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Grimma Colditzer und Flüchtlinge beten gemeinsam für Frieden
Region Grimma Colditzer und Flüchtlinge beten gemeinsam für Frieden
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00:37 05.09.2015
Im Friedensgebet: Colditz rückt zusammen, um ein Zeichen gegen Ausländerhass und Fremdenfeindlichkeit zu setzen. Quelle: Frank Schmidt
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Colditz

Egidien. Das Datum, 1. September, war nicht von ungefähr gewählt worden - Weltfriedenstag.

"Vor etwa acht Jahren hatten wir in Colditz Probleme mit rechtsradikalen Tendenzen. Und wir als Kirchgemeinde haben daraufhin gesagt, unsere Antwort ist das Gebet", blickt die Pfarrerin auf die Anfänge der traditionellen Friedensgebete in Colditz zurück. "Wir wollen um Frieden bitten mit unseren Nächsten, um Einsicht und Toleranz. Auch wenn uns die Meinung Andersdenkender nicht passt. Um das auf demokratischer Ebene zum Ausdruck bringen zu können, hat sich ein Colditzer Bündnis gebildet." In diesem Gremium habe man auch Weiterbildungen und Seminare zu diesem Thema beim Kulturbüro Sachsen besucht, um sich bei Konfrontationen richtig und friedvoll zu verhalten. "Man kann ja die fremdenfeindliche Gesinnung nicht bekämpfen - das wäre auch Gewalt, die wir grundsätzlich ablehnen."

Bürgermeister Matthias Schmiedel ist überzeugt, dass die Gebete erhört worden sind. "Das hat jedoch auch mit rechtslastigen Personen zu tun, die nicht mehr in der Stadt sind - das muss man klar sagen", so das Stadtoberhaupt.

Die Friedensgebete gewinnen aktuell mit der großen Flüchtlingsproblematik eine neue Bedeutung. "Wir erleben in Deutschland gerade den rasanten Anstieg der Anzahl der Schutzsuchenden, und wir dürfen uns diesem starken Verlangen nicht verschließen", mahnt Schmiedel. Auch deshalb haben die Stadt, die Kirche und das Colditzer Bündnis die bereits dort lebenden Asylbewerber zum Friedensgebet eingeladen. Einige Menschen aus Eritrea sind der Einladung gefolgt.

Pfarrer Andreas Leuschner von der katholischen Kirche spricht von einer "Umbruchsituation", wie es sie in ähnlicher Form vor 25 Jahren vor der Wiedervereinigung schon einmal gegeben hat, als Tausende DDR-Bürger über Prag und die ungarische Grenze in die Bundesrepublik flohen. "Die Menschen damals - unsere Landsleute - erlebten auch Flüchtlingszüge und erlebten die Aufnahme in die Gesellschaft. Gleichermaßen erinnern wir daran, wie nach Kriegsende Flüchtlinge und Vertriebene, die aus Schlesien und dem Sudetenland zu uns kamen, aufgenommen wurden und Wurzeln schlugen. Sie und ihre Nachfahren leben und arbeiten hier, gehören hierher."

"Es gibt Gott sei Dank in Deutschland eine ausgeprägte Willkommenskultur", sagt Elke Wünscher in ihrer Andacht. Doch sie erinnert auch an Fremdenfeindlichkeit und verdeckten Ausländerhass, Anschläge auf Asylbewerberheime und Pöbeleien gegen Ausländer. "Wir möchten uns davon deutlich distanzieren und die in Colditz lebenden Ausländer zum Miteinander einladen."

Als ein Beispiel der Willkommenskultur nennt Katrin Rives das im Mai gefeierte Stadtjubiläum. "Mit beglückenden Erfahrungen gelang es, Grenzen, Vorbehalte und Barrieren zu überwinden." Und Cornelia Kasten animiert dazu, "mal die Stadt Colditz mit dem Blick eines Fremden zu sehen. Dann sehen wir, wie schön unsere Stadt ist."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.09.2015
Frank Schmidt

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