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Grimma DGB: Wenn wir nicht in Flüchtlinge investieren, zahlen wir am Ende drauf
Region Grimma DGB: Wenn wir nicht in Flüchtlinge investieren, zahlen wir am Ende drauf
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11:58 07.03.2016
Erik Wolf Quelle: Archiv
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Landkreis Leipzig

Die Zahlen sehen gar nicht so schlecht aus. Im Gegenteil, sagt Erik Wolf, seines Zeichens kommissarischer Geschäftsführer der Region Leipzig/Nordsachsen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und damit auch für den Landkreis Leipzig zuständig. Die Mitgliederzahlen seien stabil und in der Stadt Leipzig sogar ein leichter Zuwachs zu verzeichnen. In der DGB-Region Leipzig/Nordsachsen gibt es etwa 70 000 Gewerkschaftsmitglieder, von denen 17 000 zwischen Wurzen, Grimma, Geithain und Groitzsch und damit im Landkreis Leipzig zu Hause sind, so Wolf. Zugleich warnt er davor, deutsche Arbeitnehmer und Asylbewerber gegeneinander auszuspielen.

Den Stopp des Abwärtstrends führt Wolf (bis zur turnusmäßigen Neuwahl eines Geschäftsführers Ende nächsten Jahres kommissarisch im Amt) auf die vergleichsweise gute wirtschaftliche Entwicklung und den damit verbundenen Zuwachs an sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen zurück. „Auch die guten Tarifabschlüsse der letzten Jahre spielen ein Rolle“, sagt der 38-Jährige. Wenn die Gewerkschaften dabei gute Ergebnisse lieferten, sei das „ihr Kerngeschäft“. Gewerkschaftliche Hochburgen im Landkreis sind etwa Großunternehmen wie Dow Chemical in Böhlen und das Vattenfall-Kraftwerk in Lippendorf, aber auch kleinere Metallbetriebe, etwa in Wurzen. Ein Verlust hingegen ist das bisherige Edeka-Lager in der Bornaer Stauffenbergstraße.

Es versteht sich, dass der DGB in den steigenden Asylbewerberzahlen eine große Herausforderungen sieht. „Wir heißen die Menschen, die zu uns kommen, aber willkommen“, stellt Wolf klar und betont, dass deren Schicksal nicht in Konkurrenz zu deutschen Langzeitarbeitslosen gesehen werden darf. Es bleibe eine zentrale Gewerkschaftsaufgabe, Arbeitslose wieder in Lohn und Brot zu bringen. „Für Geflüchtete sind zusätzliche Maßnahmen nötig“. Das bedeute in jedem Fall einen – natürlich auch finanziellen – Mehraufwand, so Wolf. Und es müsse dafür gesorgt werden, dass Asylbewerber bei ihrer Integration in den Arbeitsmarkt angesichts mangelnder Sprachkenntnisse nicht im Billiglohnsektor landen, wo sie am ehesten zu Konkurrenten für einheimische Arbeitnehmer werden könnten.

Bei den jungen Asylbewerbern dringt der Gewerkschaftschef auf eine Erstausbildung, verbunden mit einer Sprachausbildung, um deren Integration von Anfang an in die richtigen Bahne zu lenken. Bei älteren Asylbewerbern komme es darauf an, deren Qualifikation festzustellen und sie entsprechend weiterzubilden. „Das kostet Geld“, aber es handle sich um Geld, „das wir am Ende zurückbekommen“, ist Wolf mit Blick auf die Einzahlungen in die Sozial- und Rentenkassen sicher. Nicht zu vergessen die Steuerzahlungen der neuen Mitbürger. „Wenn wir nicht in die Flüchtlinge investieren, würden wir am Ende draufzahlen.“

Der DGB wendet sich auch ganz konkret an die Asylbewerber – mit Flyern in Französisch, Englisch, Arabisch und Farsi. Darin geht es um Themen wie Mindestlohn, Leiharbeit und Scheinselbstständigkeit.

Von Nikos Natsidis

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