auch die Schlösserverwaltung betroffen. In diesem Rahmen müssen wir uns neu ausrichten.“ Das bedeute keinesfalls die Einstellung von Baumaßnahmen, betont er. Vielmehr werde man sich, beginnend in diesem Jahr, auf die Sanierung des Kirchenraumes konzentrieren. „Denn die Kirche ist sowohl als Denkmal bedeutsam als auch mit Blick auf den dort beginnenden Fluchttunnel.“ Zudem bestehe Handlungsbedarf aus konservatorischen Aspekten – aufgrund des ungünstigen Raumklimas verfallen die Wandfassungen. Das Plus der Kirche gegenüber dem Museum bestehe darin, dass sie als geschlossene Einheit ohne zusätzliche Inhalte für Führungen und in bescheidenem Maße für Veranstaltungen – die Emporen können aus brandschutztechnischen Gründen nicht einbezogen werden – nutzbar ist. „Wir wollen den Raum in seiner letzten Nutzungsphase 1930/40 wieder herstellen“, steckt Knierriem das Ziel ab. Bedauerlicherweise habe man nach der Wende in dem Bestreben, die alte gotische Kapelle herauszukernen, begonnen, Teile der Empore abzureißen, und dabei auch die damals noch vorhandene Orgel zerstört. „Diese spielte für das Oflag eine große Rolle, denn mit ihrem Spiel wurden die Grabungsgeräusche im Fluchttunnel übertönt“, erinnert der Schloss-Chef. Zumindest den Orgelprospekt aber wolle man wieder herstellen. Peter Knierriem geht von etwa zwei Jahren Bauzeit aus.

Zusammenfassend zeigt er sich mit der Entwicklung in Colditz trotz allem recht zufrieden, nicht zuletzt weil der erste Hof – „eine nicht zu verachtende Dimension“ – unter Dach und Fach ist.

Ines Alekowa

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