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Grimma DRK-Weckruf: „Müll ist keine Hilfe“
Region Grimma DRK-Weckruf: „Müll ist keine Hilfe“
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08:06 29.08.2018
Sarah Schenke und ihre Mitstreiter ärgern sich, dass Bürger ihre alten Kleidungsstücke und Sperrmüll, einfach in der Toreinfahrt der DRK-Geschäftsstelle ablegen. Fast täglich müssen sie die Sachen als Müll entsorgen.
Grimma

Wenn Sarah Schenke gegen 7.30 Uhr auf Arbeit kommt, fällt ihr erster Blick ungewollt auf die Toreinfahrt. Und fast jeden Tag ärgert sie sich, dass dort wieder lieblos hingeworfene Textilien, Kleidersäcke oder sogar Möbelstücke liegen. Die 30-Jährige arbeitet als Leiterin des Bereiches Aus- und Fortbildung beim DRK-Kreisverband Muldental, seit Februar ist ihr Arbeitsplatz in der DRK-Geschäftsstelle in der Grimmaer Schulstraße 17. „Das Müll-Problem hier gibt es aber weitaus länger“, weiß sie zu berichten. Mit ihren Kollegen muss sie Tag für Tag kostbare Arbeitszeit opfern, um die nicht brauchbaren Sachen zu entsorgen.

Ärger über Müll vor der Tür

„Müll ist keine Hilfe“, schlägt jetzt die Sprecherin des Kreisverbandes, Antje Wedler, Alarm. Denn es nimmt überhand, was einige Zeitgenossen dem DRK in Grimma vor die Tür legen. Manche kämen wohl sogar mit einer Karre und „kippen das direkt unter der Infotafel ab“, erzählt Bereichsleiterin Schenke. Nicht nur Kleidungsstücke, auch zusammengerollte Teppiche würden in die Hofeinfahrt gelegt, sogar Tische und Schränke. „Das ist richtiger Sperrmüll“ und nicht mehr verwertbar, ärgert sich die DRK-Mitarbeiterin.

Verbotsschilder und Aufsteller

Makellose Textilien sortiert sie mit ihren Kollegen für die DRK-Kleiderkammer aus. Das meiste aber müssen die Mitarbeiter, die laut Wedler eigentlich wichtige Aufgaben im Fahrdienst, Rettungsdienst, der Erste-Hilfe-Ausbildung und Beratung von Hilfesuchenden haben, aufwendig entsorgen. „Wir haben es mit Aufsteller und Absperrbändern versucht, und wir haben Verbotsschilder angebracht – nichts hilft“, wundert sich Schenke über die Beharrlichkeit der vermeintlichen Spender.

Möglicherweise spielt eine Rolle, dass in der Schulstraße einst die DRK-Kleiderkammer untergebracht war. Sie ist aber schon nach dem Hochwasser 2013 in die Bahnhofstraße 5 verlegt worden. Und seit Anfang des Jahres steht auch kein Kleidercontainer mehr an der DRK-Geschäftsstelle. „Wir sind eine soziale Einrichtung und helfen gern“, bekräftigt Schenke. Aber die Sachen gehörten nicht vor die Geschäftsstelle.

Gut erhaltene Kleidung für die Kleiderkammer

DRK-Sprecherin Wedler betont, dass gut erhalte Kleidungsstücke gern in einen der 85 DRK-Sammelcontainer im ehemaligen Muldentalkreis geworfen oder direkt in der Kleiderkammer in Grimma abgegeben werden können. Leider sei es ein Dauerproblem, dass einige Leute die Sammelcontainer zur Müllentsorgung nutzen. Grünschnitt, Hausmüll, sogar volle Windeln und sperrige Gegenstände finden sich in den Behältnissen. „Manche Ladung können wir nur noch wegschmeißen“, ärgert sich die DRK-Frau. Besonders bei den sommerlichen Temperaturen der letzten Zeit.

14 Tonnen Haus- und Sperrmüll im Vorjahr

Allein 2017 summierte sich die Menge solchen Haus- und Sperrmülls, die das DRK Muldental bei der stationären Kleidersammlung in Containern oder neben den Sammelstellen vorfand, „auf sage und schreibe 14 Tonnen“, so Wedler. Mit viel Aufwand und Kraft müssten das haupt- und ehrenamtliche Helfer auf Kosten des DRK entsorgen. „So werden Spenden, die eigentlich der Hilfe für Menschen in Not dienen sollen, zu immensen Kraftanstrengungen und zusätzlichen Kosten für die Hilfsorganisation.“

Seien die Container im ständigen Blickfeld, wie an der Hauptgeschäftsstelle in Wurzen, gebe es das Problem nicht, weiß Wedler. Auf dem Land aber sei das anders. Man habe deshalb auch schon abgelegene Standorte – wie in Nerchau – aufgegeben und den Sammelcontainer umgesetzt.

DRK Sammelcontainer befinden sich in Grimma in der Goethe-, Bebel- und Südstraße (hier bei Pleitegeier). Die Kleiderkammer in der Bahnhofstrasse 5 (Gebäude 24, gegenüber PVM) öffnet Montag und Mittwoch von 10 bis 12 und 13 bis 16 Uhr sowie Dienstag und Donnerstag von 10 bis 12 und 13 bis 17 Uhr.

Von Frank Prenzel

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