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Grimma Colditzer Waldbad jetzt noch behindertengerechter
Region Grimma Colditzer Waldbad jetzt noch behindertengerechter
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07:00 28.05.2016
Noch behindertengerechter: Mit diesem Gerät kann Ralf Welz Rollstuhlfahrer ins Becken setzen. Quelle: Thomas Kube
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Colditz

Auf weitgehende Barrierefreiheit setzt das Waldbad Colditz. Die Stadt schaffte jetzt einen Hebestuhl für Menschen mit Behinderungen an, der in Betrieb gehen soll, wenn die Saison so richtig in die Gänge kommt. Bislang zieht es noch keine Massen ins Wasser. Auch der benachbarte Campingplatz füllt sich zögerlich.

Für Ralf Welz, der als Dienstleister der Kommune das Freibad bewirtschaftet, ganz normal zu dieser Jahreszeit. „Aller Anfang ist schwierig“, sagt der 62-Jährige aus Erfahrung. Eigentlich sollte das Bad zu Pfingsten öffnen, doch da machte das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Zum Saisonstart am vergangenen Wochenende kamen knapp 70 Gäste. „Ich wäre zufrieden, wenn es dieses Wochenende 100 würden“, sagt Welz. Das Wasser sei mit 22 Grad schon recht angenehm – dank der Solarheizung.

Für Rollstuhlfahrer wird es nun noch leichter, das Bad zu nutzen. Den barrierefreien Zugang und Behindertentoiletten gibt es schön länger. Über die Winterpause wurde ein Hebestuhl installiert, mit dem sich Menschen, die auf solch eine Hilfe angewiesen sind, ins Becken hieven lassen können.

Nicht die einzige Investition, die Colditz tätigte. Wie jedes Jahr, so Hauptamtsleiter Hans-Peter Kiesel (62), mussten für rund 10 000 Euro Fliesen erneuert werden. Dazu kam die Instandhaltung von Pumpen und Gebäuden, die weitere 10 000 bis 15 000 Euro verschlang. In der vergangenen Saison gab der Beckensauger seinen Geist auf. Die Kommune erstand günstig einen Roboter für 6500 Euro, der nun jede Nacht läuft.

Ein Freibad wie das Colditzer braucht öffentliches Geld, das weiß Kiesel. Das war auch nicht anders, als es wegen der Haushaltskonsolidierung der Stadt ab 2004 in privaten Händen lag. Lap Kristiansen, der in Grimma ein Kartcenter betreibt, erhielt laut Kiesel jährlich einen Zuschuss von 90 000 Euro.

Zum 1. Januar 2015 hatte die Stadt das Bad in ihre Hände zurückgeholt. „Wir überlegten uns damals, dass wir es vielleicht preiswerter betreiben könnten. Ein Bad lässt sich als Betrieb gewerblicher Art führen, so können wir Steuervorteile nutzen“, erläutert Kiesel. Auf den ersten Blick scheint ihm eine Zahl Recht zu geben: Im vergangenen Jahr musste die Stadt nur 50 000 Euro zuschießen. „Doch es handelte sich um eine ausgesprochen gute Saison“, warnt Kiesel. Erst auf Dauer werde sich zeigen, ob die Kommune wirklich besser wegkommt.

Den Besuchern dürften solche Rechnereien ohnehin egal sein, solange sie nicht mehr bezahlen müssen. Und das ist der Fall, die Preise bleiben im Vergleich zum vergangenen Jahr konstant. Die Tageskarte für Erwachsene kostet 3,50 Euro, für Kinder zwei Euro. Zu nutzen sind dafür das Schwimmbecken mit 25-Meter-Bahnen, der Nichtschwimmerbereich mit Rutsche, Brausen und Strömungskanal und das Babybecken mit Minirutsche und Wasserpilz. Die Liegewiese ist groß. Es gibt eine Imbissversorgung, einen Spielplatz und einen Volleyballplatz.

Gern springen auch die Camper von nebenan ins erfrischende Nass. Das Gelände gehört ebenfalls der Stadt, gepachtet hat es Welz. In einem Bungalow wohnt er mit seiner Lebensgefährtin Kerstin Toth (52), zusammen führen sie den Campingplatz.

Mike Dewar aus Schottland: Ich kann diesen Platz nur weiterempfehlen. Quelle: Thomas Kube

Ihre Gäste sind voll des Lobs. „Die beiden haben alles so hübsch gemacht“, sagt Marion Grünert (73), die mit ihrem Mann Karl-Heinz (76) seit 1992 jeden Sommer im Wohnwagen am Waldbad verbringt. Sie sind damit die Stammgäste, die es am längsten nach Colditz zieht. Die Ruhe, den Wald, der zum Wandern einlädt und den fußläufig erreichbaren Supermarkt nennen sie als Pluspunkte.

Doch auch jene, die zum ersten Mal auf dem Platz stehen, zeigen sich positiv überrascht. Mike Dewar (47) zum Beispiel, der mit Ehefrau Fiona (42) auf seiner Deutschlandreise für zwei, drei Nächte Station macht, um das Colditzer Schloss mit seiner Gefangenenausstellung und dem berühmten Fluchtgleiter anzuschauen. „Die enorme Stille ist fantastisch“, sagt der Schotte. „Das Personal ist freundlich. Wenn man um etwas bittet, wird es sofort erledigt. Ich kann diesen Platz nur weiterempfehlen, wir werden wiederkommen.“

Viele Geschichtsinteressierte aus Großbritannien, die das Schloss sehen wollen, übernachten jedes Jahr auf dem Campingplatz. Noch größer ist die Gruppe der Holländer, die auf ihrem Weg nach Tschechien und Ungarn einen Stopp einlegen. Bald werden sie in Scharen eintreffen.

Von Frank Pfeifer

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