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Grimma Colditzer trauern um Mirko Weber
Region Grimma Colditzer trauern um Mirko Weber
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09:53 26.09.2018
Mirko Weber. Quelle: Foto: privat
Colditz

Er war kein Politiker. Auch kein Heimatforscher oder prominenter Künstler. Und doch kannte ihn in der Stadt beinahe jeder. Weil ihn viele noch dazu sehr mochten, blieb zu seiner Trauerfeier in der Friedhofskirche kein Platz leer. Colditz trauert um einen lieben Sohn, Neffen und Cousin, um einen guten Freund, Nachbarn und Kollegen. Mirko Weber starb im Alter von nur 45 Jahren.

Die Gesundheit war schon einige Zeit angeschlagen. Anmerken ließ er sich das freilich nie. Nur die ihn gut kannten waren eingeweiht. Er bewahrte sich Lebensmut und Lebenswillen, auch dann noch, als er seit 2016 seiner Arbeit nicht mehr nachgehen konnte. Und das, obwohl ihm der Beruf so viel bedeutete. Als Angestellter in einem Colditzer Rundfunkgeschäft reparierte er Fernseher und Computer. Mit Leidenschaft!

Weggefährte Günther Spiegel: Mirko wird uns sehr fehlen

Seine Kollegin Ute Schönberg, den Tränen nahe, bringt es auf den Punkt: „Mirko dürfte der Einzige in Colditz sein, der so gut wie jede Familie besucht hat. Wenn Daten gerettet, Radios repariert oder Fernsehkanäle programmiert werden mussten – er fuhr zu den Kunden und blieb, bis alles zur Zufriedenheit erledigt war.“ Auch sein langjähriger beruflicher Weggefährte, Günther Spiegel, ist nahe am Wasser gebaut: „Mirko wird uns sehr fehlen. Er war ein IT-Genie, immer nett und zuvorkommend, die Kunden fragten nur: „Ist Mirko da?“

„Ich sach’ ma“, so leitete der junge Mann jeden zweiten Satz ein. Nein, er war alles andere als eine Quasselstrippe. Der Tüftler mit den zwei goldenen Händen hatte das seltene Talent, selbst schwierigste technische Zusammenhänge ruhig, geduldig und verständlich rüber zu bringen. Fachchinesisch war ihm fremd, Protzen nicht sein Ding. Eigentlich wollte er Medizintechniker werden. Da dies nicht möglich war, erlernte er in den Kliniken Zschadraß den Beruf eines Industrieelektronikers. Nach Umstrukturierungen wurde er nicht übernommen und begann 1994 im Rundfunkladen.

Große Pläne und Projekte bleiben nun unvollendet

Fassungslosigkeit in der Stadt. Wen man auch fragt: Viele vermissen ihren Mirko schon jetzt – seine warmherzige, bescheidene und freundliche Art. Bis zuletzt blieb er Familienmensch, wohnte mit seinen Eltern, Helga und Roland, in der Linckstraße unter einem Dach. Sie unten, er oben. Er hatte große Pläne, baute noch um, erfreute sich an seinem neuen Balkon mit Weitblick. Befragt nach seinem nächsten Projekt sagte er: „Lasst euch überraschen.“ Er war ein Freak, einer, der mit Spannungsmesser und Lötkolben durchs Leben ging. Sobald bei ihm die Dunsthaube in Betrieb war, öffnete sich das Fenster wie von Geisterhand.

Vor 14 Jahren verlor er seinen ebenfalls viel zu früh gegangenen Bruder Tilo. Beide galten als unzertrennlich. Umso wichtiger waren ihm seine nahen Verwandten, wie Cousin Axel etwa. Oft fuhr er mit dessen Familie, den Zwillingen Eric und Nils, in Urlaub. Gern war er mit dem Auto unterwegs, bewahrte sich seine Neugier auf die Welt und liebte das Schöne. Einmal geschlossene Freundschaften pflegte er bis zuletzt. Wer wüsste das besser als Matthias Wetzig, Enrico Beyer, Matthias Ritter, Tilo Happ oder Matthias Dietzsch.

Als Kind spielte er Tischtennis und Fußball. Der Colditzer war großer Anhänger von RB Leipzig, besuchte manches Spiel. Gesundheitliche Probleme verdrängte er, schaute nur nach vorn. Legendär sein trockener Humor. Als Kollegin Ute Schönberg eines Tages frisch vom Friseur kam und im Stillen auf ein Kompliment hoffte, fragte Mirko Weber bass erstaunt: „Wieso bist du nicht dran gekommen?“ Heute weiß die Kollegin die Antwort: „Es geht eben nicht immer der Reihe nach, leider.“ Das Bild von Mirko steht im Geschäft auf dem Tresen. Sie hält es in Ehren.

Von Haig Latchinian

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