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Collmen: Festumzug, Feuerwerk und Feines aus der Feldküche

Collmen: Festumzug, Feuerwerk und Feines aus der Feldküche

Die Grundstücke sind mit Wimpeln geschmückt, Strohpuppen im Sonntagsstaat haben es sich in den Vorgärten bequem gemacht - Collmen ist bereit, am Wochenende sein rundes Ortsjubiläum feiern: 800 Jahre.

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Einladend: An den Ortseingängen haben Helga Riedel und Simon Schulz große Plakate angebracht, die vom Fest künden.

Quelle: ines alekowa

"Damit ist Collmen sogar 50 Jahre älter als Colditz und gehört zusammen mit Bockwitz, Kaltenborn, Lastau und Zschirla zu den ältesten Colditzer Ortsteilen", erzählen Simon Schulz (45) und Helga Riedel (67), letztere hält im siebenköpfigen Organisationskomitee für das Jubiläumsfest am 12. und 13. September die Fäden in der Hand. Darauf, den wahrscheinlich im Landeskirchenarchiv in Dresden liegenden Beleg einzusehen, hat das Komitee übrigens verzichtet. "Dass Collmen 1215 erstmals als Chulme erwähnt wurde, steht in der Colditzer Stadtchronik, und das ist für uns Urkunde genug", sagt Schulz.

Ohnehin liegen tatsächliches und gefühltes Alter in Collmen weit auseinander - der Ort zählt 101 Einwohner. 31 davon sind Kinder! Neuzugezogene - bis auf zwei Grundstücke sind alle bewirtschaftet, auch das lange verwaiste Herrenhaus - seien vor allem junge Leute um die 30. "Das ist belebend", freut sich Schulz. Auch er ist kein "Ureinwohner", wenngleich er bereits seit 1976 in Collmen lebt, als sein Vater von der Inneren Mission beauftragt wurde, in der Region die Posaunenchöre zu betreuen.

Das letzte große Fest in Collmen hat er damit gar nicht miterlebt. Das Schulfest - inclusive Festumzug - von 1969 liegt fast ein halbes Jahrhundert zurück. Es hat sich ins Ortsgedächtnis eingeprägt, vielleicht auch deshalb, weil es in dem Zeitraum nichts Vergleichbares gab. An eine 750-Jahr-Feier kann sich Riedel jedenfalls nicht erinnern. "Insbesondere die älteren Dorfbewohner aber wollten so etwas gern noch einmal erleben. Und die Jüngeren haben gesagt: ,Was die früher gemacht haben, können wir eigentlich auch'", beschreibt Helga Riedel die Motive, zum 800-jährigen Bestehen etwas Größeres auf die Beine zu stellen als es zum Beispiel das 2012 anlässlich der Einweihung der Gemeinschaftskläranlage aus der Taufe gehobene Wasserfest oder die Weihnachtsbaumverbrennung sind. Gesagt, getan. "Seit April haben wir an dem Programm gebastelt. Fast jeder will mitmachen, auch beim Umzug. Wir hoffen, dass noch jemand zum Winken am Straßenrand übrigbleibt", schmunzelt Schulz.

Der am Sonnabend um 14 Uhr startende Umzug, etwa 100 Meter lang, bildet den Auftakt des Festes. In den Bildern stellen die Collmener sich und ihre Geschichte mit Stolz - und einem Augenzwinkern - dar. Andreas und Sybille Walther etwa, die als "Erste Collmener Einwohner" den Zug anführen werden. Weitere Bilder erinnern unter anderem an die Besenbinderei Partzsch, an die 1875 eröffnete und in den 1970ern geschlossene Schule in der Kirchstraße 13, in der heute Simon Schulz wohnt, an die beiden Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) im Dorf und vieles mehr. Der eine oder andere wird den Zug vielleicht auch mit etwas Wehmut verfolgen. Gab es in Collmen früher Käserei, Kolonialwarenhandel, Schumacher, Gärtnerei, Bäckerei, Gastwirtschaft und sogar ein Standesamt, ist die Zahl der Selbstständigen mit Schulz als Werbetechniker, dem Hausmeisterservice Herzog und Transport Wuttke heute überschaubar.

Nach dem Umzug wird ab 15 Uhr am alten Gerätehaus, das vergangenes Jahr ein neues Dach und Farbe erhielt und jetzt als Dorfgemeinschaftshaus fungiert, zu geselligem Beisammensein eingeladen. Die Frauen backen dazu Kuchen, später gibt es Gegrilltes und Salate, der Frauenchor Colditz bringt ein Ständchen, ab 19 Uhr darf zu Musik von "Tonbalance" getanzt werden. Highlight im Wortsinne wird 21.30 Uhr ein Feuerwerk. "Alles wird über Spenden finanziert, die Bereitschaft ist sehr groß", freut sich Schulz.

Die Fortsetzung des Festes am Sonntag beginnt 10.15 Uhr mit einem Bläsergottesdienst. "Die Kirche Collmen war früher das religiöse Zentrum der umliegenden Muldendörfer, die kein eigenes Gotteshaus hatten", weiß Schulz. Und auch dass sogar Johann Sebastian Bach hier 1735 bei einer Hochzeit die Orgel gespielt haben soll. Außerdem auf dem Programm stehen die Enthüllung einer Gedenktafel auf dem Friedhof für den früheren Besitzer der Schamotte, Witte, einst größter Arbeitgeber und Tonlieferant für die Manufaktur Meißen, und eine Baumpflanzung in der Ortsmitte, am Bornberg. Und weil das alles hungrig macht, wird an- und abschließend zum Suppenmahl geladen. Den Kochlöffel an der Feldküche wird Helga Riedel persönlich schwingen, schließlich hat sie 42 Jahre in der Klinikküche Zschadraß gearbeitet, seit 1992 als deren Leiterin. Sie und Schulz freuen sich nicht nur auf die Collmener, sondern auch auf Gäste, die mitfeiern und entdecken, "dass Collmen ein schönes Fleckchen ist".

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.09.2015

Ines Alekowa

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