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Curt und Emma Remler aus Großbuch feiern Gnadenhochzeit

Seit 70 Jahren ein Paar Curt und Emma Remler aus Großbuch feiern Gnadenhochzeit

Ein solches Jubiläum ist nur wenigen vergönnt: Curt und Emma Remler aus Großbuch feierten jetzt Gnadenhochzeit. Seit 70 Jahren sind die Beiden unzertrennlich.

Unzertrennlich seit 70 Jahren: Curt und Emma Remler feierten Gnadenhochzeit.

Quelle: Haig Latchinian

Otterwisch/Naunhof. Hübsche Mädchen mit langen Beinen – sie sind es, die das Herz von Curt Remler höher schlagen lassen. Am liebsten sind ihm die Tänzerinnen, vor allem aber Schlagersängerin Helene Fischer. Zur Familienfeier sei sogar mal eines ihrer Double engagiert worden, lachen die Töchter Jutta und Karin: „Opa hat gar nicht gemerkt, dass Helene Fischer ein Mann war...“

Wenn Curt (92) von langen Beinen schwärmt, bekommt seine Emma (90) keinen dicken Hals. Sie weiß: Appetit holt man sich woanders, gegessen wird zu Hause. Außer am Donnerstag: Zur Gnadenhochzeit speiste das Jubelpaar mittags in der Höfgener Schiffsmühle, ehe es zu Pflaumenkuchen, Kindern und Kindeskindern ins Festzelt nach Naunhof ging.

Curt und die Beine. Ein trauriges Kapitel. Im Krieg wurde der damals 18-Jährige schwer verwundet, in Russland, Oberschenkelamputation. 1946 lernte er Emma kennen. An der Milchrampe. Zu Hause. In Großbuch. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt seine Auserwählte. Emma war Flüchtlingsmädchen. Kam aus Ostpreußen. Ganz allein, mit Fremden. Die gefährliche Fahrt übers Haff – ein lebenslanges Trauma. Kein Wunder, dass es später nie zu einer Dampferfahrt kam, die sich Curt gewünscht hatte – genauso wie die Kriegsverletzung ausgedehnte Wanderungen verhinderte, von denen Emma träumte. Dennoch fuhr die Familie in den Urlaub – Thüringen, Harz, Ostsee.

„Was soll’s, da saß mein Mann eben im Strandkorb und die Enkel sind für ihn geschwommen“, sagt Emma. Man müsse auch zurück stecken können, betont sie. Dabei springt ihr verräterischer Schalk aus den Augen. So schwer es die Remlers hatten, so viel Spaß haben sie: „Im August 1947 war die Trauung, und noch im gleichen Jahr kam unsere erste Tochter. Ja, wie haben wir das bloß hingekriegt?“

Jeder Topf findet seinen Deckel, resümieren die Töchter: „Opa der Schüchterne, der Pferdenarr, Oma die Forsche, mit grünem Daumen.“ Curt war zuletzt LPG-Produktionsleiter, Emma hielt ihm den Rücken frei. Er, der Agraringenieur, sie, die gute Seele. Während er mit Prothese und Motorrad einigermaßen abenteuerlich zur Arbeit ratterte, sprang sie im Kindergarten als Krankheitsvertretung ein, umsorgte die Enkel und strich, ganz Feingeist, Tore und Zäune an. „Nicht blau. Blau ist keine Farbe, blau ist ein Zustand“, sagt sie und hat die Lacher auf ihrer Seite.

Die Nachbarn gratulierten am Donnerstag dem Dorfältesten und seiner Emma zu 70 treuen Ehejahren. Pfarrerin Susann Donner wünschte Gottes Segen auf allen Wegen. Bürgermeister Matthias Kauerauf überreichte ein persönliches Schreiben des sächsischen Ministerpräsidenten. Drei Enkel, sieben Urenkel, ein Ur-Urenkel – Stefanie mit 50 die älteste der Kindeskinder, Maddox mit elf der jüngste. Maddox? Der neumodische Name geht Ur-Uropa Curt genauso leicht über die Lippen wie seine Finger auf Smartphone und Tablet tippen. Weil er weiß, dass er den Enkeln so noch näher ist, schickt er WhatsApp-Nachrichten und Mails. Er freut sich des Lebens. Wie ein Teenager im Autoscooter kurvt er im Elektro-Rolli durch den Garten, zählt die Knospen, neckt die Hühner, spielt mit dem Hund. Vor allem ist er erleichtert, dass sich seine geliebte Emmi nach gesundheitlichem Hänger wieder aufgerappelt hat. Er genießt es, mit ihr die Zeitung zu lesen, auch wenn der Politikteil mehr betrübt als beflügelt. „Unser sehnlichster Wunsch: Nie wieder Krieg! Denn die, die ihn aushecken, sind nie dort, wo’s brennt.“

Von Haig Latchinian

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