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"Dann wäre die Kuh tot"

"Dann wäre die Kuh tot"

Zu wenig Platz pro Huhn, zu viel gefährliches Pilzgift pro Liter Milch: Die Schlagzeilen über die Landwirtschaft waren in den vergangenen Tagen wenig freundlich.

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Kühe am Futtertrog: Nach Einschätzung von Frank Freiberg geht es Tieren in der Landwirtschaft heute besser als je zuvor.

Quelle: LVZ-Archiv

Muldental. Frank Freiberg, Geschäftsführer des Regionalbauernverbandes Muldental, haben etliche der Äußerungen verärgert. "Es kann nicht sein, dass Landwirte für alles haftbar gemacht werden, was andere verbocken", sagt er. Viele Ausführungen seien von deutlicher Unkenntnis geprägt.

Im Zusammenhang mit der angeblich belasteten Milch - verursacht durch mit Schimmelpilzen befallenen Mais aus Bulgarien - habe das ZDF zum Beispiel berichtet, dass der zulässige Schwellenwert 30-fach überschritten worden sei, so Freiberg. Das sei völliger Unsinn. "Wenn das so gewesen wäre, hätte die Kuh keine Milch mehr geliefert, dann wäre sie tot." Das gefährliche Pilzgift Aflatoxin wirke nämlich auf die Leber, das Tier wäre an Leberversagen gestorben. "Die ganze Berichterstattung über Grenzwerte versteht der Verbraucher doch gar nicht mehr", sagt der Landwirtschaftsfachmann. Dass die Überschreitung eines Schwellenwertes noch längst nicht gleichbedeutend mit einer Gesundheitsgefährdung sei, habe wohl kaum jemand begriffen. "Der Schutz der Bevölkerung geht immer vor", lässt Freiberg keine Zweifel aufkommen, "aber hier ist aus einer Sache, die keine ist, ein Riesenskandal gemacht worden." Die Milch sei nach "vorsoglichen Sperren" inzwischen wieder freigegeben worden, doch die Bauern hätten finanziell und hinsichtlich des Images deutlich gelitten.

Für Freiberg hat die Sache mit der von Schimmlepilz befallenen Mais allerdings eines noch einmal ganz deutlich aufgezeigt: Es gibt eine Lücke bei den Kontrollen. "Der Landwirt muss ständig Proben abliefern und das ist auch gut so. Auch in den Molkereien zum Beispiel wird ganz regelmäßig untersucht", so der Bauernverbandsgeschäftsführer. "Das große Übel" sei der Handel, wenn die Futtermittel durch ganz Europa gekarrt würden ohne Beprobung,

Auch hinsichtlich der Tierhaltung hat Freiberg eine klare Meinung. "Tieren geht es heute so gut wie nie zuvor", sagt er, "sie haben Bedingungen zum Wohlfühlen - außer beim Schlachten." Aber Ziel der Viehaltung sei nun einmal die menschliche Ernährung. Früher habe es in jedem Dorf überall Misthaufen gegeben mit Fliegen, es habe gestunken. Heute gebe es schon Anzeigen, wenn der Bauer mit dem Wasserfass zum Tränken der Tiere fahre. Dabei gebe es heute nur noch 30 Prozent des Milchviehbestandes wie vor der Wiedervereinigung. Deshalb funktioniere auch die zuletzt häufigre geforderte Kreislaufwirtschaft nicht. Dafür gebe es schlicht zu wenig Vieh, die Landwirte müssten stattdessen Mineraldünger ausbringen - und der sei sehr teuer. Insgesamt rät Freiberg zu bewusstem statt hektischem Umgang mit der Situation.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.03.2013

Heinrich Lillie

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